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Leo XIV. zu Besuch in Spanien: Ein Papst im Raubtierkäfig

Leo XIV. hält sich auf seiner Spanienreise nicht mit politischen Statements zurück. Und bekommt viel Zustimmung. Ob seine Botschaften aber auch Gehör finden, ist eher fraglich

Ein Bad in der Menge im Papamobil: Leo grüßt die Madrilenen.  | FOTO: CIRO FUSCO/EFE

Ein Bad in der Menge im Papamobil: Leo grüßt die Madrilenen. | FOTO: CIRO FUSCO/EFE

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Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Sieben Minuten lang beklatschten die Volksvertreter im spanischen Unterhaus am Montag (8.6.) die Rede von Papst Leo XIV., ein Rekord wie Parlamentsexperten bekundeten. Es war das erste Mal, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche im Congreso de los Diputados zu den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und des Senats sprach. Die Parlamentspräsidentin Francina Armengol, ehemalige Ministerpräsidentin der Balearen, begrüßte den Pontifex und zitierte dabei den mallorquinischen Philosophen Ramon Llull.

Moment der Andacht: Leo XIV. beim Gebet im Kloster Montserrat.  | FOTO: QUIQUE GARCÍA/EFE

Moment der Andacht: Leo XIV. beim Gebet im Kloster Montserrat. | FOTO: QUIQUE GARCÍA/EFE

Leo XIV. hatte in seiner halbstündigen Rede für alle politische Orientierungen etwas dabei und machte es dennoch niemandem ganz recht. Eine Botschaft, die der Papst auf mehreren Ansprachen seines sechstägigen Besuchs in Spanien wiederholte, richtete sich gegen die Spaltung und die von der Politik angetriebene Polarisierung. „Die politische Pluralität darf nicht in der ständigen Disqualifizierung des anderen enden“, warnte er. Nach dem langen Beifall beteuerten Politiker aller Parteien, dass sie die Worte des Heiligen Vaters unterstreichen würden. Doch niemand fühlte sich offenbar direkt angesprochen.

Am Mittwoch warfen sich Ministerpräsident Pedro Sánchez von den Sozialisten und der konservative Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament in gewohnter Manier ihre jeweiligen Korruptionsskandale um die Ohren, als hätte es die Rede des Papstes an selber Stelle zwei Tage zuvor nie gegeben.

Besuch in Barcelona

Leo XIV. war zu diesem Zeitpunkt bereits in Barcelona, der zweiten Etappe der Reise, wo er das Kloster Montserrat besuchte und am Mittwochabend den gerade fertiggestellten Jesus-Turm der Sagrada Família anlässlich des 100. Todestages des Architekten Antoni Gaudí weihte. Auch in Katalonien warb der Papst für Versöhnung, Dialog und Nächstenliebe. In diesem Fall spielte er indirekt auf die Spannungen um den katalanischen Separatismus an, die in letzter Zeit jedoch spürbar abgenommen haben. Die Nationalisten nutzten den international Medienrummel um den Besuch nicht für ihre Sache. Der Papst hielt weite Teile seiner Ansprachen in Barcelona auf Katalanisch, keine Selbstverständlichkeit.

Schon vor der Ankunft von Leo XIV. am Samstag (6.6.) in Madrid war klar, dass die erste Visite eines Papstes seit fünfzehn Jahren eine politische Dimension haben würde. Sánchez und der Kirchenfürst sind die führenden Kritiker des von US-Präsident Donald Trump und Israel angezettelten Kriegs im Nahen Osten. So dankte der Papst in seiner ersten Rede beim Empfang im Königspalast in Madrid „Spanien“ für dessen Einsatz „für das internationale Recht und den Multilateralismus“.

Sieben Minuten Applaus: der Papst im Abgeordnetenhaus.  | FOTO: VERONICA POVEDANO/EP

Sieben Minuten Applaus: der Papst im Abgeordnetenhaus. | FOTO: VERONICA POVEDANO/EP

Klare Worte zu Migration

Das andere große Thema, das sich wie ein roter Faden durch die sechs Tage der Reise zieht, ist die Migration. Leo XIV. hatte die von der Sánchez-Regierung beschlossene Regulierung von Menschen ohne Papiere bereits im Vorfeld gelobt. In fast allen seinen Ansprachen griff er das Thema auf, so auch im Parlament. „Da wo eine Person aufgrund ihres nationalen, ethnischen, religiösen oder sprachlichen Hintergrundes oder ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Position diskriminiert wird, verletzt man schwerwiegend das universale Prinzip der gleichberechtigten Würde aller Menschen“, mahnte der Papst.

Die Botschaft richtete sich vor allem an die rechtsextreme Vox und die konservative PP von Núñez Feijóo. Am Tag nach dem historischen Auftritt des Pontifex im Unterhaus unterzeichneten beide Parteien einen Koalitionsvertrag in Kastilien und León, in dem das kontroverse Konzept der „nationalen Priorität“ festgehalten wurde, wie bereits zuvor in Aragón und der Extremadura. Unter anderem sollen Organisationen, die Menschen ohne Papiere beistehen, keine Zuwendungen mehr bekommen, was auch für die Caritas der katholischen Kirche gilt. Die PP bestreitet den Vorwurf der Diskriminierung und versichert, dass es allein um die Verwurzelung (arraigo) der Betroffenen in der Region ginge.

Doch auch den Sozialisten schmeckte nicht alles, was der Papst im Unterhaus und auf anderen Auftritten sagte, wie der Messe am Sonntag (7.6.) auf der Plaza de Cibeles in Madrid, der rund eine Million Menschen beiwohnten. Leo XIV. machte seine Ablehnung der Abtreibung und der Euthanasie mehrfach kund, welche die sozialistischen Regierungen mit Gesetzen vorangebracht haben. Die Vertreter der Linkspartei Podemos und der galicischen Linken des BNG waren der Rede des Papstes ganz ferngeblieben, da ein Kirchenfürst ihrer Meinung nach in einer Volksvertretung nichts zu suchen hätte.

Sorgte nicht nur für Beifall: Leo XIV. bei einem Treffen mit Missbrauchsopfern.  | FOTO: EFE

Sorgte nicht nur für Beifall: Leo XIV. bei einem Treffen mit Missbrauchsopfern. | FOTO: EFE

Treffen mit Missbrauchsopfern

Der heikelste Aspekt der Visite war für den Vatikan der Umgang mit den Missbrauchfällen in der katholischen Kirche in Spanien. Schon auf dem Hinflug hatte der Papst gegenüber den mitreisenden Journalisten an Bord von einer „immer noch offenen Wunde“ gesprochen. Bei seiner Ansprache vor der versammelten spanischen Bischofskonferenz ging er einen Schritt weiter und kritisierte, dass die vielen Fälle von sexueller Gewalt von Kirchenvertretern eine „Plage“ seien. Am Montag traf Leo XIV. dann Opfer des Missbrauchs in der Vertretung des Vatikans in Madrid. Die Geste stieß jedoch auf Kritik von Verbänden von Opfern der sexuellen Gewalt. Denn die sechs Gesprächspartner waren von der Bischofskonferenz nach unersichtlichen Kriterien ausgewählt worden.

Der letzte Teil der Visite steht wieder ganz im Zeichen der Migration. Auf Gran Canaria und Teneriffa trifft Leo XIV. am Donnerstag und Freitag Migranten und Hilfsorganisationen. Die Bilder sollen seine Botschaft von der Messe in Madrid untermalen: „Niemand kann vor dem Herrn knien und dabei seinen Mitmenschen missachten.“

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