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Die stille Stütze der Krone: Warum Infantin Sofía für Spaniens Monarchie so wichtig ist

Die spanische Königsfamilie bemüht sich um ein Bild ohne Skandale und setzt auf die Geschwister Leonor und Sofía als geschlossenes Team für die Zukunft

Ein starkes Team: Infantin Sofñia (li.) und ihre Schwester, Kronprinzessin Leonor.

Ein starkes Team: Infantin Sofñia (li.) und ihre Schwester, Kronprinzessin Leonor. / Daniel González/Efe

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Javier Durán

Es ist keine leichte Aufgabe, die Nummer zwei in der Thronfolge einer Monarchie zu erziehen, die in einer Zeit bestehen muss, in der Macht durch Geburt nicht nur von Republikanern kritisch hinterfragt wird. Auch jene schauen genau hin, die königlichen Prunk akribisch prüfen oder in Talkshows genüsslich jeden Krümel aus dem Palast sezieren.

Die spanische Infantin Sofía de Todos los Santos de Borbón y Ortiz ist in gewisser Weise ein Experiment. Im Zarzuela-Palast verfolgt man mit ihrer Rolle ein klares Ziel: Für sie soll ein fester Platz in der Choreografie der Monarchie gefunden werden. Anders gesagt: Sofía soll sich nicht überflüssig fühlen, während sie als Reserve für ihre ältere Schwester, Kronprinzessin Leonor, bereitsteht.

Keineswegs nebensächlich

Ihr eine sinnvolle Aufgabe zu geben, ist keineswegs nebensächlich. Ein Blick auf Prinz Harry, den jüngeren Bruder des heutigen Prinzen von Wales, zeigt, welchen Schaden ein „Ersatzthronfolger“ anrichten kann, wenn er den Wunsch entwickelt, seinen eigenen Weg zu gehen. Die 19-jährige Sofía studiert am exklusiven privaten Forward College, dessen Studiengebühren enorm hoch sind. Ihr Studium führte sie zunächst nach Lissabon, später nach Paris und Berlin. Sie belegt Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen – ein Fach, das breit genug angelegt ist, um ihr später ein vielseitiges öffentliches Aufgabenfeld zu eröffnen.

Abschied bei der Königsfamilie: Infantin Sofía zieht es ins Internat nach Wales

Abschied bei der Königsfamilie: Infantin Sofía vor dem Wegzug ins Internat nach Wales / FRANCISCO GOMEZ

Krone und Hofstaat – diese Verbindung gleicht in Spanien einer Pfanne mit heißem Öl. Die Ära Juan Carlos’ I. mit ihren zahlreichen Affären, der schwersten Krise der Monarchie seit ihrer Wiederherstellung, hat trotz aller Skandale eine zentrale Lehre hinterlassen: Überleben und gesellschaftlicher Nutzen gehören untrennbar zusammen. Das Königshaus versucht deshalb mit aller Kraft, das Bild jenes leichtfertigen „Borbón-Stils“ abzuschütteln, der der Institution erheblichen Schaden zugefügt hat und bis heute nachwirkt.

Ohne Skandale

Bei der Verleihung der Premios Princesa de Girona 2026 gehörte Sofía zu den auffälligsten Persönlichkeiten des Abends. Auch bei der Pokalübergabe nach der Fußball-Weltmeisterschaft, als sie gemeinsam mit ihrer Familie auf der Bühne stand, gewann sie viele Sympathien. Sie vermittelt das Bild einer ruhigen, natürlichen jungen Frau. Damit zeigt sie, dass auch eine lange Jugendzeit – in einem Land, in dem junge Menschen immer später auf eigenen Beinen stehen – ohne Skandale verlaufen kann.

Ein Blick auf ihre Cousins Froilán und Victoria genügt, um zu wissen, dass es auch anders geht: exklusive Nachtclubs, schnelle Autos und ein Umfeld aus Adel und reichen Unternehmerkindern, das bisweilen sogar ins Visier der Ermittler gerät. Sich in solchen Madrider Kreisen zu verlieren, ist leichter, als man denkt.

