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Zugunglück in Spanien: Was wir derzeit wissen – und was nicht

Am Tag nach dem schweren Zugunglück in Andalusien rätseln die Experten, was zu dem Unfall geführt haben könnte. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

Zugunglück in Spanien: Eindrucksvolle Luftaufnahmen zeigen Ausmaß der Katastrophe

Guardia Civil

Montse Martínez

🔴 Was ist passiert?

Am Sonntaabend (18.1.) sind in der Nähe von Adamuz in der Provinz Córdoba zwei Hochgeschwindigkeitszüge entgleist. Gegen 19.39 Uhr entgleiste ein Zug des privaten Unternehmens Iryo, der mit rund 317 Passagieren von Málaga nach Madrid unterwegs war, und geriet auf das Gegengleis. Dort näherte sich ein Renfe-Zug (Alvia), der von Madrid in Richtung Huelva fuhr.

Der Präsident von Renfe, Álvaro Fernández Heredia, erklärte, es könne derzeit noch nicht abschließend festgestellt werden, ob der Alvia-Zug tatsächlich mit den Waggons des Iryo-Zuges kollidiert sei. Ein Drehgestell – also die Radsätze eines Zuges – habe sich gelöst und sei bislang nicht lokalisiert worden. Das Sicherheitssystem sei so ausgelegt, dass bei einem Hindernis auf den Gleisen automatisch eine Notbremsung ausgelöst werde. Aber nach bisherigen Erkenntnissen habe der zeitliche Abstand zwischen den beiden Zügen, die sich in entgegengesetzter Richtung näherten, nur etwa 20 Sekunden betragen. Daher sei es unmöglich gewesen, dass das System rechtzeitig eingreife.

🔴 Was hat den Unfall verursacht?

Diese Frage ist bislang ungeklärt, die Behörden mahnen zur Zurückhaltung. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, ob ein Infrastrukturdefekt, menschliches Versagen oder ein technisches Problem am Zug das ursprüngliche Entgleisen des Iryo-Zuges verursacht hat. Renfe-Präsident Fernández Heredia erklärte jedoch in einem Interview mit dem Radiosender RNE, dass ein menschlicher Fehler nahezu ausgeschlossen sei. Sollte ein Lokführer eine falsche Entscheidung treffen, korrigiere das System diese automatisch. Man solle nicht spekulieren und die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.

Es sei noch zu früh, um konkrete Aussagen zu treffen. Der Unfall habe sich unter ungewöhnlichen Umständen ereignet, und eine schnelle Schlussfolgerung sei nicht zu erwarten. Die Untersuchungskommission sei seit dem ersten Moment vor Ort und sichere Beweise. Klar sei jedoch, dass die Sicherheits- und Alarmsysteme kaum hätten auslösen können, da zwischen Entgleisung und möglichem Zusammenstoß offenbar nur Sekunden lagen.

🔴 Wie viele Todesopfer und Verletzte gibt es?

Nach dem letzten offiziellen Stand gibt es 39 Tote und mehr als 100 Verletzte, von denen 73 im Krankenhaus behandelt werden. 24 Verletzte, darunter auch Minderjährige, befinden sich in kritischem Zustand. Die Zahlen gelten jedoch nicht als endgültig. Nach Angaben der Behörden könnten sie sich in den kommenden Stunden noch erhöhen, da sich weiterhin Passagiere in den Waggons befinden sollen.

Rettungskräfte arbeiten mit Hochdruck am Unglücksort. Im Einsatz sind unter anderem die Guardia Civil, die Militärische Notfalleinheit (UME) sowie zahlreiche medizinische Teams, darunter auch Psychologen. Beide Bahnunternehmen haben Hotlines für Angehörige eingerichtet.

🔴 Fuhren die Züge mit angemessener oder überhöhter Geschwindigkeit?

Renfe-Präsident Fernández Heredia bestätigte, dass sich der Unfall auf einem geraden Streckenabschnitt ereignete, auf dem eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde erlaubt ist. Die Auswertung der Fahrdaten habe ergeben, dass ein Zug mit 205 km/h und der andere mit 210 km/h unterwegs war. Ein Geschwindigkeitsverstoß könne daher ausgeschlossen werden. Die Strecke sei mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das menschliche Fehler verhindere. Deshalb müsse die Ursache entweder im Zugmaterial oder in der Infrastruktur liegen. Eine abschließende Bewertung werde Zeit benötigen.

🔴 Wie fallen die offiziellen Reaktionen aus?

Verkehrsminister Óscar Puente erklärte, der Unfall sei „äußerst ungewöhnlich“, insbesondere weil er sich auf einer geraden Strecke ereignet habe. Auch Experten sind sehr erstaunt. Man hoffe, dass die Untersuchung Klarheit bringe, hieß es. Puente erinnerte daran, dass 700 Millionen Euro in diese Strecke investiert worden seien. Die letzten Verbesserungs- und Instandhaltungsarbeiten an diesem Abschnitt hätten im Mai stattgefunden. Zudem werde das gesamte spanische Eisenbahnnetz regelmäßig und kontinuierlich überprüft.

Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach den Familien der Opfer bereits am Sonntagabend sein Beileid aus. Für heute ist ein Besuch am Unglücksort geplant.

🔴 Welche Auswirkungen hat der Unfall auf den Bahnverkehr?

Der gesamte Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien – darunter Verbindungen nach Córdoba, Sevilla, Málaga, Huelva und weitere Städte – ist seit dem Unfall eingestellt. Der Direktor von Renfe bestätigte, dass der Betrieb für mehr als zwei oder drei Tage ruhen werde. Mehr als 200 geplante Zugverbindungen sind betroffen. Der Unfall blockiert einen zentralen Korridor des Hochgeschwindigkeitsnetzes, der das Zentrum mit dem Süden Spaniens verbindet.

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