Mallorcas witzigste Steine: Wandern, wo die Felsen Humor haben
Wandern mit der MZ: Eine leichte Tour auch für den Sommer rund um Lluc. Sie bietet Wälder, Kloster, die kleinste Wanderhütte der Insel und ziemlich verrücktes Gestein
Skulptur „Pau“ auf dem Parkplatz der Wanderhütte Refugi de Son Amer, einem der möglichen Startpunkte der Route. / Thomas Fitzner
In mehrfacher Weise ideal ist diese mäßig anstrengende familientaugliche Wanderung:
1) Sie ist die perfekte Einstiegstour für einen mehrtägigen Aufenthalt im Hotel des Klosters Lluc oder in einer der vielen Wanderhütten.
2) Geeignet als Test der Kondition eines neuen Begleiters, ohne ihn zu überfordern.
3) Eine der wenigen Routen auf der Insel, die aufgrund der Höhenlage und des üppigen Schattens auch an heißen Tagen gemacht werden können, ohne einen Tuareg im Stammbaum zu haben.
4) Die Strecke ist abwechslungsreich und wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf, daher als Einstiegsdroge geeignet, wenn man jemanden fürs Wandern begeistern möchte.
5) Die Rundtour kann von mehreren Punkten gestartet werden.

Bereits auf dem Weg Richtung Kloster Lluc. / Thomas Fitzner
Beginnen wir mit dem letzten Punkt. Viele nutzen den Parkplatz des Klosters Lluc als Startpunkt, der ist aber gebührenpflichtig. Daher bietet sich der kostenlose Parkplatz der Wanderhütte Son Amer an, für die Route macht es keinen Unterschied. Weitere Optionen sind speziell für jene interessant, die aus Richtung Pollença kommen: die Finca Binifaldó und die Rast- bzw. Grill- bzw. Campingplätze entlang der Straße Pollença–Lluc.
Wanderhütte für zwei Personen
Das ganze Tal ist mit solchen Erholungszonen gesprenkelt. Bei meiner letzten Tour stellte ich fest, dass eine winzige Steinhütte am Camí de sa Coma de Binifaldó, die ich für einen Ibanat-Geräteschuppen gehalten hatte, bewohnt war. Die Recherche ergab: Es handelt sich um die wohl kleinste Wanderhütte der Insel, mit Kapazität für maximal zwei Personen, also ganz knapp über der Bewohnerzahl einer Einsiedelei.
Die hier vorgeschlagene Variante beginnt auf dem Parkplatz von Son Amer, wo eine Skulptur namens „Pau“ (Frieden) den Verkehrstoten gewidmet ist. Anlass für den Künstler Marcos Torandell war der Unfalltod eines Freundes. Geschaffen wurde sie mit Ästen von Bäumen, die der Sturm Juliette im Februar 2023 umgeblasen hatte.

Zwischenstopp auf dem Platz der Pilger des Klosters Lluc. / THOMAS FITZNER
Eine sinnige Warnung, denn wir queren eine Straße, bevor wir nach einem Feld in dichten Wald eintauchen, wo es zunächst bergauf geht. Bald führt ein erster Abstecher zum „Mirador de Son Amer“ mit einem herrlichen Blick auf das Tal von Lluc und die Berge. Weiter geht es über einen breiten Waldweg, danach über einen lauschigen Pfad bis zu den „Casas de Binifaldó“.
Route für Blinde
Das Gebäude ist als Umwelt-Erziehungszentrum beschildert, gelegentlich wimmelt es hier von Schulklassen. Auch Einquartierung ist möglich, jedoch nur in Gemeinschafts-Schlafräumen.
Die Lage ist traumhaft: am Fuß des Puig Tomir, am Rand einer weiten Wiese und umgeben von Eichen, in deren Schatten man sich gerne niederlässt und über einen Wanderweg wundert, der an einer Seite mit einer Holzplanke versehen ist. Es handelt sich um eine Route für Blinde, die sich hier in die Natur vortasten können.