Sofía scheint darüber zu stehen. Zumindest bislang. Doch niemand sollte vorschnell sagen: „So etwas wird ihr nie passieren.“ Auch Prinzessinnen sind nur Menschen. Fast wünscht man sich, ihr würde bei einem offiziellen Essen einmal die Gabel herunterfallen. Denn allzu große Perfektion wirkt auf viele Spanier eher befremdlich als sympathisch.

Prinzessin Leonor (li.) und Infantin Sofía in einer der Miró-Ausstellungen in Palma.

Prinzessin Leonor (li.) und Infantin Sofía in einer Miró-Ausstellung in Palma. / RAÚL TERREL/EP

Zwischen Disziplin, Vorbildfunktion, Pflichtgefühl und den Enttäuschungen, die wohl zu jedem Lebensweg gehören, lohnt sich ein genauerer Blick auf Sofías Rolle. Sie ist weniger die klassische „Nummer zwei“ als vielmehr eine loyale Weggefährtin ihrer Schwester – eine deutlich edlere Aufgabe.

Königin Elisabeth II. gelang es nie vollständig, ihre Schwester Margaret in das monarchische Gefüge einzubinden. Margaret blieb zeitlebens eine schillernde, aber schwierige Figur. Bereits Elisabeths Vater, Georg VI., war ungeplant König geworden, nachdem sein älterer Bruder Eduard VIII. aus Liebe zu Wallis Simpson auf den Thron verzichtet hatte.

Auch Juan Carlos I., der heute zwischen Abu Dhabi und Sanxenxo pendelt, war ursprünglich lediglich der jüngere Bruder des früh verstorbenen Alfonso. Vor diesem historischen Hintergrund bemüht sich der Zarzuela-Palast darum, dass Leonor und Sofía künftig als geschlossenes Team auftreten.

Militärische Ausbildung und Fremdsprachen

Leonor könnte schließlich die erste tatsächlich regierende Königin Spaniens seit mehr als 150 Jahren werden – seit Isabella II. Abgesehen von der militärischen Ausbildung, der Königin Letizia anfangs eher skeptisch gegenüberstand, haben beide Schwestern nahezu dieselbe Erziehung erhalten, mit besonderem Gewicht auf Fremdsprachen. Zugleich verfolgt der Hof das Ziel, Leonor dauerhaft eine Person an die Seite zu stellen, der sie vollkommen vertrauen kann und mit der sie eng verbunden ist. Genau dieses Bild vermitteln die beiden Schwestern inzwischen zunehmend in der Öffentlichkeit.

Königin Letizia und Infantin Sofia gratulieren Salma Paralluelo der spanischen Nationalspielerin Salma Paralluelo.

Königin Letizia und Infantin Sofia gratulieren Salma Paralluelo der spanischen Nationalspielerin Salma Paralluelo. / AFP7 vía Europa Press

So lautet zumindest der Plan. Ob das Leben sich daran hält, steht auf einem anderen Blatt. Der Instinkt ihrer Mutter Letizia, einer hochintelligenten Journalistin bürgerlicher Herkunft, dürfte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Bislang ist es ihr gelungen, diese besondere Geschwisterkonstellation so zu gestalten, dass Leerlauf im öffentlichen Kalender zur Ausnahme wird.

Sofía soll nicht das Schicksal vieler „zweiter Töchter“ europäischer Dynastien teilen, die zwischen gesellschaftlichen Verpflichtungen, Liebesgeschichten und persönlichen Krisen verschwanden. Stattdessen soll sie an vorderster Front mitwirken – nicht zuletzt bei der wohl größten Aufgabe der kommenden Jahre: die spanische Monarchie nach dem unrühmlichen Vermächtnis ihres Großvaters dauerhaft zu stabilisieren.

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