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Autobiografie vom Altkönig: Juan Carlos macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

Altkönig Juan Carlos hat seine Autobiografie geschrieben. Darin versucht er, seine Verdienste für das Land über seine Skandale zu erheben

Juan Carlos I am Mittwoch (5.11.) vor einem Restaurant in Galicien.

Juan Carlos I am Mittwoch (5.11.) vor einem Restaurant in Galicien. / FOTO: E. FERNÁNDEZ/EP

Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Monarchen schreiben in der Regel keine Autobiografien. Doch Spaniens früherer König Juan Carlos I. missachtete nach eigenen Worten den Ratschlag seines Vaters Juan de Borbón und hielt sein Leben in Zusammenarbeit mit der französischen Autorin Laurence Debray auf 512 Seiten fest. Ungewöhnlich ist auch, dass das Buch am Mittwoch (5.1 1.) zuerst in Frankreich in den Verkauf ging, ohne die für einen potenziellen Bestseller übliche Werbetrommel. Es gab lediglich ein paar Auszüge als Vorabveröffentlichung und der Rex Emeritus gab der Zeitung „Le Figaro“ ein Interview.

In Spanien wird der Verlag Planeta „Reconciliación“ (Versöhnung) am 3.12. in den Handel bringen. Eine Präsentation mit Anwesenheit des Autors ist offenbar nicht geplant. Das Interesse in Spanien ist dennoch groß. Die Autobiografie des Bourbonen erscheint nämlich genau zum 50. Jahrestag des Beginns seiner Herrschaft. Juan Carlos erklomm 1975 auf Wunsch des Diktators Francisco Franco nach dessen Tod den Thron und wurde Staatsoberhaupt Spaniens. Doch seit 2020 lebt der frühere Monarch nach einem Skandal über Schwarzgelder „unfreiwillig“ im Exil in Abu Dhabi.

"Man beraubt mich meiner Geschichte"

Im Vorwort erläutert Juan Carlos die Motivation für das Buch: „Ich habe das Gefühl, man beraubt mich meiner Geschichte.“ So ist das Schriftwerk nach den bekannten Auszügen und Kritiken derer, die es bereits lesen konnten, vor allem eins: der Versuch des 87-Jährigen, sein früheres Werk über die späteren Skandale zu erheben. Juan Carlos beschreibt sich ungeniert als Architekt der spanischen Demokratie nach dem Ende der Franco-Herrschaft. „Die Demokratie fiel nicht vom Himmel“, erklärte er in „Le Figaro“. Vielmehr habe er den Drang der spanischen Gesellschaft nach einem neuen, freien System verteidigt, um zu vermeiden „dass es zu sehr nach links oder zu sehr nach rechts“ gehe.

Franco, der ihn aus dem portugiesischen Exil der Familie nach Spanien holte, hätte ihm keine Minute Bedenkzeit gegeben, als er ihm die Krone anbot. „Ich hatte großen Respekt (für Franco) und schätzte seine Intelligenz und politisches Gespür“, heißt es in dem Buch. Der Abschnitt, der im Vorfeld mit der größten Spannung erwartet wurde, gilt dem Putschversuch am 23. Februar 1981. Doch Juan Carlos bietet keine neuen Erkenntnisse über seine eigene Rolle an jenem dramatischen Tag, als Militärpolizisten der Guardia Civil stundenlang die Abgeordneten im Unterhaus gefangen hielten. „Ich habe immer noch Zweifel und Fragen bezüglich der Ereignisse und der Verwicklung mancher Personen. Die einzige Erkenntnis ist, dass das Militär versuchte, mit Waffen die junge spanische Demokratie zu unterlaufen, mein Werk, und das konnte ich nicht zulassen“, schreibt Juan Carlos. Sein langjähriger Vertrauter und Leiter des Königshauses, General Alfonso Armada, hätte ihn damals betrogen. Neu ist das nicht, denn Armada wurde wegen seiner Rolle in dem Putschversuch zu 30 Jahren Haft verurteilt und später begnadigt.

Über das Privatleben des Königs, das lange Zeit in Spanien ein absolutes Tabu für die Medien war, ist Juan Carlos halbwegs offen. Viele der Affären mit Frauen seien ihm zwar angedichtet worden, aber er räumt zumindest ein, dass er „kein Heiliger“ ist. Besonders leid tut ihm offenbar die lange Affäre mit Corinna Larsen, obwohl er die Deutsche nicht namentlich erwähnt. Diese „Schwäche eines Mannes“, die durch einen Unfall auf einer extravaganten Elefantenjagd in Botswana an die Öffentlichkeit kam, war der Anfang des Endes seiner Herrschaft. Sein Sohn übernahm 2014 den Thron mit dem Titel Felipe VI.

Warme Worte für Sofía

Für Ehefrau Sofía hat Juan Carlos warme Worte. „Ich bin sicher, dass sie in der Geschichte Spaniens ihren Platz haben wird, einen verdienten Platz, wie auch in meinem Leben: auf einem höheren Level“, schwärmt der untreue Gatte. Für seine Schwiegertochter, die heutige Königin Letizia, hat Juan Carlos dagegen wenig übrig, weshalb sie in dem Buch kaum vorkommt. Ihre Hochzeit mit Felipe habe dem „Zusammenhalt“ der Familie nicht geholfen.

Der Auslöser für die Flucht in die Vereinigten Arabischen Emirate 2020 waren Enthüllungen über diverse Konten und Gelder in Steuerparadiesen. So hatte Juan Carlos vom saudischen Königshaus 100 Millionen US-Dollar erhalten. Dies sei ein „Geschenk“ gewesen, „das ich nicht zurückweisen konnte“, steht im Buch. „Ein großer Fehler“, gesteht der Bourbone. Mit seinem selbst erwählten Exil, einem Schicksal, das Juan Carlos mit vielen seiner Vorgänger teilt, wollte er seinem Sohn und Nachfolger helfen, dem „am besten vorbereiteten Thronfolger Europas“. Doch die Entscheidung von König Felipe, seinem Vater die Bezüge zu streichen, traf ihn hart. „Diese Ankündigung bedeutet, dass du mich zurückweist“, habe er damals zu Felipe gesagt. Und: „Vergiss nicht, dass du ein System erbst, das ich aufgebaut habe.“

Juan Carlos, der früher sogar bei vielen erklärten Republikanern beliebt und geschätzt war, sucht mit der Autobiografie die Gnade seiner Landsleute. „Ich habe versucht, dass man mich besser versteht, mich besser kennenlernt und Missverständnisse ausgeräumt werden“, heißt es in dem Buch. Für ihn sei das Überleben der Monarchie das Wichtigste. Juan Carlos kam in letzter Zeit wieder häufiger nach Spanien, wo er diese Woche erneut in Galicien an einer Segelregatta teilnimmt. Der frühere König hofft, noch vor dem Ende seines Lebens wieder in die alte Heimat zurückkehren zu können.

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