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Steinmeiers Staatsbesuch: Gedenken an die Opfer des deutschen Massenmords im Spanischen Bürgerkrieg

Bundespräsident Steinmeier ist dieser Tage bei König Felipe VI. zu Besuch und gedenkt dabei auch der Schandtaten Hitlers

Ein Blick zurück

Ein Blick zurück

Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Am Nachmittag des 26. April 1937 bombardierten Kampfflieger der deutschen Legion Condor und der italienischen Aviazione Legionaria den baskischen Ort Gernika (auf Spanisch Guernica) als militärische Hilfe für die aufständischen Truppen von General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg. Über die Zahl der Todesopfer herrscht bis heute Unklarheit. Schätzungen reichen von 150 bis knapp 2.000 Menschenleben. Das Ziel war eindeutig die Zerstörung und das Leid der Bevölkerung, um die umzingelte republikanische Front im Baskenland zu demoralisieren. Daher gilt die zerstörerische Attacke als erster flächendeckender Luftangriff auf die Zivilbevölkerung und damit ein Vorbote für das Desaster, das Europa im Zweiten Weltkrieg heimsuchte.

Pablo Picasso hat die Gräueltaten auf seinem monumentalen Gemälde „Guernica“ im Auftrag der republikanischen Regierung unmittelbar nach dem Angriff festgehalten. Am Mittwoch (26.1 1.) stand Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Museo Reina Sofia in Madrid vor dem Werk, das zum Symbol für die Schrecken des Krieges geworden ist. Steinmeier endet seinen dreitägigen Staatsbesuch in Spanien am Freitag mit einer Gedenkfeier für die Opfer von Gernika. Es wird das erste Mal sein, dass ein deutsches Staatsoberhaupt der Schandtaten der von Hitler entsandten Helfer Francos am Ort selbst gedenkt.

Eine erste Entschuldigung

Eine erste Entschuldigung gab es 1997 zum 60. Jahrestag des Luftangriffs. Bundespräsident Roman Herzog reiste jedoch nicht persönlich ins Baskenland, sondern er ließ einen Brief vom damaligen deutschen Botschafter in Madrid, Henning Wegener, auf einer Gedenkfeier in Gernika vorlesen. „Ich reiche Ihnen, die sie noch die Wunden der Vergangenheit tragen, meine Hand und bitte um Versöhnung“, schrieb Herzog an die 150 anwesenden Überlebenden der Katastrophe. Steinmeier plant, am Freitag zwei der heute noch lebenden Opfer von 1937 zu treffen.

Der Bundespräsident wird in Gernika von seinem Gastgeber König Felipe VI. begleitet. Zuvor trifft er in der baskischen Hauptstadt Vitoria den Ministerpräsidenten Imanol Pradales von den konservativen baskischen Nationalisten (PNV). Pradales wird auch bei der Gedenkveranstaltung in Gernika dabei sein. Das hat politische Brisanz, denn der Monarch gilt für eine Mehrheit der Basken als Symbol des unbeliebten spanischen Zentralstaats. In einer Rede vor dem baskischen Parlament letzte Woche lobte Pradales die Geste des Bundespräsidenten gegenüber den Opfern von Gernika. „Andere sollten sich am tiefen demokratischen Verständnis des Bundespräsidenten ein Beispiel nehmen“, erklärte er.

Wie kostbar Freiheit und Demokratie sind

Der Besuch Steinmeiers hat nichts mit den zahlreichen Veranstaltungen zur Erinnerung an den 50. Todestag Francos in diesem Jahr zu tun, die am 20. November ihren Höhepunkt fanden. Doch traf das deutsche Staatsoberhaupt, bewusst oder unbewusst, bei seiner Ansprache vor dem Abgeordnetenhaus in Madrid am Mittwoch einen Nerv. Steinmeier verglich die Geschichte Deutschlands und Spaniens, die sich beide von einer Diktatur zur Demokratie wandelten, wenn auch unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen. „Beide Länder wissen daher, wie kostbar Freiheit und Demokratie sind“, unterstrich Steinmeier vor einem sehr gut gefüllten Plenarsaal. Er warnte eindringlich vor „autoritären Versuchungen und Versprechungen einfacher Lösungen“. Das dürfte den Parlamentariern der rechtsextremen Vox kaum gefallen haben.

In Spanien ist die Debatte über die Lehren der eigenen Geschichte zuletzt intensiver geworden. Für Vox und viele der konservativen Volkspartei PP gehen die Bemühungen der Linksregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez zur Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur zu weit. Am linken Flügel, darunter verbündete Parteien der Sozialisten von Sánchez, klagen viele dagegen über eine Schönfärberei dieses historischen Prozesses. Steinmeier hatte eine klare Botschaft in seiner Rede. „Wir können viel von Spanien lernen. Die Transition ist ein leuchtendes Beispiel für uns alle“, betonte der Bundespräsident.

"Freundschaft überzeugter Europäer"

Auch wenn der Besuch in Gernika der symbolische Höhepunkt des Staatsbesuchs ist, dreht sich natürlich nicht alles um die Vergangenheit. Steinmeier lobte die deutsch- spanischen Beziehungen als „Freundschaft überzeugter Europäer“. Er erwähnte auch, dass Spanien für viele Deutsche eine neue Heimat geworden ist. Dem stimmte die Parlamentspräsidentin Francina Armengol in ihrer Präsentation des hohen Gastes im Unterhaus zu. Die ehemalige Regierungschefin der Balearen wisse um die Bedeutung der Deutschen in Spanien aus eigener Erfahrung aus ihrer Heimat Mallorca.

Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Deutschland ist für die Spanier das beliebteste Land in Europa, sogar noch vor Spanien selbst, wie eine Umfrage des renommierten Real Instituto Elcano und der deutschen Botschaft in Madrid von Oktober ergab. Am meisten schätzen die Befragten die deutsche Wissenschaft und Technologie. Am wenigsten das Essen.

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