Spaniens Tiktok-Narcos: Wie Andalusiens Drogendealer auf Social Media angeben
Im Gegensatz zu den Drogenhändlern in Galicien suchen die südspanischen Kriminellen den Applaus der Öffentlichkeit

Lucía Feijoo Viera
Luis Rendueles, Vanesa Lozano
Der Drogenhandel breitet sich in Andalusien aus – und die narcos, wie die Drogenhändler in Spanien genannt werden, machen keinen Hehl daraus. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Galicien, die das Geschäft seit Jahrzehnten klammheimlich und im Schutz der Dunkelheit betreiben, setzen die südspanischen Dealer auf Prominenz. Sehr zum Erstaunen der Ermittler ist es regelrecht zur Mode geworden, dass narcos ihre Aktivitäten in Tiktok-Videos zeigen.
Mittlerweile werden sogar Zusammenschnitte publiziert, quasi als "Best-Of" der Momente. Sie zeigen etwa Verfolgungsjagden auf dem Meer oder wie Drogen in Strandnähe entladen werden. Zudem werden Szenen von Eseln gezeigt, die in marokkanischem Gebiet mit Haschischballen beladen sind. Unterlegt werden diese Videos mit Musik. Nicht selten sogar mit Liedern, in denen es textlich um Drogenhandel geht. Die andalusischen Drogenhändler und ihre Anhänger sind so von sich überzeugt, dass sie eines ihrer Best-of-Videos sogar so betiteln: „Wer herrscht über das Meer?“
Warum in Südspanien geprotzt wird
Dass die Drogenhändler im Süden anders auftreten als die Kollegen in Nordspanien erklären Ermittler auch mit wirtschaftlichen Faktoren. „In Galicien gibt es kein großes oder ernstes Armutsproblem, in einigen Gegenden rund um Gibraltar dagegen schon", sagt ein Drogenfahnder gegenüber dem MZ-Verlag "Prensa Ibérica".
Das erkläre, warum die Videos der andalusischen Drogenhändler, die ihre „Heldentaten“ oder das, was sie für einen normalen Arbeitstag halten, so viele Kommentare auf Tiktok erhalten. Einige applaudieren den Drogendealern, andere rechtfertigen sie: „Man muss leben“, oder sagen, dort gebe es wenigstens „Arbeit“. Wieder andere nutzen die Gelegenheit und bieten direkt auf der Plattform Kokain und Haschisch zu guten Preisen an. In letzter Zeit sind zudem die Clans vom Guadalquivir zum Kokainhandel übergegangen – weitaus lukrativer als Haschisch. Die Drogenpreise sind gesunken, der Schmuggel hat zugenommen, ebenso das Zurschaustellen von Waffen und die Gewalt. /pss
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