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Hantavirus-Schiff "Hondius": Spanien erhält international viel Lob – und feiert sich selbst

Spanien hat den Landgang der Passagiere des Seuchenschiffs souverän abgewickelt. Dafür zollt sogar der Papst Respekt

Passagiere verlassen die Hondius auf Teneriffa.

Passagiere verlassen die Hondius auf Teneriffa. / Ramón de la Rocha/Efe

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Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Die „MV Hondius“ war am Dienstag (12.5.) auf der Fahrt von Teneriffa nach Rotterdam, und die Passagiere des infizierten Kreuzfahrtschiffs hatten sich bereits in ihren jeweiligen Herkunftsländern in Quarantäne begeben, als Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez und der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom in Madrid vor die Presse traten. Beide zogen eine durchweg positive Bilanz der internationalen Operation, mit der 122 Passagiere und Crewmitglieder des niederländischen Schiffs unter allerstrengsten Sicherheitsvorkehrungen wegen der Ansteckungsgefahr vom Hafen von Granadilla de Abona zum nahe gelegenen Flughafen Teneriffa-Süd gefahren und von dort in 23 Länder ausgeflogen wurden.

„Wir sollten stolz darauf sein, Spanier zu sein“, unterstrich Sánchez. „Diese Welt braucht weder mehr Egoismus noch Angst, sondern Länder, die sich solidarisch zeigen.“ Sein Gast von der WHO war voll des Lobes für die spanische Koordinierung und appellierte ebenfalls an die Moral. „In diesen schwierigen Zeiten braucht die Welt diese Art von Menschlichkeit und Mitgefühl“, sagte Adhanom. In den kommenden Tagen könnte es noch weitere Fälle von Infektionen mit dem tödlichen Hantavirus geben, warnte er. Doch die Gefahr eines Ausbruchs des Virus hielt der WHO-Chef für gering, denn die Passagiere, Crewmitglieder und die meisten Kontaktpersonen seien identifiziert und werden kontrolliert. Im Madrider Militärkrankenhaus Gómez Ulla sitzen 14 spanische Staatsbürger in Quarantäne. Einer davon ist infiziert.

Querschüsse von der Opposition

Die Linksregierung von Sánchez kann das Krisenmanagement als Erfolg verbuchen, sowohl im Inland als auch vor einem weltweiten Publikum. Dabei gab es anfangs eine gehörige Dosis Nervosität und Querschüsse seitens der Opposition. Die Entscheidung, dass die „Hondius“ die Passagiere nicht auf den Kapverdischen Inseln an Land ließe, sondern die Kanaren ansteuere, stieß in Spanien auf viel Kritik. Der Ministerpräsident Fernando Clavijo von der Regionalpartei Coalición Canarias versuchte mit allen Mitteln, die Ankunft des Seuchenschiffs auf den Inseln zu verhindern. Als die „Hondius“ bereits im Hafen von Granadilla de Abona ankerte –nicht an der Mole, sondern weit entfernt im Hafenbecken – warnte Clavijo davor, dass die Mäuse, die das Virus tragen, an Land schwimmen könnten. Der Spott war dem Landesvater sicher, denn es gab keine Mäuse an Bord und die entsprechende Spezies kann auch gar nicht schwimmen.

Die konservative Volkspartei PP forderte vorsorglich den Rücktritt von Gesundheitsministerin Mónica García vom Koalitionspartner Sumar. Die Medien trugen nicht zur Beruhigung der Bevölkerung bei, indem sie anfangs die unausweichlichen Parallelen zur Coronapandemie vor sechs Jahren zogen, obwohl schnell klar wurde, dass das Ansteckungspotenzial des Hantavirus bedeutend geringer ist. Die rechtsextreme Vox verbreitete ein absurdes Argument, indem sie Sánchez beschuldigte, die Hantavirus-Krise eigenhändig bewirkt zu haben, um von den Korruptionsskandalen der Regierung abzulenken.

Viel Lob aus dem Ausland

Doch als die Passagiere verschiedener Länder nach einem strengen Sicherheitsprotokoll nach und nach von Bord der „Hondius“ gebracht wurden, ebbte auch die Kritik der Opposition ab. Die Regierung erntete dagegen viel Lob aus dem Ausland, nicht nur von der WHO. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, dankte Spanien für die „schnelle und effiziente“ Abwicklung. Der Chef des Europäischen Rats, António Costa, sprach von einem „Beispiel multilateraler Kooperation“ und der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, dankte den Spaniern dafür, dass sie „unsere Werte verteidigen“. Papst Leo XIV hob die Solidarität der Menschen auf den Kanaren hervor.

Das gelungene Krisenmanagement diente sowohl Sánchez als auch Adhanom als Argument für politische Ansagen. Der Sozialist verteidigte die Entscheidung, das Schiff in einen spanischen Hafen einlaufen zu lassen nicht allein aus technischen Gründen oder weil 14 Spanier unter den Passagieren waren. Die WHO und Experten hatten Spanien darum gebeten, da die Kapverdischen Inseln nicht die Kapazitäten für eine derart komplizierte Verlegung der infizierten und potenziell infizierten Personen in ihre Heimatländer besitzen. Sánchez bestand auf dem ethischen Imperativ. Man wollte zeigen, dass Spanien „eine Gesellschaft ist, die zur internationalen Zusammenarbeit steht“. Wie Sánchez nutze auch Gesundheitsministerin García am Dienstag die Krise des Hantavirus zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitssystems. Die Versorgung gilt laut internationalen Rankings als eine der besten in Europa.

Doch auch hierzulande knirscht es. Die Krankenhäuser, Arztpraxen und andere sanitäre Einrichtungen sind Kompetenzen der Regionalverwaltungen. Die Finanzierung kommt größtenteils vom Zentralstaat. Die Linksregierung wettert gegen den Ausbau privater Kliniken in den konservativ regierten Regionen.

Der WHO-Chef sieht seine Organisation gegenüber den Gegnern bestätigt. Die USA sind unter Präsident Donald Trump ausgestiegen, ebenso wie Argentinien unter Javier Milei, wo die Hantavirus-Krise ihren Ursprung hatte. Diesen Alleingängen stellte Adhanom die Solidarität der Menschen auf den Kanaren gegenüber, die er in den Tagen auf der Insel gespürt habe. Er würde gerne bald mit seiner Familie Teneriffa besuchen, unter anderen Umständen.

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