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Gefahrenstelle Pool: Warum immer wieder Kinder auf Mallorca ertrinken

Ein Gespräch mit dem kindermedizinischen Koordinator der Balearen

Früher Unterricht ist nützlich, ersetzt jedoch nicht die Aufsicht.

Früher Unterricht ist nützlich, ersetzt jedoch nicht die Aufsicht. / EFE/SERGEY DOLZHENKO

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Die letzten Zwischenfälle an Pools ereigneten sich am Montag (17.8.): Auf Mallorca und auf Ibiza konnten zwei kleine Kinder in letzter Sekunde aus dem Wasser gerettet werden und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Gespräch mit Juan Carlos de Carlos Vicente, dem kindermedizinischen Koordinator der Balearen.

Was raten Sie Familien, um solche Tragödien zu verhindern?

Die wichtigste Maßnahme ist die Aufsicht. Fast alle Kinder, die ertrinken, sind irgendwann der Aufmerksamkeit der Erwachsenen entkommen. Kinder unter vier Jahren muss man immer in Reichweite eines Armes halten. Das heißt, sie müssen so nah sein, dass man sie sofort aus dem Wasser holen kann, wenn sie hineinfallen. Darüber hinaus hilft es, Kindern schon früh das Schwimmen beizubringen. Doch nichts davon ersetzt die ständige Aufsicht.

Ab welchem Alter empfehlen Sie, Kindern das Schwimmen beizubringen?

Ab dem ersten Lebensjahr kann man ihnen zumindest das Schweben im Wasser beibringen. Ab etwa vier Jahren verfügen Kinder über die notwendigen Fähigkeiten für ein umfassenderes Schwimmtraining. Dass ein Kind schwimmen gelernt hat, heißt allerdings nicht, dass man aufhören kann, es zu beaufsichtigen. Solange es nicht wirklich sicher genug schwimmt, um sich allein zu behaupten, muss es weiterhin aufmerksam überwacht werden.

Welche weiteren Maßnahmen empfehlen Sie?

Der Zaun rund um den Pool ist eine grundlegende Schutzmaßnahme. Die meisten Ertrinkungsunfälle bei Kindern auf den Balearen passieren nicht im Meer, sondern in Schwimmbädern.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Die größte Risikogruppe sind Kinder unter sechs Jahren, insbesondere unter vier Jahren. Das ist nachvollziehbar, weil sie noch nicht schwimmen können oder nicht über die Fähigkeiten verfügen, sich zu retten, wenn sie ins Wasser fallen. Eine weitere Risikospitze gibt es bei Jugendlichen ab etwa 14 Jahren, allerdings sind die Umstände dort andere. Häufig handelt es sich um riskantes Verhalten, etwa das Springen von Felsen, das Baden an gefährlichen Stellen oder das Schwimmen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen.

Der Pool der Villa laut einem Bild der Website VRBO.

Bei privaten Pools gilt besonders Obacht. / VRBO

Handelt es sich häufig um Touristen?

Ja, durchaus. In unserer Region sehen wir einige Fälle von acht-, neun- oder zehnjährigen Kindern, die aus anderen Ländern in den Urlaub kommen und nicht schwimmen können. Auf Mallorca ist das frühe Erlernen des Schwimmens relativ weitverbreitet.

Weisen die Unfälle mit Kindern ein wiederkehrendes Muster auf?

Ja, das häufigste Muster ist eine kurze Unaufmerksamkeit. Das Kind ist bei seiner Familie, verschwindet aber irgendwann aus dem Blickfeld der Erwachsenen, ohne dass jemand bemerkt, dass es ins Wasser gelangt ist. Wenn jemand den Sturz sofort beobachtet, kann das Kind unmittelbar gerettet werden. Manchmal vergehen jedoch mehrere Minuten, ohne dass jemand etwas bemerkt.

Kann eine Unaufmerksamkeit von nur wenigen Minuten tatsächlich ausreichen?

Natürlich. Man meint, dass das Kind direkt neben einem ist, und während man telefoniert, das Essen zubereitet oder sich nur für ein paar Sekunden umdreht, hat es sich bereits entfernt. Wenn man wieder hinsieht, kann es bereits auf dem Boden des Pools liegen. Diesen Fehler beobachten wir am häufigsten: Man glaubt, das Kind sei unter Kontrolle, obwohl es in Wirklichkeit niemand direkt beaufsichtigt.

