13. Mai 2010
13.05.2010

Celtic Glasgow: Grün-weiße Invasion auf Mallorca

Der Fußballclub ist eine Heimat für alle im Ausland lebende Iren. Ab dem 18. Mai halten Tausende in Santa Ponça ihr Welttreffen ab – sehr zur Freude von Hoteliers und Gastronomen

13.05.2010 | 03:00
Celtic-Fans beim letzten Welttreffen 2006 in Benidorm auf dem spanischen Festland.

Vom 18. Mai an beherrschen das Straßenbild von Santa Ponça nur noch zwei Farben: Grün und Weiß. Eine Woche lang halten die Fans des schottischen Fußballclubs Celtic Glasgow auf Mallorca ihr Welttreffen ab. Anhänger aus aller Welt, zumeist im Ausland lebende Iren (siehe Kasten), kommen dann nach Mallorca, um  mit Gleichgesinnten zu feiern. Einen anderen Programmpunkt gibt es eigentlich nicht.

Es ist erst das zweite Mal, dass die sogenannte Celtic Supporter Association, der Dachverband aller Celtic-Fanclubs weltweit, seine Anhänger nach Europa einlädt. Das letzte Mal trafen sich etwa 15.000 Anhänger des Traditionsclub 2006 in Benidorm an der spanischen Levante-Küste.

Diesmal dürften es weniger werden. Organisator Richie Prior von Globo Balear rechnet mit rund 6.000 Anhängern, die den Hoteliers in Santa Ponça eine hohe Betten­belegung und den Kneipen einen gesteigerten Bierausstoß bescheren werden. Denn die schottischen Fans spucken bekanntermaßen nicht ins Glas.

Die im Vergleich zu den vorhergehenden Treffen geringere Zahl von Fans hat gleich mehrere Ursachen: Die Iren und Schotten sind besonders hart von der Weltwirtschaftskrise betroffen. Zu den Firmen, die pleitegingen, gehörte auch der Reiseveranstalter Globespan, der die meisten Fans vor vier Jahren nach Benidorm gebracht hatte. „Jetzt gibt es nicht mehr genug Flüge", so Richie Prior.      

Aber auch die Aschewolke kam für das Fantreffen zum falschen Zeitpunkt. „Die Flughäfen waren genau zu dem Zeitpunkt geschlossen, als viele Fans buchen wollten. Durch die immer noch schwelende Bedrohung schrecken viele davor zurück, mit dem Flugzeug zu verreisen", glaubt Cristian Roses vom Hoteliersverband in Santa Ponça.

Aber auch allgemein hängt bei den Celtic-Fans der Haussegen schief: Die Saison ist schlecht gelaufen. Man musste mal wieder den Glasgow Rangers den Titel überlassen. Zweiter zu werden, ist in der schottischen Liga, in der es neben den beiden Erzrivalen aus Glasgow keinen ernst zu nehmenden Gegner gibt, schlichtweg eine Katastrophe.

Globo Balear, Betreiber des Pirates-Theaters und der Casino-Show in Magaluf, hat als Veranstalter dann auch die Notbremse gezogen und kurzerhand den Aufbau einer großen Zeltstadt mit Bars abgesagt. Das sogenannte Celtic Village gehört zu den Welttreffen dazu. Die Fans werden nunmehr in den Bars und Kneipen von Santa Ponça den Durst löschen.

Santa Ponças Gastronomen müssen dabei keine Ausschreitungen befürchten. Bei den Gästen handelt es sich vorwiegend um Familien und Senioren. Und überhaupt seien die Schotten in keiner Weise mit den gefürchteten englischen Hooligans zu vergleichen, sagt Roses. In Benidorm kam es zu keinerlei Problemen.

Und auch als zum Uefa-Cup-Finale 2003 rund 100.000 Celtic-Fans wie ein riesiger Heuschreckenschwarm über Sevilla herfielen, blieb es ruhig. Vom Fußballweltverband Fifa bekam der Club im gleichen Jahr eine Auszeichnung. Auf der Urkunde stand: In Anerkennung für der friedlichsten Fans der Welt.

Das Symbol der Exil-Iren:
Überall auf der Welt, wo sich Iren niedergelassen haben, gibt es auch einen Fanclub des schottischen Fußball-Erstligisten Celtic Glasgow. Mehr als ein Fußballverein ist der Club ein Identifikationssymbol für alle Iren, die fern ihrer Heimat leben. Celtic Glasgow wurde 1887 von einem Mönch im Glasgower East End gegründet, einem Armenviertel der schottischen Hauptstadt, in dem vornehmlich irische Einwanderer wohnten. Auf diesen irischen Ursprung sind auch die Vereinsfarben Grün und Weiß zurückzuführen.

Die Konkurrenz zum Stadtrivalen Glasgow Rangers spielt in der Vereinsgeschichte eine tragende Rolle. Ein Derby zwischen den beiden Clubs ist in etwa mit dem spanischen Klassiker Real Madrid gegen FC Barcelona zu vergleichen. Es geht nicht nur um Fußball, sondern auch um eine unterschiedliche Weltanschauung. Anders als die Rangers, die bis vor einigen Jahren nur protestantische Fußballer in ihrem Team auflaufen ließen, war das vom Katholizismus geprägte Celtic von Beginn an offen für alle Spieler  – unabhängig ihrer Religion oder Herkunft.
Die Rivalität der beiden Clubs beschränkt sich heute ähnlich wie in Spanien immer mehr auf die sportliche Auseinandersetzung auf dem Rasen. Enge Freundschaften unterhalten die Grün-Weißen auch zu den Anhängern des spanischen Erstligisten FC Villarreal und des frischgebackenen Bundesliga-Aufsteigers FC St. Pauli.

In der Ausgabe vom 13. Mai (Nummer 523) lesen Sie außerdem:
- Fußball: Die Entscheidung – Letzter Spieltag in der ersten Liga
- Golf: European Tour in Pula

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