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Nach dem US-Überfall auf Venezuela: Diese spanischen Unternehmen bangen um ihre Zukunft in dem Land

Spanien bietet sich als Vermittler in der venezolanischen Krise an, doch die US-Intervention und Trumps „Donroe-Doktrin“ stellen die Interessen des Landes auf die Probe

Das Meliá-Hotel in der venezolanischen Hauptstadt Caracas.

Das Meliá-Hotel in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. / MHI

Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Donald Trump hat getreu seiner narzisstischen Persönlichkeit nach dem Überfall auf Venezuela die Monroe-Doktrin kurzerhand in „Donroe-Doktrin“ umbenannt. James Monroe, der Amtsvorgänger des aktuellen Präsidenten der USA, machte in seiner Rede zur Lage der Nation 1823 klar, dass die noch jungen Vereinigten Staaten eine Rekolonialisierung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer militärisch verhindern würden und erklärte die gesamte Region zum eigenen Einflussbereich. Spanien wurde in einem kurzen, ungleichen Krieg 1898 von den USA um die letzten beiden amerikanischen Kolonien Kuba und Puerto Rico gebracht. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Sondereinheiten am Wochenende ist das jüngste Kapitel des Interventionismus der USA in Lateinamerika.

Dennoch sieht sich Spanien heute noch als Brücke zwischen den spanischsprachigen ehemaligen Kolonien und Europa. So bietet sich Ministerpräsident Pedro Sánchez als Vermittler in der ungewissen politischen Situation an. „Ich meine, dass Spanien eine Vermittlerrolle spielen und dazu beitragen kann, dass es einen Übergang gibt, der in fairen und freien Wahlen endet, in denen das venezolanische Volk über seine Zukunft entscheiden kann“, erklärte er am Dienstag (6.1.). Sánchez und sein Außenminister José Manuel Albares verwiesen darauf, dass sie gute Kontakte sowohl zur venezolanischen Opposition als auch zur Nachfolgerin von Nicolás Maduros, Delcy Rodríguez, pflegen.

"Fürchterlicher Präzedenzfall"

Trump hat jedoch sehr deutlich gemacht, dass er auf absehbare Zeit keine Wahlen in dem Karibikstaat verfolgt und offenbar auf die Kontinuität des Regimes ohne Maduro setzt. Eine erprobte Diktatur ist für den US-Präsident scheinbar die beste Garantie für die beabsichtigte Förderung und Ausfuhr der Ölreserven durch US-Konzerne. Und der Machthaber im Weißen Haus dürfte wenig Interesse an der Unterstützung der Spanier haben. Schließlich ging Sánchez mit der Militäraktion der USA schärfer ins Gericht als andere Regierungen in Europa. „Die Operation in Caracas ist ein fürchterlicher Präzedenzfall, der an frühere Aggressionen erinnert und die Welt in eine ungewisse und instabile Zukunft führt, so wie wir früher schon Invasionen aus Gier für das Erdöl erlitten haben“, erklärte er.

Die Situation in Venezuela ist in Spanien seit Langem auch ein innenpolitisches Thema. Im Land leben rund 600.000 Menschen aus dem südamerikanischen Staat, die vor der Unterdrückung durch die Regime von Hugo Chávez und Maduro flohen oder wegen der schweren wirtschaftlichen Krise und der hohen Kriminalität in Spanien ein besseres Leben suchten. In den letzten Jahren haben sich die Familien der venezolanischen Oberschicht in Madrid angesiedelt, was man etwa im noblen Salamanca-Viertel an den Immobilienpreisen und dem Gastronomieangebot merkt. Auch viele Spitzen der Opposition zog es ins Exil nach Madrid, wie Edmundo González, der als Sieger der Präsidentschaftswahl in Venezuela 2024 gilt, die Maduro für sich erklärte. Die Linksregierung steht in Kontakt zu González, doch Trump will weder dem 76-Jährigen noch der Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado in Caracas die Macht anvertrauen.