Es reicht also nicht, dass das Kind sich in der Nähe befindet.

Nein. Man muss ständig aufmerksam sein. Wir empfehlen, dass ein Erwachsener ausschließlich dafür zuständig ist, die Kinder zu beaufsichtigen.

Schützen Schwimmflügel oder -ringe?

Hier muss man sehr vorsichtig sein, damit kein falsches Sicherheitsgefühl entsteht. Schwimmflügel, Schwimmringe oder Poolnudeln können zum Spielen oder als Unterstützung dienen, aber sie ersetzen niemals die Aufsicht durch einen Erwachsenen.

Können Sie ein Hilfsmittel empfehlen?

Wir empfehlen geprüfte und zugelassene Rettungswesten, wenn Kinder an Bord von Booten sind oder Aktivitäten im Meer unternehmen. In Schwimmbädern bleibt die direkte Aufsicht durch Eltern oder Betreuungspersonen das beste Sicherheitssystem.

Können auch aufblasbare oder kleine Pools gefährlich sein?

Ja. Ein kleines Kind kann bereits in sehr wenig Wasser ertrinken. Entscheidend ist nicht die Wassertiefe, sondern dass das Kind sich nicht selbst aufrichten kann, wenn es mit dem Gesicht nach unten ins Wasser fällt. Deshalb sollte man aufblasbare Pools leeren, sobald sie nicht mehr benutzt werden.

Sind private Schwimmbäder gefährlicher als Strände?

Bei kleinen Kindern: ja. Die meisten Ertrinkungsunfälle, die wir behandeln, ereignen sich in privaten Pools. Hier sind die Familien entspannter, weil sie glauben, dass sie sicher seien, sodass es leichter zu einer kurzen Unaufmerksamkeit kommen kann. An Stränden gibt es normalerweise mehr Aufsicht, mehr Menschen in der Umgebung und vielfach auch Rettungsschwimmer.

Archivbild eines Rettungsschwimmers auf Mallorca

Das Meer ist ein relativ sicherer Badeort dank der Rettungsschwimmer. / Borràs

Wenn ein Erwachsener ein bewusstloses Kind im Wasser findet, was sollte er in den ersten Sekunden tun?

Als Erstes muss das Kind so schnell wie möglich aus dem Wasser geholt werden. Wenn es nicht normal atmet, muss sofort der Notruf 1 12 verständigt und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Bei Ertrinkungsunfällen stehen fünf Beatmungen an erster Stelle, bevor mit den Herzdruckmassagen begonnen wird, da das ursprüngliche Problem in der Regel der Sauerstoffmangel ist. Je früher die Wiederbelebung beginnt, desto größer sind die Chancen, dass das Kind überlebt und keine bleibenden Schäden davonträgt.

Geht ein Ertrinkungsunfall immer mit Schreien und heftigen Bewegungen einher?

Nein, und das ist eine sehr wichtige Botschaft: Ein Kind kann lautlos und innerhalb weniger Minuten ertrinken. Tatsächlich verlaufen Ertrinkungsunfälle häufig völlig still. Das Kind schreit nicht, weil es versucht zu atmen. Es bewegt auch nicht unbedingt die Arme und ruft um Hilfe, wie man es aus Filmen kennt. Oft bleibt es einfach regungslos oder verschwindet lautlos unter der Wasseroberfläche. Deshalb ist es so wichtig, ständigen Blickkontakt zu halten. Ein Kind kann innerhalb weniger Minuten das Bewusstsein verlieren, wenn es unter Wasser bleibt.

Wenn das Kind gerettet wurde und scheinbar wohlauf ist, muss es trotzdem ins Krankenhaus?

Das hängt davon ab, was passiert ist. Wenn es zu einem ernsthaften Eintauch- oder Ertrinkungsunfall gekommen ist, sollte das Kind auch dann von medizinischem Fachpersonal untersucht werden, wenn es scheinbar wohlauf ist. In manchen Fällen können noch Stunden später Atemwegskomplikationen auftreten. Im Zweifelsfall sollte man eine Notaufnahme aufzusuchen.

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