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Spaniens bekanntester Hotel-Schandfleck: Der Widerstand gegen den Abriss bröckelt

„Algarrobico“: Spaniens bekannteste Bauruine könnte nach 20 Jahren endlich verschwinden

Der Widerstand gegen den Abriss bröckelt

Der Widerstand gegen den Abriss bröckelt

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Thilo Schäfer

Thilo Schäfer

Nach mehr als zwanzig Jahren ist der Abriss von Spaniens berühmtester Bauruine beschlossene Sache. Die Gemeinde Carboneras in der andalusischen Provinz Almería entschied am Dienstag (7.7.) dem Hotelkoloss Algarrobico die 2003 erteilte Baugenehmigung zu entziehen und die Umwandlung des Geländes im Naturschutzpark Cabo de Gata nachträglich für ungültig zu erklären. Damit endet ein beispielloser Rechtsstreit und das Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen von zwei Jahrzehnten, der für Umweltschützer emblematisch für die systemischen Probleme bei der Bebauung von eigentlich geschützten Ecken gilt.

Unmittelbar nachdem Carboneras 2003 grünes Licht für das Großhotel direkt am Meer gab, regte sich Widerstand. Ein Gericht verfügte 2006 den Baustopp des im Rohbau bereits fertigen Gebäudekomplexes, mit 21 Stockwerken und 411 Zimmern am Strand von Algarrobico. Seitdem vergammelt der Bau, der mit riesigen Schriftzügen bemalt wurde und Umweltschutzaktivisten häufig als eindrucksvolle Kulisse für ihre Protestaktionen diente. Algarrobico wurde schnell zum unrühmlichen Symbol der Exzesse des Immobilienbooms Anfang des Jahrhunderts. Doch die Gemeinde wehrte sich mit Händen und Füßen gegen das drohende Aus des Projekts, von dem sie sich viele Arbeitsplätze für die strukturschwache Gegend erwartete.

Turbulente Sitzung im Rathaus

Nun ist der Widerstand nach einer turbulenten Sitzung im Rathaus gebrochen. „Wir sind eine Gemeinde von etwas mehr als 8.000 Einwohnern, denen unrealistische und illegale Perspektiven vorgetäuscht worden waren“, erklärte der Bürgermeister von Carboneras, Salvador Hernández, einer der letzten Amtsträger der fast erloschenen liberalen Partei Ciudadanos. Der Oberste Gerichtshof von Andalusien hatte Carboneras aufgefordert, die diversen gerichtlichen Urteile zum nachträglichen Entzug der Baulizenz endlich zu befolgen. Vor ein paar Wochen hatte die Gemeinde mit den Stimmen der Ratsmitglieder der Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE das Votum einmal mehr vertagen lassen. Doch nach Einschreiten der Parteispitze der PSOE in Andalusien änderten zwei Ratsfrauen ihre Meinung.

Schon oft schien das Ende von Algarrobico in greifbarer Nähe zu sein. Mehr als 50 Urteile, darunter vom Obersten Gerichtshof Spaniens, bestätigten die Illegalität des Baus. Doch die Betreibergesellschaft Azata de Sol kämpfte mit Berufungen immer wieder einen Aufschub heraus, während sich die Gemeinde stur stellte. Das Hauptargument von Carboneras war der vermeintlich drohende finanzielle Kollaps wegen der Schadenersatzforderungen von Azata de Sol von stolzen 70 Millionen Euro, obwohl auch in diesem Fall die Gerichte die Entschädigung für unangemessen halten.

Die Vizepräsidentin der spanischen Zentralregierung María Jesús Montero bei einer Pressekonferenz vor der Bauruine des Hotels Algarrobico in Cabo de Gata.     | FOTO: MARIÁN LEÓN/EP

Die damalige Vizepräsidentin der spanischen Zentralregierung María Jesús Montero bei einer Pressekonferenz vor der Bauruine des Hotels Algarrobico in Cabo de Gata (Archivbild) / FOTO: MARIÁN LEÓN/EP

"Total absurd"

Erschwerend hinzu kamen Diskussionen, wer denn für die Kosten des Abrisses und der Wiederherstellung des Küstenabschnitts aufkommen soll, die auf sieben Millionen Euro geschätzt werden. Hier kommt das Kompetenzgerangel ins Spiel. Denn rund 40 Prozent des Hotels stehen auf den hundert Metern von der Meeresgrenze, für die nach dem Küstenschutzgesetz der Zentralstaat zuständig ist. Der Großteil der Ruine belegt dagegen den Naturpark Cabo de Gata, der wiederum von der Autonomen Gemeinschaft Andalusien verwaltet wird. „Wir werden da handeln, wo wir zuständig sind, aber es wäre total absurd, wenn wir unsere Hälfte abreißen und der Rest stehen bliebe“, erklärte Spaniens Umweltministerin Sara Aagesen im April. Die spanische Linkskoalition verhandelt mit der andalusischen Regionalregierung von der konservativen Volkspartei PP, die nach den Parlamentswahlen von Juni nun die rechtspopulistische Vox mit ins Boot nehmen muss.

Madrid hat vorsichtshalber einen anderen Prozess angestoßen, um Algarrobico im Interesse der Allgemeinheit enteignen zu können. Das würde sich mit den zu erwartenden Klagen und Entschädigungsansprüchen jedoch länger hinziehen. Azata de Sol kann zwar auch noch gegen den Lizenzentzug von Carboneras Einspruch einlegen, doch Rechtsexperten halten diesen Schritt für aussichtslos und kurzlebig.

Symbol der Korruption

Bei den Umweltschützern ist die Freude über die Entscheidung der Gemeinde groß. „Algarrobico ist seit heute vom Symbol der Korruption und des Bauwahns zum Symbol für das Ende der Straffreiheit geworden. Wir können Prozesse, die zwei Jahrzehnte dauern, nicht als normal hinnehmen, während unser Planet zerstört wird“, kommentierte Greenpeace.

Die ganz wilden Zeiten des ungezügelten Baubooms an den Küsten sind zwar, auch dank des Küstenschutzgesetz der damaligen konservativen Regierung von 2013 vorbei, doch haben die Exzesse weiterhin ein Nachspiel. In der Touristenhochburg Benidorm in der Region Valencia stehen zwei Zwillingstürme mit 22 Stockwerken direkt an der Wasserlinie vor dem Abriss. Auch dieser Prozess kann sich noch hinziehen. In einem anderen Fall muss die Gemeinde eine Abfindung von 350 Millionen Euro für die Bauherren stemmen, deren Grundstücke in der Serra Gelada enteignet wurden, nachdem diese Steilküste am Mittelmeer 2005 nachträglich zum Naturschutzpark erklärte worden war.

Auch abseits von Spaniens Küsten gibt es Bausünden. In der Extremadura muss eine luxuriöse Urlaubssiedlung auf einer Insel im Stausee Valdecañas auf Geheiß des Obersten Gerichtshof des Landes abgerissen werden. Auch dieser Fall ist wegen Schadenersatzforderung festgefahren. Trotz ihrer notorischen Langsamkeit ist die Justiz die beste Garantie gegen Umweltsünden. Vox hingegen hält den Umweltschutz für ein ideologisch behaftetes Steckenpferd der Linken, wie aus den in diesem Jahr besiegelten Koalitionsverträgen mit der PP in Andalusien, Kastilien und León, der Extremadura sowie Aragón hervorgeht.

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