Zapatero wird nicht vermitteln

Außenminister Albares schloss aus, dass der frühere Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, wie Sánchez von den Sozialisten der PSOE, eine Vermittlerrolle im Namen der Regierung ausüben wird. Zapatero ist seit 2015 stark in Venezuela engagiert. Die venezolanische Opposition hatte den Spanier als Schlichter im Konflikt mit dem Regime vorgeschlagen. Rodríguez Zapatero trug 2017 zur Befreiung des damaligen Oppositionschefs Leopoldo López bei, der ebenfalls ins Exil nach Spanien ging. Doch zuletzt wurde ihm eine zu große Nähe zum Regime von Nicolás Maduro nachgesagt. Die konservative Volkspartei PP unterstellt dem Sozialisten, sich an seiner diplomatischen Tätigkeit in Südamerika bereichert zu haben. Klare Beweise dafür gibt es nicht. Dennoch hat sich die PP und die rechtsextreme Vox seit einiger Zeit auf den Ex-Premier eingeschossen, um die vermeintliche Nähe der Sozialisten zu Maduro anzuprangern.

Doch die Pläne Washingtons für das südamerikanische Land bereiten den Rechten in Spanien nun Kopfzerbrechen. Auf den Jubel von PP und Vox über die Entführung Maduros und seine Anklage vor einem New Yorker Gericht folgte die Ernüchterung, als Trump zu verstehen gab, dass es ihm nicht um Demokratie und Freiheit geht, sondern vielmehr um die enormen Erdölreserven im Karibikstaat.

Die spanischen Interessen

Für Spanien stehen ebenfalls wirtschaftliche Interessen in Venezuela auf dem Spiel. Das Land ist der wichtigste Handelspartner der Südamerikaner in Europa. Allerdings sind die Exporte und Importe seit Jahren rückläufig. Vor drei Jahrzehnten machten sich spanische Unternehmen bei ihrer Expansion in Lateinamerika auch in Venezuela breit. Doch die Wirtschaftspolitik von Chávez und Maduro, mit Enteignungen, Restriktionen und Hyperinflation, verhagelte den Spaniern die Bilanzen.

Am meisten betroffen ist der Erdölkonzern Repsol, der seit 1993 und als einer der wenigen ausländischen Firmen heute noch in Venezuela tätig ist. Die staatliche venezolanische PDVSA schuldet den Spaniern noch Hunderte Millionen Euro an Rückzahlung für eine Investitionshilfe. Wegen der US-Sanktionen kann Repsol aber seit vergangenem Jahr kein einziges Barrel Öl mehr aus Venezuela ausführen. Das Unternehmen verhandelt daher seit Monaten mit der US-Regierung und verspricht massive Investitionen in den USA. In Pressemitteilungen spricht Repsol mittlerweile vom „Golf von Amerika“, wie Trump den Golf von Mexiko umbenannt hat. Nach dem Willen des Multimillionärs im Weißen Haus sollen die eigenen Ölkonzerne die Produktion in Venezuela übernehmen. Doch Repsol könnte nach Ansicht von Analysten dank der langjährigen Erfahrung in dem Land ebenfalls berücksichtigt werden.

Für Telefónica eröffnet sich ein neuer, wenn auch ungewisser Horizont. Die Spanier sind der größte Mobilfunkbetreiber in Venezuela, doch die Hyperinflation und andere Faktoren machen das Geschäft seit Langem unattraktiv. Der Konzern möchte die Tochter in Venezuela verkaufen, so wie man sich von anderen Ablegern in Lateinamerika, mit Ausnahme Brasiliens, trennt. Die politische Lage hat dies bislang verhindert.

Die Tochter von BBVA ist die größte Privatbank in Venezuela, schrieb zuletzt jedoch rote Zahlen. Der Versicherer Mapfre unterhält zwanzig Filialen im Land. Der Moderiese Inditex hat nach einem Rückzug 2021 zusammen mit einem lokalen Partner wieder Zara-Filialen in Caracas eröffnet.

Früher galt Venezuela mit seinen Karibikstränden als Urlaubsparadies. Heute hat nur noch Hesperia fünf Hotels und Strandresorts in Venezuela. Die Mallorquiner Meliá betreiben ein Fünf-Sterne-Hotel in Caracas. Wenn Trump sich durchsetzt, könnte die Kundschaft dort bald vornehmlich aus US-Geschäftsleuten bestehen. Ob die kolonialistischen Pläne unter der „Donroe-Doktrin“ auch Platz für spanische Unternehmen lassen, muss sich zeigen. Bislang habe die Entführung Maduros „keine negativen Auswirkungen“ auf die Geschäfte der spanischen Firmen in Caracas gehabt, versicherte Spaniens Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo.

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