12. Mai 2018
12.05.2018

Atlético Baleares-Trainer Mandiola: "Barça hat dem Fußball geschadet"

Der Drittligist bangt im letzten Spiel um den Klassenerhalt. Der Coach im Gespräch über Zuversicht und die Methodik des FC Barcelona, die viele niederklassige Vereine kopieren wollen und daran scheitern

12.05.2018 | 01:00
Manix Mandiola will Atlético Baleares retten.

Zwei Mal musste Patrick Messow in dieser Saison schon vor die Presse treten und einen Trainer­wechsel verkünden. Mit der Einstellung von Manix Mandiola Anfang Februar scheint der Sportdirektor von Atlético Baleares letztlich alles richtig gemacht zu haben. Der gemütlich wirkende Baske ist ein Ruhepol in turbulenten Zeiten. Der 60-Jährige hat den Fußball-Drittligisten von den Abstiegsrängen auf den Relegationsplatz um den Klassenerhalt geführt. Der Club ist punktgleich mit Llagostera einen Platz darüber und Formentera einen Platz darunter (in Spanien entscheidet der direkte Vergleich). Die MZ sprach mit dem Trainer vor dem entscheidenden letzten Saisonspiel am Sonntag (13.5., 18 Uhr) im Stadion von Son Malferit gegen Aufstiegskandidat Ebro.

Trainer, die spät in der Saison verpflichtet werden und einen Verein vor dem Abstieg retten sollen, werden Feuerwehrmänner genannt – sehen Sie sich als solchen?
Dafür wurde ich geholt. Aber es ist nicht so, dass es bei Atlético gebrannt hat. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es eine vergiftete Stimmung in der Umkleide gab. Es haben einfach die Ergebnisse nicht gestimmt.

Nach der 0:1-Pleite am Sonntag (6.5.) gegen Cornellà ist Atlético wieder in akuter Abstiegsgefahr.
Ich finde dennoch, dass wir besser dastehen als in der Woche zuvor. Wir haben die Rettung in der eigenen Hand: Wenn wir gewinnen, haben wir den Relegationsplatz sicher. Dort können wir dann den Klassenerhalt holen.

Je nach den Resultaten der anderen Spiele könnte Atlético ein Unentschieden für den direkten Klassenerhalt reichen. Werden Sie mit dem Radio am Ohr auf der Bank sitzen?
Eigentlich interessieren mich die Ergebnisse erst nach dem Spiel. Am Sonntag könnten die Spielstände auf den anderen Plätzen in den letzten zehn Minuten aber doch noch interessant werden.

Der holländische Trainer Gertjan Verbeek sagte einmal: „Ich hoffe, dass ich 90 Jahre alt werde. Dann kann ich sagen, ich hätte 100 Jahre alt werden können. Aber ich habe in Nürnberg gearbeitet." Haben Sie bei Atlético das gleiche Gefühl?
Ich bin schon mit wenigen Haaren hergekommen. Trainer wie Pep Guardiola haben in drei bis vier Jahren alles gewonnen, sind im gleichen Zeitraum aber um zehn Jahre gealtert. Wenn man beim Erfolg schon so leidet, kann man sich den Stress in unserer Lage vorstellen.

Sie meinten beim Amtsantritt, dass Sie zum Flughafen zu Fuß gehen, wenn Ihre Mission scheitert. Haben Sie die Flug­tickets schon gekauft?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schlecht ausgeht. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir am Sonntag vor unseren Fans nicht gewinnen können.

Die Statistik spricht dafür. In 61,3 Prozent der 243 möglichen Resultate der Abstiegskandidaten erreicht Atlético mindestens die Relegation.
In einem Spiel kann viel passieren und die Statistik ist auf einmal gegen uns. Wir sind gut drauf. Ein Problem könnten die Nerven werden. Wir können das Spiel nicht in der ersten Minute gewinnen. Wenn die Spieler aber so eine Ruhe wie ich haben, werden wir es schaffen.

