18. September 2008
18.09.2008
40 Años

Poker um Real Mallorca: Red Bull hat die besten Karten

18.09.2008 | 14:03
Dietrich Mateschitz (Mitte) feiert mit Fahrer Sebastian Vettel (re.) und Teamchef Franz Tost den Sieg beim Grand Prix in Monza.

Spannender als auf dem Rasen geht es zurzeit hinter den Kulissen des heimischen Fußball-Erstligisten Real Mallorca zu. Vier potenzielle Käufer wollen das Aktienpaket des finanziell angeschlagenen ­Real-Präsidenten Vicenç Grande übernehmen, der 93 Prozent der Anteile besitzt. Dabei handelt es sich um den britischen Röhrenhersteller Paul Davidson, der bereits ein Angebot eingereicht hat, den österreichischen Getränkefabrikanten Dietrich Mateschitz (Red Bull), den Briten Freddy Shepherd und einen bisher namentlich nicht bekannten Ölscheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.



Als aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme des Clubs wird derzeit Dietrich Mateschitz und sein Unternehmen Red Bull gehandelt. Das Unternehmen bestätigte Kontakte mit dem Club, wollte aber keine weiteren Angaben machen. Spanische Zeitungen spekulierten, dass Mateschitz 50 Millionen Euro für den Club und 30 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben möchte. Dies würde die Offerte des Briten Paul Davidson bei weitem übertreffen. Sein Gebot wird auf etwa 38 Millionen Euro geschätzt. Der unbekannte Scheich wurde auf den zum Verkauf stehenden Fußball-Club laut „Diario de Mallorca" durch einen seiner Anlageberater aufmerksam, der auf Mallorca seinen Urlaub verbracht hatte. Er ist offenbar bereit, 60 Millionen Euro zu zahlen. Über die Ambitionen des ehemaligen Besitzers von Newcastle United, Freddy Shepherd, herrscht noch größere Unklarheit. Der Brite war bereits vor Monaten mit einem Angebot unter 30 Millionen Euro abgeschmettert worden. Die Zeitung „Última Hora" will jedoch erfahren haben, dass sich der Fußball-Tycoon nun mit einem höheren Angebot ins Rennen zurückgemeldet hat.



Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten. Erst am 15. Oktober läuft die Frist aus, die vom Konkursrichter gesetzt worden ist. Vicenç Grande hat mit seiner Unternehmensgruppe Insolvenz angemeldet.



Die Initiative von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz wird auch von Franz Beckenbauer unterstützt, der gegenüber dem österreichischen Fernsehen erklärte, die Übernahme des Clubs sei eine gute Gelegenheit, um in Spanien Fuß zu fassen. Beckenbauer hatte seinen Freund Mateschitz auch bei der Übernahme von Austria Salzburg beraten.



Auf Mallorca könnten sich die Fans offenbar mit dem österreichischen Besitzer anfreunden, dem wegen seiner Erfahrung im Sportsponsoring große Kompetenz beigemessen wird. Allerdings äußerten sich einige Fan-Club-Präsidenten kritisch, weil sie befürchten, dass Real Mallorca genau wie seinerzeit Austria Salzburg in „Red Bull" umgetauft würde. Die­se Marketingstrategie ist sogar mehr als wahrscheinlich. Die Übernahme deutscher Proficlubs durch Red Bull scheiterte auch deswegen, weil die Statuten der deutschen Ligen eine Namensänderung nicht erlauben. In Spanien ist dies jedoch möglich.



Dennoch wird Mateschitz auf Mallorca wahrscheinlich sanfter vorgehen als seinerzeit bei Austria Salzburg. „Er würde wohl einen Teil der Identität des Clubs bewahren und eine Zwischenlösung suchen", so ein Insider zur Mallorca Zeitung. Die Namensänderung hatte in Salzburg seinerzeit viele Anhänger vergrault. „Es kann Mateschitz nicht daran gelegen sein, so etwas auf Mallorca noch einmal zu erleben", so der Insider.



Mit Real Mallorca will Mateschitz sich für die Champions League qualifizieren. Dieses Ziel hat er mit Salzburg bisher nicht erreicht. Zwar wurden mehrmals hochkarätige Verstärkungen wie Luis Figo oder Ronaldo angekündigt. Doch letztlich bekam Salzburg nicht einen einzigen der Superstars. Die österreichische Liga ist für Spitzenspieler zu unattraktiv. In Spanien sieht dies anders aus: Schließlich gilt die Primera División als eine der besten Ligen der Welt.

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:

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