Spanien unter Wasser: Nur einmal hat es seit Beginn der Messungen im Januar mehr geregnet
Eine ungewöhnlich hartnäckige Abfolge von Sturmtiefs hat Spanien heimgesucht. Betroffen war vor allem Andalusien. Die Politik hilft mit Milliarden und warnt vor dem Klimawandel

Politiker bei der Begutachtung der Unwetterschäden im andalusischen Dudar in der Provinz Granada. / MIGUEL ÁNGEL MOLINA/EFE
Goretti, Harry, Ingrid, Joseph, Kristin, Leonardo, Marta, Nils und Oriana waren die Namen, die ganz Spanien seit Jahresbeginn in Atem hielten. Die ungewöhnliche Aneinanderreihung von Tiefausläufern vom Atlantik bescherten dem Land die zweitstärksten Regenfälle, die je im Monat Januar gemessen wurden.
Sturmtief Pedro sorgte Mitte dieser Woche noch für starken Wind, besonders an der Nordküste. Doch die Meteorologen gaben für die kommenden Tage Entwarnung. Die Sintflut ist erst einmal vorbei, während die Aufräumarbeiten begonnen haben. Allerdings bereiten vielerorts die anschwellenden Flüsse, wie der Ebro im Norden, Sorgen wegen weiterer Überschwemmungen. Bislang ist von zwei Todesopfern die Rede.
85 Prozent mehr Regen als sonst
Im Januar fielen in Spanien knapp 120 Liter Regen pro Quadratmeter – 85 Prozent mehr als sonst üblich. Besonders stark traf es Andalusien, wo ganze Ortschaften überflutet und Dutzende von Landstraßen gesperrt werden mussten. Mittlerweile sind fast alle der 12.500 Menschen, die evakuiert wurden, wieder in ihre Häuser zurückgekehrt. So etwa die 1.600 Bewohner des malerischen Bergdorfs Grazalema in der Provinz Cádiz. Der Ort verzeichnet historisch mit die höchsten Niederschläge des Landes, da die Wolken vom Atlantik kommend dort auf die Berge treffen.

Sara Fernández
Doch was dieses Jahr geschah, hatte man in Grazalema noch nicht erlebt. Durch den Dauerregen kroch das Wasser aus allen Ritzen und floss sogar aus Steckdosen. Schließlich bebte sogar der Untergrund unter dem Wasserdruck. Die Behörden verordneten die Evakuierung und Grazalema wurde für mehrere Tage zu einer Geisterstadt.
Sofortige Hilfe für Betroffene
Die spanische Zentralregierung und die Regionalregierung von Andalusien verabschiedeten am Dienstag (17.2.) umfangreiche Soforthilfen für die geschädigten Menschen und Gemeinden. Spaniens Finanzministerin María Jesús Montero verkündete Hilfen in Höhe von sieben Milliarden Euro.
Jede der evakuierten Personen erhält demnach 150 Euro pro Tag, an dem sie nicht in ihr Haus konnte. Die Gemeinden bekommen zwei Milliarden Euro für den Wiederaufbau von beschädigter Infrastruktur. Die Landwirtschaft erhält weitere 2,1 Milliarden Euro und auch die Fischer werden versorgt.
Die andalusische Regierung von Juan Manuel Moreno Bonilla stellte 1,78 Milliarden Euro zu Verfügung und hofft auf zusätzliche Hilfen aus Brüssel. Finanzministerin Montero von den Sozialisten der PSOE und Moreno von der konservativen Volkspartei PP stellten ihre Hilfsprogramme nicht in Konkurrenz zueinander vor, obwohl beide bei den Regionalwahlen in Andalusien im Sommer gegeneinander antreten.
Die Koordination und der gute Ton zwischen Kontrahenten ist in Spanien nicht selbstverständlich, wenn man das parteipolitische Geplänkel um die Flut- katastrophe in Valencia 2024 oder das jüngste Zugunglück im andalusischen Adamuz im Hinterkopf hat. „Wir gehen zusammen vor. Die Andalusier erwarten von uns Koordinierung, Zusammenarbeit und Großzügigkeit“, erklärte Ministerin Montero.
Nicht nur schlechte Nachrichten
Bei aller zerstörerischen Kraft hat der „tren de borrascas“ (Folge von Sturmtiefs), wie das Phänomen in den Medien bekannt wurde, auch positive Folgen. Die Stauseen verzeichnen den höchsten Pegel seit 1988. Die Wasserreserven stiegen von 57 Prozent zu Jahresbeginn auf 82,5 Prozent. Vor einem Jahr waren die Reservoirs zu 57,7 Prozent gefüllt. Von den 374 Stauseen sind 154 sogar zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Viele Talsperren mussten aus Sicherheitsgründen geöffnet werden. In den Bergen wird die Schneeschmelze bald weitere Wassermassen bringen.
Spaniens Stauseen dienen nicht nur der Wasserversorgung für Menschen und Landwirtschaft. Es gibt auch zahlreiche Wasserkraftwerke, die in den vergangenen Wochen auf Hochtouren liefen. Dadurch fiel der Strompreis auf dem Markt auf 4,42 Euro pro Megawattstunde. Mitte Januar lag der Preis noch bei 96 Euro. Die Wasserkraft steuerte im letzten Jahr 12,4 Prozent zur spanischen Stromerzeugung bei.
Folgen des Klimawandels
Experten halten die massiven Niederschläge zu Jahresbeginn für ein weiteres Beispiel von extremen Wetterphänomenen, die auf den menschengemachten Klimawandel zurückgehen. Der Golfstrom im Atlantik schwächt sich zunehmend ab. Dadurch ist das Hochdruckgebiet über den Azoren in diesem Jahr nach Norden gerückt. Die Sturmtiefs, die sonst den Norden Europas heimsuchen, trafen so weiter südlich auf den Kontinent und richteten in Portugal, Spanien und Frankreich die verheerenden Schäden an.
Finanzministerin Montero nutzte die Pressekonferenz nach der wöchentlichen Kabinettssitzung am Dienstag zu einem Aufruf an alle Parteien, den nationalen Klimapakt zu unterzeichnen. Der Appell richtete sich vor allem an Vox. Wie für Rechtspopulisten in anderen Ländern ist die Leugnung des menschengemachten Klimawandels auch für die Partei von Santiago Abascal ein Steckenpferd. Bei den vorgezogenen Regionalwahlen in der Extremadura im Dezember und in Aragón im Februar verdoppelte Vox seine Sitze, auch mit der Kampfansage gegen den „Klimafanatismus“.
In diesen beiden dünn besiedelten und strukturschwachen autonomen Regionen ist der Ausbau von erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vox will den Ausbau von Windrädern dagegen mit dem Argument des Landschaftsschutzes stoppen. Die nächsten Extremwettersituationen wird das nicht beeinträchtigen.
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