Die vergangenen beiden Spiele wurden durch direkte Eckstöße entschieden. Sind das die neuen Elfmeter bei Partien von Atlé­tico Baleares?
Das liegt an den schmalen Plätzen. Ein Einwurf oder Eckstoß wird dann sehr gefährlich.

Die deutschen Spieler, Malik Fathi und Marcel Ndjeng, fehlten zuletzt. Können sie beim letzten Saisonspiel helfen?
Sieht nicht so aus. Marcel schleppt seit drei Wochen einen Virus mit sich rum und konnte nicht trainieren. Malik hat zwar nur leichte Kniebeschwerden, aber für Sonntag reicht es nicht.

Sie sind ein Trainer der alten Schule, der einen einfachen defensiven Fußball spielen lässt. Wie überleben Sie in der modernen Fußballwelt, wo die Trainer immer jünger und die Taktik immer offensiver werden?
Dem Scheitern der jungen Trainer zum Dank bin ich hier. Ich sage immer: Barça hat dem Fußball geschadet. Ich würde auch lieber eine andere Spielweise trainieren. Ich muss mich aber an die Spieler und die derzeitige Situation anpassen.

Inwiefern hat der FC Barcelona dem Fußball geschadet?
Die ganze Welt will die Spielweise imitieren, ohne die dafür qualitativ notwendigen Spieler zu haben. Das sieht man in vielen Jugendmannschaften. Viele Leute fangen mit dem Z statt dem A an. Sie konzentrieren sich also nicht auf die Grundlagen. Zum Beispiel sollen die Torhüter bis zur Eckfahne gehen und mitspielen. Das funktioniert bei Spitzenteams wie Barcelona, Bayern München oder Juventus Turin. Andere Mannschaften müssen sich auf das Ergebnis konzentrieren. Schön spielen und verlieren ist am Ende schlecht gespielt.

Stimmt es, dass man Sie beim Drittligisten Tudelano für einen Trainer entlassen hat, der dafür bezahlt hat, den Verein trainieren zu dürfen?
Zuerst kam ein anderer Coach, der wegen schlechten Ergebnissen entlassen wurde. Dann kam ein Schotte, der für den Job bezahlt hat. Aber auch der blieb nur drei Monate.

Das Problem der Feuerwehrmänner ist, dass ihnen nach der Rettung nicht zugetraut wird, langfristig ein Team aufzubauen.
Das ist Ihre Theorie. Es stimmt, dass ich bei meinen vergangenen drei Stationen immer während der Saison verpflichtet wurde. Vor Atlético Baleares hatte ich auch andere Angebote. Aber hier hat mich das Projekt mit dem neuen Stadion, einer attraktiven Stadt und einem Präsidenten, der gute Spieler verpflichten kann, überzeugt.

Also bleiben Sie auch in der nächsten Saison?
Jetzt müssen wir uns erst mal retten. Wenn ich mich dann mit Präsident Ingo Volckmann auf eine Verlängerung einigen kann, wäre ich erfreut.

Wie ist es für einen deutschen Präsidenten bei einem spanischen Club zu arbeiten?
So etwas hatte ich noch nie erlebt. Aber ich kann mich nicht beschweren. Er ist sehr euphorisch. Was mich am meisten beeindruckt hat, war, wie er Ruhe vermittelt hat und sein Bleiben verkündete, obwohl alle Atlético schon als Absteiger gesehen haben. Chinesische, indische oder arabische Eigentümer wären dann wohl weg gewesen.

Sie haben mal gesagt, dass Sie immer Zweifel an Leuten haben, die Ihnen zu sehr vertrauen.
Das ist ein Spruch des Schauspielers Groucho Marx: Er würde nie einem Club beitreten, wo Leute wie er zugelassen werden. Das sehe ich auch so. Ich würde nicht in eine Bar gehen, wo Menschen wie ich sind. Ich bevorzuge Orte, wo es junge Leute gibt.

In Eibar hat man einen Fanclub nach Ihnen benannt. Was machen die Atlético-Fans, wenn Sie den Club retten?
Das weiß ich nicht. Ich hole mir aber von jedem meiner Vereine einen Anstecker mit dem Vereinswappen. Der von Atlético Baleares fehlt mir noch.

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