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Faktencheck: Nein, die EU will nicht den Dreikönigstag als Feiertag in Spanien abschaffen

Über Ferienzeiten entscheidet jedes EU-Land für sich. Kann es also sein, dass Brüsseler Bürokraten den in Spanien wichtigen Dreikönigstag als Feiertag abschaffen wollen? Nein, die Sache liegt anders.

Die Ankunft der Heiligen Drei Könige in Palma.

Die Ankunft der Heiligen Drei Könige in Palma. / Irene R. Aguado

Die «europäische Bürokratie» will angeblich den Dreikönigstag als Feiertag abschaffen. «Pläne aus Brüssel» setzten das christliche Fest Epiphanias am 6. Januar «wieder unter Druck», verbreitet ein Facebook-Post aus Luxemburg. Darin heißt es, der Dreikönigstag sei «für Millionen Familien ein fester Bestandteil von Weihnachten». Nun gebe es aber in Brüssel Bestrebungen, diesen Tag künftig nicht mehr als schulfreien Feiertag zu behandeln.

Bewertung

Die Behauptung ist falsch. Es gibt keine Bestrebungen der Europäischen Union, den Dreikönigstag nicht mehr als schulfreien Feiertag zu behandeln. Es geht einzig und allein um den Ferienplan der vier Europäischen Schulen in Brüssel.

Fakten

Die Behauptungen in dem Post stützen sich auf einen Artikel der deutschsprachigen Webseite Nachrichten.es mit der Überschrift «Brüssel und der Dreikönigstag: Neuer Druck auf eine zentrale spanische Tradition». Davon ist in dem Facebook-Post allerdings nur ein Screenshot der Überschrift samt Foto zu sehen.

Es geht nur um einige Europäische Schulen

In dem Artikel wird - anders als in dem Facebook-Post - deutlich, dass es lediglich um einen Vorschlag des Sekretariats der Europäischen Schulen geht. Demnach solle der Ferienkalender mehrerer europäischer Schulen so angepasst werden, dass der Unterricht bereits am 4. Januar – also vor dem Dreikönigstag – beginne und es auch am 6. Januar Unterricht gebe.

Vor allem Spanien sei betroffen, weil der Dreikönigstag dort «weit mehr als ein gewöhnlicher Feiertag» sei. Die Webseite Nachrichten.es räumt ein, dass die Abschaffung des Dreikönigstags als Feiertag «aktuell nicht beschlossen» sei. Sie behauptet jedoch «eine angestrebte kulturelle Vereinheitlichung innerhalb der EU», die «aus Sicht vieler Bürger im direkten Konflikt mit christlichen Wurzeln und nationalen Traditionen» stehe.

Tatsächlich gibt vor allem bei spanischen EU-Abgeordneten Ärger darüber, dass der Schulkalender der vier Europäischen Schulen in Brüssel im Schuljahr 2026/2027 die Rückkehr aus den Weihnachts-Schulferien bereits am 4. Januar 2027 vorsieht. Auf der Webseite heißt es, dass einige spanische Abgeordnete und andere Personen sich mit Protestschreiben an die spanische EU-Botschaft und die Verwaltung der Europäischen Schulen in Brüssel gewandt habe.

Kein Vorschlag der EU-Kommission

Der Ärger beruht nicht etwa auf einem Vorschlag der EU-Kommission – auch wenn Formulierungen wie «Brüssel» und «europäische Bürokratie» diesen Eindruck nahelegen.

Der Ärger beruht auch nicht auf einem Vorschlag des Obersten Rates der Europäischen Schulen, der für die Beaufsichtigung und Organisation der insgesamt 13 Europäischen Schulen mit zusammen knapp 30.000 Schülern zuständig ist. Vier dieser Schulen befinden sich im Raum Brüssel, weil dort zahlreiche Beschäftigte der verschiedenen EU-Institutionen ihre Kinder in eine Europäische Schule schicken. Die Europäischen Schulen bieten Unterricht in verschiedenen Sprachen und führen zu einem Abitur, das in allen EU-Staaten den Zugang zu Universitäten erlaubt.

Weihnachtsferien dauern zwei Wochen

Tatsächlich sieht die vom Obersten Rat der Europäischen Schulen veröffentlichte «Allgemeine Schulordnung» vor, dass die Weihnachtsferien zwei Wochen lang dauern und «um den 22. Dezember beginnen». Dies würde bedeuten, dass der 6. Januar noch in die Ferien fällt. Zugleich ist dort auch festgehalten, dass die Schulen «je nach den örtlichen Gepflogenheiten» zusätzliche schulfreie Feiertage einplanen dürfen, wenn diese nationale Feiertage sind. Jede Schule legt selbständig den Ferienplan fest. Wenn es – wie in Brüssel und Luxemburg – mehrere Europäische Schulen an einem Ort gibt, so gilt ein Ferienplan für alle Schulen an diesem Ort.

Der Dreikönigstag ist in den EU-Ländern Österreich, Italien, Spanien, Schweden, Finnland, Kroatien, Slowakei, Griechenland und Polen sowie in den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag. Über gesetzliche Feiertage entscheiden die EU-Staaten ohnehin selbst, die EU kann dabei nicht mitreden.

In Belgien, wo sich die Europäischen Schulen von Brüssel befinden, ist der Dreikönigstag kein Feiertag. Dies ist allerdings in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung, wenn die Weihnachtsferien ohnehin den 6. Januar einschließen.

Der im Dezember 2025 veröffentlichte Schulkalender der vier Europäischen Schulen in Brüssel sieht für das Schuljahr 2026/27 allerdings vor, dass dort die Weihnachtsferien bereits am Mittag des 18. Dezember 2026, einem Freitag, beginnen und bis einschließlich 1. Januar 2027, wiederum ein Freitag, dauern. Dies bedeutet, dass der Unterricht am Montag, dem 4. Januar, wieder beginnt. Im laufenden Schuljahr 2025/26 begannen die Weihnachtsferien offiziell am Montag, 22. Dezember 2025, und endeten am Dienstag, 6. Januar 2027.

EU-Schule in Spanien hat andere Ferien

Andere Schulen machen es anders. Beispielsweise beginnen die Weihnachtsferien der Europäischen Schulen in Alicante (Spanien) oder München später, nämlich am 23. Dezember 2026, und dauern dafür bis zum 6. Januar 2027. Schon dies zeigt, dass es keine «Pläne aus Brüssel» und keine Bestrebungen gibt, «diesen Tag künftig nicht mehr als schulfreien Feiertag zu behandeln».

In dem Protestschreiben der spanischen EU-Abgeordneten heißt es, der Dreikönigstag sei in Spanien «eines der wichtigsten kulturellen und familiären Ereignisse des Jahres». Es handele sich hier um «ein zentrales Element» des sozialen und familiären Lebens. Der Dreikönigstag sei «für Familienfeiern in Spanien von grundlegender Bedeutung». Unterricht am Dreikönigstag sei ein Zeichen für mangelnden Respekt vor der «kulturellen Diversität». Außerdem dauerten die Weihnachtsferien in den Schulen in Alicante, München oder Karlsruhe bis zum 7. Januar. Dies sei «eine Ungleichbehandlung».

Es geht also nirgendwo um die Abschaffung des Dreikönigstags als schulfreiem Feiertag - sondern um Kritik an der Ferienplanung von vier Europäischen Schulen in Brüssel für das Jahr 2026/27. 

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