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Hoffen auf Leo: Kann der Papstbesuch Spaniens Regierung aus der Krise helfen?

Der Papst besucht kommende Woche Spanien. Der Regierung kommt das wohl gerade recht

Ein Papst kann so manches Wunder vollbringen. Aber ob Leo XIV. Pedro Sánchez aus der Patsche helfen kann, ist fraglich.   | FOTO: S. SPAZIANI/EP

Ein Papst kann so manches Wunder vollbringen. Aber ob Leo XIV. Pedro Sánchez aus der Patsche helfen kann, ist fraglich. | FOTO: S. SPAZIANI/EP

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Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

In der spanischen Regierung hatte man gehofft, dass der Besuch von Ministerpräsident Pedro Sánchez im Vatikan von den wachsenden Korruptionsskandalen der Sozialisten ablenken könnte, wenn auch nur vorübergehend. Doch als der Regierungschef am Mittwochmorgen (27.5.) bei Papst Leo XIV. zur Audienz antrat, durchsuchten Polizeibeamte die Zentrale der Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE in Madrid. Der Nationale Gerichtshof geht dem Verdacht auf Zahlungen der Partei zur Beeinflussung von Gerichtsverfahren gegen die PSOE nach. Es geht Schlag auf Schlag, denn seit einer Woche kommen täglich neue Details der Korruptionsvorwürfe gegen den früheren sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero ans Licht, während ein Prozess gegen Ex-Verkehrsminister José Luis Ábalos läuft.

So musste Sánchez dann auf der Pressekonferenz nach dem Besuch beim Pontifex in Rom mehr zu den Skandalen daheim erklären als zur bevorstehenden Reise von Leo XIV. nach Spanien nächste Woche. „Wenn sich jemand illegal verhalten haben sollte, werden wir mit derselben Entschlossenheit vorgehen wie bisher“, versicherte der Regierungschef und Vorsitzende der PSOE. Nun ist fraglich, ob die Strahlkraft des Oberhaupts der Katholischen Kirche nächste Woche die für die Sozialisten negativen Schlagzeilen verdrängen kann. Das Programm ist gespickt mit medienwirksamen Höhepunkten. Es ist der erste Besuch eines Papstes seit 2011, als der deutsche Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Madrid kam.

Ein mit Spanienflaggen verziertes Auto fährt am Mittwoch (27.5.) vor der Parteizentrale der Sozialisten vorbei.

Ein mit Spanienflaggen verziertes Auto fährt am Mittwoch (27.5.) vor der Parteizentrale der Sozialisten vorbei. / José Luis Roca

Madrid, Barcelona und die Kanaren

Der US-Amerikaner Robert Francis Prevost, der das halbe Leben in Südamerika verbrachte, nimmt sich nun viel Zeit. Leo XIV. ist vom 6. bis zum 12. Juni im Lande, wo er Madrid, Barcelona und die Kanarischen Inseln besuchen wird. Der Höhepunkt der Reise, weil einmalig, wird die Rede des Papstes im Unterhaus des spanischen Parlaments in Madrid am Montag (8.6.). In der Hauptstadt sind mehrere Massenveranstaltungen geplant, darunter eine Messe an der Plaza de Cibeles und ein Treffen mit Konzert im Bernabéu-Stadion.

In Barcelona wird Leo XIV. anlässlich des 100. Todestags des großen Architekten Antoni Gaudí eine Messe in der Sagrada Família feiern und den kürzlich fertiggestellten Jesus-Turm weihen. Der Abschluss der Reise des Pontifex auf Gran Canaria und Teneriffa steht ganz im Zeichen der Migration. Die Kanaren sind Ziel der lebensgefährlichen Überfahrt von Afrika. Der Papst kommt zu einer Zeit, wo die Kirche laut Umfragen nach Jahren des Niedergangs wieder mehr Zuspruch gewinnt. Nach dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut CIS beschreiben sich 34 Prozent der Menschen zwischen 18 und 24 Jahren als katholisch, das Ende des jahrelangen Abwärtstrends

Soll Kommissionen für die Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra kassiert haben: José Luis Rodríguez Zapatero.   | FOTO: MATÍAS CHIOFALO/EUROPA PRESS

Soll Kommissionen für die Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra kassiert haben: José Luis Rodríguez Zapatero. / FOTO: MATÍAS CHIOFALO/EUROPA PRESS

Ungewohnte Allianz

Jedes Wort, dass der Papst in Spanien äußert, wird unweigerlich in die politische Waagschale gelegt werden. Normalerweise stehen die Sozialisten in gewisser Distanz zum Vatikan und der erzkonservativen katholischen Hierarchie im eigenen Land. Doch aktuell bergen Sánchez und sein Team große Hoffnungen auf den Effekt der Papstreise, da beide einige Gemeinsamkeiten haben. Der Sozialist und der Papst zählen zu den schärfsten Kritikern des von den USA und Israel angezettelten Krieg im Nahen Osten und wurden deshalb mehrfach von US-Präsident Donald Trump angefeindet. Der Pontifex lobte die Einwanderungspolitik der spanischen Regierung, die in einer außergewöhnlichen Regulierung Hunderttausenden von Migranten in Spanien eine Aufenthaltsgenehmigung verschaffen wird. Diese Entscheidung wurde von der rechten und rechtsextremen Position in Spanien aufs Schärfste kritisiert.

Die bunten Bilder der Reise des Pontifex werden höchstwahrscheinlich nicht die Schlagzeilen der diversen Korruptionsskandale verdrängen können. Mittlerweile fordern auch enge Verbündete der Minderheitsregierung wie die baskischen Nationalisten der PNV angesichts des wachsenden Sumpfs vorgezogene Neuwahlen. Dieses Szenario lehnte Sánchez auf der Pressekonferenz nach der Audienz im Vatikan jedoch erneut ab.

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