Nach Jahren der Dürre: Regenfälle verschaffen Spaniens vertrockneten Gegenden eine dringend benötigte Atempause
Der Regen der vergangenen Tage hat auf dem Festland vor allem positive Folgen

Die mittelalterliche Brücke bei Talavera de la Reina stürzte in der Mitte des Flusses ein. | FOTO: MANU REINO
Der Manzanares ist ein beschauliches Flüsschen, das in seinem kanalisierten Lauf gemütlich um die Innenstadt von Madrid herumfließt. Aus dem sonst eher bachähnlichen Gewässer ist dieser Tage ein reißender Strom geworden, der die Wassermassen aus den Bergen im Norden der spanischen Hauptstadt gen Süden transportiert, wo der Manzanares in den Tajo mündet. Dieser Fluss ist durch den Dauerregen der vergangenen Wochen ebenfalls vielerorts aus seinem Becken getreten und hat massive Überschwemmungen im Zentrum des Landes verursacht. In Talavera de la Reina, im Westen der Mancha, brachten die Wassermassen des Tajo sogar eine mittelalterliche Brücke zum Einsturz.
In ganz Spanien hat eine Reihe von Tiefausläufern im März für die größten Niederschläge seit 2018 gesorgt. Die Schäden sind beträchtlich, aber natürlich kein Vergleich zur Flutkatastrophe in Valencia im Oktober letzten Jahres oder anderen meteorologischen Ausnahmesituationen. Unterm Schnitt überwiegen die positiven Aspekte. Die täglichen Niederschläge haben der Dürre der letzten Jahre ein Ende gesetzt, vor allem in besonders stark betroffenen Landesteilen wie Katalonien und Andalusien.
Durchschnittlicher Niederschlag von 148 Litern
Das spanische Wetteramt Aemet registrierte vom 1. bis zum 24. März eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 148 Litern pro Quadratmeter. Das ist mehr als das Dreifache des üblichen Werts für diese Jahreszeit. Die Folge sind vielerorts wieder volle Stauseen. Die 374 Wasserspeicher des Landes waren Anfang der Woche zu 71,2 Prozent ihrer Kapazitäten gefüllt. Vor einem Jahr betrug der Wert 57,8 Prozent. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt bei 60 Prozent.
Natürlich gibt es große regionale Unterschiede. Am meisten regnete es in der Mitte Spaniens, sodass die Stauseen des Wassersystems des Tajo, dem größten des Landes, 82 Prozent ihrer Speicherkapazität erreichten. Am Guadalquivir in Andalusien erholten sich die Reserven immerhin auf einen Stand von 58 Prozent. Weniger begünstigt von den Tiefausläufern waren die Regionen am östlichen Mittelmeer von Almería bis Alicante und das Inland Kataloniens.
In den vergangenen Jahren nach dem ebenfalls sehr regenreichen 2018 hatte es vielerorts kaum noch Niederschläge gegeben. In Andalusien und Katalonien wurde der Notstand ausgerufen und der Verbrauch für Landwirte, aber auch Privathaushalte eingeschränkt. Das Foto des Stausees im katalanischen Sau, wo ein einst überschwemmtes altes Dorf samt Kirche wieder trocken gelegt wurde, gingen um die Welt. Die Einwohner Kataloniens durften ihre Balkone nicht gießen, das Auto nicht mit dem Schlauch waschen und die Pools nicht mit Süßwasser füllen, Hotels ausgenommen. Viele Beschränkungen wurden nun aufgehoben oder sollen demnächst verschwinden, sofern es noch ein wenig weiter regnet. Auch in der Provinz Málaga wurde der Wasserverbrauch pro Kopf wieder angehoben.
Der Fall Doñana
Die vollen Stauseen und der gestiesagene Grundwasserspiegel sind eine große Erleichterung für die Landwirte. Auch einige Naturschutzgebiete entkommen dank des Dauerregens dem drohenden Kollaps. So werden viele Feuchtgebiete, wie die Tablas de Damiel in Kastilien La Mancha, ihrem Namen wieder treu und locken die Zugvögel an. Der Fall, der international am meisten Aufsehen erregt hatte, war der Niedergang des Nationalparks Doñana in Andalusien. Das Feuchtgebiet an der Mündung des Guadalquivir in den Atlantik ist das größte seiner Art in Europa und von der Unesco zum Weltnatur-erbe erklärt. Doch dieser Titel drohte Doñana aberkannt zu werden, da das 54.000 Hektar große Gebiet austrocknete. Satellitenbilder zeigen nun auf beeindruckende Weise, wie die bewässerten Flächen durch die Regenfälle der letzten Wochen wieder das Ausmaß von früher erreicht haben. Umweltschützer warnen jedoch, dass einer der menschengemachten Faktoren, nämlich die illegalen Brunnen der Landwirte rund um den Naturpark, weiter bekämpft werden müsse.

Satellitenbild des Nationalparks Doñana nach den Regenfällen. / Europa Press
Kein Grund zur Entwarnung
Trotz der Freude über das Ende der jahrelangen Dürre gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Denn das grundlegende Problem des Klimawandels bleibt bestehen. Ein wissenschaftlicher Bericht im Auftrag des Ministeriums für die Ökologische Wende, der Mitte März vorgelegt wurde, unterstreicht einmal mehr die besondere Anfälligkeit Spaniens für die Erderwärmung. Durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur geht nämlich dauerhaft viel Regenwasser durch eine erhöhte Verdunstung verloren. „Am Anfang des 21. Jahrhunderts hatten wir die höchste Frequenz schwerer Dürren in den letzten 150 Jahren“, schreiben die Autoren.
In Katalonien etwa zieht man Konsequenzen aus den Erfahrungen mit der Trockenheit. So arbeitet man weiter daran, den enormen Verlust von Trinkwasser durch defekte Leitungen einzudämmen. Es wird mehr Wert auf Wiederaufbereitung des Wassers, etwa für die Landwirtschaft, gelegt. Entsalzungsanlagen sind wegen ihres hohen Energieverbrauchs keine Antwort auf leere Stauseen. Im Süden und Südosten läuft seit Längerem eine Debatte über eine Veränderung der Landwirtschaft. Weniger Produkte, die bewässert werden müssen, wie Avocados oder viele Obstarten, und stattdessen mehr klassische mediterrane Anbauarten, die ohne viel Wasser auskommen, wie Mandeln, Oliven oder Getreide. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass das nächste Frühjahr wieder so stark ins Wasser fällt wie heute.
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