Über 30 Grad – doch auf Mallorca fehlen ausgerechnet die Klimatechniker
Wer auf Mallorca derzeit eine Klimaanlage reparieren oder installieren lassen will, braucht mitunter Geduld. Der Installateurverband ASINEM erklärt die Ursachen und warnt zugleich vor unseriösen Anbietern.

Ärgerlich wenn im Hochsommer die Klimaanlage kapuut geht / ENDESA
Seit mehr als einem Monat klettert das Thermometer auf Mallorca täglich über die 30-Grad-Marke, und in den Straßen inselweit flimmert die Luft schon am Vormittag. Die MZ-Redaktion erreichte der verärgerte Anruf eines spanischen Kunden, der schildert, dass in der Filiale der deutschen Drogeriekette Müller seit Wochen die Klimaanlage nicht funktioniere. Auf Nachfrage der MZ bestätigte die Marketingabteilung von Müller S.L. in Manacor den Zustand: Die zentrale Kühlanlage des Marktes funktioniere noch immer nicht richtig, weil es zunächst an einem verfügbaren Kühltechniker gefehlt habe und noch dazu ein einzelnes spezielles Bauteil fehle, das auf Mallorca nicht erhältlich sei und auf dessen Lieferung man weiterhin vergeblich warte. Bis dahin behelfe man sich als Provisorium mit transportablen Geräten, was aber nicht ausreiche, um den gesamten Laden herunterzukühlen.

Einige der Kunden der Müller-Fiale in Inca haben sich bereits auf Google-Maps über die nicht funktionierende Klimaanlage beschwert. / Antonia Palmer Mesquida / Google Maps
Eine Branche unter Druck
Der Fall in Inca ist kein Einzelfall, sondern das Symptom eines generellen Problems: Auf ganz Mallorca kämpfen Betriebe und Haushalte gerade nicht nur mit der Hitze, sondern auch damit, überhaupt jemanden zu finden, der ihre Klimaanlage repariert oder eine neue installiert. Aus Sicht des balearischen Installateurverbands ASINEM (Asociación de Empresas Instaladoras de Baleares), der mehr als 570 Betriebe der Branche vertritt, klafft zwischen Nachfrage und Angebot an verfügbaren Fachkräften eine gewaltige Lücke, und das komme gerade in der Hochsaison besonders zum Tragen. „Ein Grund dafür liegt in der staatlichen Vorschrift für thermische Gebäudeinstallationen, denn nur Techniker mit einer RITE-Zulassung (Reglamento de Instalaciones Térmicas en los Edificios) dürfen Klima- und Kälteanlagen installieren und reparieren. Das berufliche Ausbildungssystem produziert auf den Balearen jedoch schlichtweg nicht genug Absolventen“, erklärt Mayra Argüelles, die Geschäftsführerin von ASINEM.

Mayra Argüelles ist Geschäftsführerin beim balearischen Installateurverbands ASINEM (Asociación de Empresas Instaladoras de Baleares). / ASINEM
Fachkräftemangel
Das Problem kennt auch der deutsche Klimatechniker Ivo Grees, der mit Grees HKP seit vier Jahren seinen eigenen Betrieb auf der Insel führt aus erster Hand: „ Ich fahre bei Störungen und Wartungen weitgehend selbst raus, weil wir bisher keinen Servicetechniker bekommen haben , der das Ganze in der Qualität und der Leistung übernehmen kann, die wir gerne hätten“, erzählt er. Erst im September würden endlich zwei neue Kundendiensttechniker zum Team stoßen, denn die meisten auf der Insel verfügbaren Kräfte seien keine ausgebildeten Anlagenmechaniker oder Kältetechniker. Und Fachkräfte aus Deutschland zu holen, sei ebenso schwierig: „Die kommen meistens mit falschen Vorstellungen vom mallorquinischen Arbeitsalltag auf die Insel, denn deutscher Servicestandard lässt sich eben nicht mit `zwei Stunden morgens arbeiten, Rest des Tages Pause‘ vereinbaren“, erklärt Grees.

Ivo und Senta Grees sind das Gründerteam von dem Betrieb Grees Heizung Klima Photovoltaik auf Mallorca / Grees HKP
Nur Profis vertrauen
Trotzdem rät Mayra Argüelles jedem Verbraucher, beim Kauf oder der Reparatur einer Klimaanlage nur den zugelassenen Fachkräften zu vertrauen und auf die RITE-Zulassung des Installateurs zu achten. Bei der Verbraucherschutzstelle von ASINEM würden immer wieder Anrufe von Kunden eingehen, die sich betrogen fühlen. „Weil bei ihnen Klimaanlagen installiert oder neu befüllt wurden, die von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktionieren, oder weil das Unternehmen keine Rechnung stellt oder das vorgeschriebene Zertifikat nicht ausstellt“, so Argüelles. Daher rät sie, vor der Beauftragung die CIF-Nummer der Firma im Registro de empresas instaladoras auf der Website der balearischen Industriebehörde zu prüfen (www.caib.es/sites/tramitacioudit/es/listados_organismos_empresas/) oder direkt im Verzeichnis geprüfter Betriebe von ASINEM nachzusehen (www.asinem.net/asociado). Bei Actividad Instaladores ist dabei der Filter Térmicas en Edificios zu wählen.
Umweltvorschriften
Wer ohnehin über eine neue Anlage nachdenkt, sollte laut Argüelles außerdem die europäischen Umweltvorschriften im Blick behalten: Bestimmte bislang gängige Kältemittel werden schrittweise aus der Herstellung und dem Import verbannt. Wer ein älteres Gerät hat, kann es zwar weiter betreiben und reparieren lassen, solange es Alternativmittel, Ersatzteile und zugelassene Techniker dafür gibt, doch das werde mit der Zeit schwieriger. In vielen Fällen laufe es auf einen kompletten Anlagentausch hinaus.

Auch die richtige Temperatureinstellung der Klimaanlage trägt zum persönlichen Wohlbefinden bei / Europa Press
Tipps für Ihre Klima-Anlage
Auch wer eine funktionierende Klimaanlage besitzt, kann in der Hitzewelle einiges falsch machen, sagt Grees. Tipp Nummer eins: regelmäßig die Filter kontrollieren. „Je verschmutzter die Filter sind, umso mehr Dreck zieht die Anlage an, und umso schneller verschimmelt sie von innen.“ Ein feuchtes, dunkles Milieu im Inneren des Geräts sei der perfekte Nährboden für Keime und Pilze.
Zweiter Tipp: die Anlage nicht ständig an- und ausschalten, sondern eine Wohlfühltemperatur einstellen und sie laufen lassen, damit sich die Anlage selbst regulieren kann. Als Faustregel gilt laut Grees ein maximaler Unterschied von sechs Grad zur Außentemperatur – bei 35 oder 36 Grad draußen sei für den Körper eine Kühlung auf 29 bis 30 Grad optimal, nicht kälter. Das sei durch die gleichzeitige Entfeuchtung der Luft trotzdem angenehm, aber deutlich schonender für Anlage und Kreislauf. Wer das Gerät für längere Zeit ausschaltet, sollte es vorher rund eine halbe Stunde im reinen Umluftbetrieb ohne Kühlung laufen lassen, um es so von innen zu trocknen und Schimmelbildung vorzubeugen.
Informationen
Profi-Techniker für Klimaanlagen
Berufsverband der balearischen Installateure: asinem.net
Installateur- und Heizungsbaumeister Ivo Grees: grees-hkp.com
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