06. August 2018
06.08.2018

Real Mallorca vergibt auf dem Transfermarkt zu viele Chancen

Der Inselclub hat ein Gespür für Minusgeschäfte. Nach Marco Asensio ist der Verein nun wieder ins Fettnäpfchen getreten

06.08.2018 | 01:00
Real Mallorca verscherbelte Kasim Nuhu für 500.000 Euro. Ein Jahr später wechselt er nun für knapp 10 Millionen Euro zur TSG 1899 Hoffenheim.

Als Real Mallorcas Sportdirektor Javi Recio am Mittwoch (25.7.) den Sportteil der Tageszeitungen aufmachte, dürfte er sich verlegen am Hinterkopf gekratzt haben. Kasim Adams Nuhu, ein Innenverteidiger aus Ghana, wechselt für 8 Millionen Euro – die Summe kann durch Bonuszahlungen auf 10 Millionen Euro ansteigen – zur TSG 1899 Hoffenheim. Dabei ist es nur etwas mehr als ein Jahr her, dass Javi Recio den Transfer des heute 23-Jährigen von Real Mallorca zum Schweizer Club Young Boys Bern abgesegnet hatte. Kosten damals: 500.000 Euro. Eine Klausel für die Beteiligung am Weiterverkauf? Fehlanzeige. Kasim Adams Nuhu ist das bislang letzte Beispiel für eine Transferpolitik, die den Verein in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro gekostet hat.

Der wohl prominenteste Fall eines unvorteilhaften Transfers ist Marco Asensio. Im Dezember 2014 wechselte der Flügelspieler aus Palma für aus heutiger Sicht lachhafte 3,5 Millionen Euro zu Real Madrid. Über eine Ausleihe zuerst zurück auf die Insel und später zu Espanyol Barcelona entwickelte sich Asensio prächtig. Heute hat er in seinem Vertrag eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 700 Millionen Euro. Zuletzt lehnten die Madrilenen ein Angebot des FC Liverpool in Höhe von 180 Millionen Euro ab. „Wir haben uns oft gegrämt, dass wir so ein Riesentalent unbedingt zu Zweitligazeiten bekommen mussten. In der ersten Liga hätten wir ihn behalten und teurer verkaufen können", erinnert sich ein ehemaliges Vorstandsmitglied von Real Mallorca. Den Transfer zu Madrid verteidigt er aber. „Wir konnten damals froh sein, überhaupt einen Cent gesehen zu haben."

Das Talent von Marco Asensio blitzte bereits in jungen Jahren auf und blieb auch den Mallorquinern nicht verborgen. „Llorenç Serra Ferrer, damals Sportvorstand, gab Asensio einen Vertrag für die zweite Mannschaft mit einer festgeschriebenen Ablösesumme in Höhe von 15 Millionen Euro und einem Gehalt von weniger als 20.000 Euro im Jahr – brutto", erinnert sich das Vorstandsmitglied. „Zudem gab ihm Serra Ferrer die mündliche Zusage, dass er bei einem entsprechenden Angebot zu einem großen spanischen Club, sprich Barça oder Real Madrid, wechseln darf."

Der FC Barcelona interessierte sich zuerst für Asensio und gab ein Angebot ab. Real Mallorca lehnte ab und pochte auf die festgeschriebene Ablösesumme. Zur selben Zeit zerstritt sich Serra Ferrer mit den anderen Mitgliedern des Vorstandes, Chaos brach aus. Asensio bestand auf die mündliche Abmachung. „Sein Agent schickte uns einen Brief, in welchem er den Vertrag mit Real Mallorca als sittenwidrig bezeichnete, da das geringe Gehalt in keinem Verhältnis zur Ablösesumme stand. Der Brief blieb Wochen, ja Monate unbeantwortet", sagt das ehemalige Vorstandsmitglied. Erst als Utz Claassen übernahm, kam Bewegung in die Angelegenheit. „Unsere Juristen stimmten zu, dass der Vertrag sittenwidrig war. Asensio hätte den Vertrag auflösen und ablösefrei wechseln können. Er wollte aber nicht im Streitfall gehen. Für einen damals 18-Jährigen war das eine ziemlich erwachsene Entscheidung." Ex-RCD-Spieler Miguel Ángel Nadal handelte einen Deal zwischen den Mallorquinern und Real Madrid aus . „Für uns war es der Hammer, dass Asensio als Leihspieler die Rückrunde noch spielen konnte."

Ein weiteres Drama war die Verpflichtung von Marvin Ogunjimi 2011 für 2,4 Millionen Euro. Zuerst scheiterte der Wechsel im Sommer an einem zu spät verschickten Fax. Als der Belgier dann im Winter kam, entpuppte er sich als Fehlgriff. „Er wurde uns damals angedreht. Er war kein guter Spieler und ließ auch die richtige Einstellung vermissen." 275 Minuten spielte der Stürmer in acht Spielen für Real Mallorca. Ein Tor schoss er nicht. Vier Leihen zu anderen Vereinen später gab man ihn 2014 zum Nulltarif ab.

Auch früher gab es schon große Missverständnisse. Fatih Akyel ist da zu nennen. Der Abwehrspieler kam im Sommer 2001 als UEFA-Cup-Sieger und türkischer Meister auf die Insel. 2,5 Millionen Euro zahlte Real Mallorca an Galatasaray Istanbul. Fünf Spiele und vier Monate später war der Türke wieder weg. 1,3 Millionen Euro büßte Real Mallorca durch den Transfer ein. Man muss dem Club zugutehalten, dass er nicht der einzige war, der sich in Akyel getäuscht hatte. 2004 versuchte sich der damalige Bundesligist VfL Bochum am türkischen Verteidiger. In Deutschland brachte es Akyel auf eine gespielte Halbzeit und löste seinen Vertrag ein halbes Jahr später wieder auf.

Transfers haben zudem viel von einem Glücksspiel. „Man kauft die Spieler in jungen Jahren und hofft, dass sie den nächsten Entwicklungsschritt machen", sagt das ehemalige Vorstandsmitglied. Bei Kasim Adams Nuhu sei der eben nicht auf Mallorca erfolgt. Der Verteidiger kam im Januar 2014 als 18-Jähriger von Leganés zur zweiten Mannschaft der Mallorquiner und rückte zur neuen Saison zu den Profis auf. Bei seinem Debüt überzeugte er mit zwei Toren und war lange gesetzt. „Er war ein richtiger Schrank, aber technisch limitiert. Ein Befreiungsschlag konnte gefährlich für das eigene Tor werden. Damals hat niemand von uns erwartet, dass er sich so stark entwickelt." Real Mallorca lieh Nuhu zuerst an Young Boys Bern aus und verkaufte ihn ein Jahr später komplett.

Real Mallorca würde bei Transfers nicht öfter ins Fettnäpfchen treten als andere Vereine, so das ehemalige Vorstandsmitglied. „Zu Erstligazeiten war man sogar bekannt dafür, Spieler günstig zu kaufen und später teurer zu verkaufen." Doch damit ist seit dem Abstieg Schluss. In den vergangenen acht Jahren hat Real Mallorca nur durch den Verkauf der eigenen Talente Geld eingenommen.

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