Freiwillige kümmern sich rührend um die hungrigen Rentner. / Thomas Fitzner
Wenige Hundert Meter weiter wartet die „Alzina d’en Pere“, amtlich mit dem Titel arbre singular geadelt (einzigartiger Baum), gesprossen ungefähr vor einem halben Jahrtausend, also ungefähr als Kolumbus Amerika entdeckte.
Baumologen vermuten, dass diese Steineiche von der Axt verschont wurde, weil sie ein beliebter, schattiger Rastplatz für Reisende war. Eine andere Theorie knüpft an ihren Spitznamen „Alzina fumadora“ (Raucher-Eiche) an, dass nämlich seinerzeit die Landarbeiter ihren Schatten für Rauchpausen schätzten. Möglicherweise die älteste Raucherzone der Insel.
Liebliche Feldlandschaft
Geradeaus führt der Weg, ein Abschnitt des Tramuntana-Weitwanderwegs GR 221, weiter nach Pollença. Wir biegen links ab, wo ein breiter Fahrweg, der Camí de sa Coma de Binifaldó, durch eine liebliche Feldlandschaft und dann durch einen Wald führt, vorbei an der oben erwähnten Zweisamkeits-Hütte, bis zur Verbindungsstraße Pollença–Lluc, die wir durch einen Tunnel unterqueren können.
Hier reiht sich ein Erholungsplatz an den anderen, und hier beginnt der einzige Abschnitt, den man besser mit einer Wander-App bewältigt. Parallel zur Straße geht es im Zickzack und auf einem nicht immer perfekt erkennbaren Weg durch eine Art Wunderwald, wo sich bereits die malerische Felsenlandschaft des letzten Teils der Route ankündigt. Der Weg endet – erraten – auf einem weiteren Rastplatz, der „Àrea Recreativa Pixarells“.

Ein halbes Jahrtausend alt und mit besonderem Schutzstatus versehen: „Alzina d’en Pere“, auch „Alzina Fumadora“ genannt (Raucher-Eiche). / Thomas Fitzner
Nun dringen wir in eine der spektakulärsten Karstregionen Mallorcas mit teilweise märchenhaften Gesteinsformationen vor. Bei einer Wanderung ertappte ich hier Extrembergsteiger beim Training in einer überhängenden Felsdecke. 20 Gehminuten später ein Abstecher, der vom Kloster Lluc aus per Spaziergang zu erreichen und daher gelegentlich stark frequentiert ist: Es Camell, ein Steg durch eine Felsenlandschaft mit einer winzigen Ausblicksterrasse zwischen fantastisch gerillten Steilwänden und einem beeindruckenden Blick in das Tal von Lluc.
Felsen perfekt zum Kraxeln geeignet
Hier stoße ich auf einen deutschen Vater und in geringer Entfernung eine mallorquinische Mutter, die beide dasselbe Problem haben: Ihre noch sehr kleinen Kinder wollen unbedingt die Felswände raufkraxeln, und die Elternteile haben alle Hände voll zu tun. Die Kleinen scheinen die Felswände als eher lustig denn als bedrohlich zu empfinden, der Kletterdrang ist kulturübergreifend übermächtig.
Danach sind es nur wenige Minuten, und wir stehen auf der Plaça Pelegrins, dem Pilgerplatz, vor dem Kloster Lluc. Wer hier ein sinniges Souvenir sucht, dem empfehle ich, im Laden beim Durchgang einen Lucus-Wein zu kaufen, gekeltert aus Trauben des höchstgelegenen Weinbergs der Insel (Mortitx) und benannt nach dem lateinischen Wort für Heiliger Wald, aus dem sich auch der Name des Klosters ableitet. Die Route hat klargemacht, wovon der Begriff inspiriert ist.
Ausstellung über die Natur der Bergwelt
Von Lluc dann ein stimmungsvoller Spaziergang – Steinweg, Steineichen, Moos, knarrende Holzgatter, gluckernder Bach – zur Wanderhütte Son Amer mit einem weiteren schönen Aussichtspunkt. Wer noch Energie hat, kann sich hier eine Ausstellung über die Natur der Bergwelt ansehen. Direkt darunter unser Parkplatz.
Fazit: Eine attraktive, leichte und nicht allzu anstrengende Wanderung, die auch Varianten erlaubt und mit vielen von dem aufwartet, was die Region rund um das Kloster Lluc zu einem Paradies (beinahe hätte ich Mekka gesagt …) für Wanderer macht.
Distanz: 12 km
Netto-Gehzeit: 3 Stunden
Höhenunterschied: 431 Meter
Schwierigkeitsgrad: ***
Anfahrt: Von Caimari Richtung Kloster Lluc, kurz vor dem Kloster sieht man den geräumigen Parkplatz der Wanderhütte Son Amer.
Tourencharakter: Abwechslungsreiche und nicht allzu anstrengende Wanderung mit viel Schatten und zahlreichen angenehmen Rastplätzen.
Tipps: Gut als Sommerwanderung geeignet. Ausreichend Wasser mitbringen, gutes Schuhwerk unerlässlich.
Übernachtung: Mehrere Campingplätze, Ibanat-Hütten sowie Refugi Son Amer und das Hotel im Kloster Lluc
GPS-Track: hier
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