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Immer mehr Investitionen aus Fernost: Chinas Industrie baut auf den Standort Spanien

Firmen aus Fernost investieren massiv. Die Offenheit stößt in Brüssel auf Argwohn

Arbeiter in einer Autofabrik des chinesischen Konzerns SAIC in Qingdao.  | FOTO: YU FANGPING

Arbeiter in einer Autofabrik des chinesischen Konzerns SAIC in Qingdao. | FOTO: YU FANGPING

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Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Spanien ist nach Deutschland der größte Autobauer Europas und der zehntgrößte weltweit. Dabei hat das Land keinen eigenständigen Fabrikanten (Seat gehört zum Volkswagen-Konzern). Doch betreiben fast alle namhaften Marken Fabriken in Spanien, von wo aus der europäische Markt beliefert wird. Nun kommen auch die aufstrebenden chinesischen Autobauer hinzu. SAIC, einer der größten Fabrikanten aus Fernost, gab am Montag (1.6.) den Bau eines Werks in Galicien bekannt. Es ist die erste Autofabrik des Herstellers von Marken wie MG in Europa. Der Standort in der Provinz A Coruña setzte sich gegen Alternativen in Tschechien und Ungarn durch. Das Werk kostet 200 Millionen Euro und soll schon 2028 die Produktion aufnehmen. Nicht nur in Galicien feierte man den Zuschlag als Bestätigung für die Zukunft des Standorts Spanien für die Automobilindustrie.

SAIC ist nicht der erste chinesische Fabrikant, den es nach Spanien zieht. Chery will noch dieses Jahr in Barcelona Wagen bauen, etwa mit der historischen spanischen Marke Ebro, die die Chinesen wiederaufleben lassen. Chery errichtet das Werk in der Zona Franca der katalanischen Hauptstadt auf dem Gelände, das Nissan 2021 aufgab. Die Symbolik dieses Wechsels ist nicht zu übersehen. Wie die Japaner sind auch andere Autobauer in den letzten Jahren mächtig unter Druck geraten. So hat Ford mit der chinesischen Geely die gemeinsame Nutzung der großen Fabrik in Almussafes bei Valencia vereinbart, da der US-Hersteller die Kapazitäten dort nicht mehr allein ausschöpfen kann.

Stellantis zu Zusammenarbeit gezwungen

Auch Stellantis sieht sich zu einer Zusammenarbeit mit der Konkurrenz aus Fernost gezwungen. Die chinesische Leapmotor will das Werk des Mutterkonzerns von Opel, Fiat und Chrysler in Madrid übernehmen, wo der Citroën C4 gebaut wird. Schließlich drängen die Asiaten auch ins Geschäft mit den Batterien, die für den Umstieg aufs Elektroauto unabdingbar sind. Stellantis und die chinesische CATL investieren vier Milliarden Euro in eine Fabrik bei Zaragoza.

Kein Zweifel, Chinas mächtige Autofabrikanten, die gerade im Bereich der Elektro- motoren der europäischen Konkurrenz den Schneid abkaufen, haben Spanien als Plattform für Europa auserkoren. Das bestätigte der Botschafter der Volksrepublik, Yao Jing, auf einer Veranstaltung vor drei Wochen in Madrid in Zusammenarbeit mit Prensa Ibérica, dem Herausgeber der Mallorca Zeitung. Ausschlaggebend sei die geografische Lage und die langjährige Expertise der Automobilbranche im Lande, die nach dem Tourismus der zweitgrößte Wirtschaftssektor ist.

„Spanien ist ein verantwortungsvolles Land, das an eine multilaterale Weltordnung und Stabilität glaubt und daher ist es für uns ein sehr verlässlicher Partner in einer Welt im Umbruch“, erklärte der Botschafter. Der Diplomat erwähnte mehrfach die Bedeutung des „gegenseitigen Vertrauens“ und der politischen Dimension der Beziehungen zwischen Peking und Madrid. Das kommt nicht von ungefähr. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste im April zu einem Besuch bei Chinas Staatschef Xi Jinping nach Peking. Es war bereits die vierte Visite in vier Jahren. So häufig ist keiner der europäischen Amtskollegen des Spaniers nach China geflogen.

Argwohn in Brüssel

Die Annäherung der spanischen Linksregierung an das kommunistische Regime stößt in anderen europäischen Hauptstädten und in Brüssel auf Argwohn. Die Europäische Kommission schickt sich gerade an, den Importen aus China, die den heimischen Markt fluten, einen Riegel vorzuschieben, etwa mit dem Industrial Accelerator Act, der die europäische Industrie gegenüber der staatlich subventionierten Konkurrenz aus China stärken soll. Dazu gehört eine Bevorzugung europäischer Produkte oder zumindest die Vorgabe eines Mindestanteils europäischer Komponenten bei Produkten wie E-Autos.

Denn viele hegen den Verdacht, dass die chinesischen Autobauer mit ihren Produktionsstätten in Spanien einfach nur Importzölle umgehen wollen. „Man kann nicht nach Europa kommen und einfach nur vier Stücke Blech mit Rädern und Sitzen, aber ohne Mehrwert, zusammenbauen. Man muss (die chinesischen Marken) dazu verpflichten, dass sie uns hier etwas zeigen und Produkte mit Mehrwert mitbringen“, kritisierte Josep María Recasens, der damalige Präsident des spanischen Branchenverbandes Anfac und Chef von Renault in Spanien im November. Recasens wurde vor Tagen zum Geschäftsführer des Technologie- und Rüstungskonzerns Indra erkoren. In der Tat plant SAIC in seinem neuen Werk in Galicien anfangs zunächst Wagen mit aus China importierten Teilen zusammenzuschrauben. Doch der Plan ist, in Zukunft den Anteil an Komponenten „Made in Europe“ deutlich zu erhöhen.

Arbeitsplätze und Technologietransfer

Bei aller Skepsis, die ihm aus Brüssel entgegenschlägt, beharrt auch Sánchez darauf, dass die chinesischen Investitionen vor Ort Arbeitsplätze schaffen und einen Technologietransfer leisten sollen, wie er gegenüber Xi beim Besuch im April noch einmal deutlich machte. Die Botschaft kommt zumindest bei einigen an. Chery weihte im April unweit der neuen Fabrik in Barcelona sein erstes Zentrum für Technologie und Forschung außerhalb Chinas ein. Renault und Geely entwickeln und bauen unter der Marke Horse in Valladolid hochmoderne Verbrennungs- und Hybridmotoren. Der Telekomausrüster Huawei, dessen Technologie aus Angst vor möglicher Spionage vielerorts abgelehnt wird, bildet seit 2024 Fachkräfte in der Huawei Spain Academy aus, dem ersten Ausbildungszentrum des chinesischen Weltkonzerns in Europa.

In diplomatischen Kreisen und unter vielen Experten hält man die offene Haltung der spanischen Linksregierung gegenüber Peking für ein wenig naiv. Sánchez sieht sich dagegen als Brückenbauer. „Wir wollen, dass sich China öffnet, damit Europa sich nicht verschließen muss“, erklärte er in Peking.

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