24. August 2018
24.08.2018

Ex-Profi Ingo Anderbrügge im Interview vor dem Bundesligastart

Die MZ sprach mit dem ehemaligen Spieler von Schalke in Peguera

24.08.2018 | 01:00
Ingo Anderbrügge konnte sich endlich den Traum von der eigenen Yacht erfüllen, postete er zu dem Bild auf Instagram.

Ingo Anderbrügge gewann 1997 mit dem FC Schalke 04 den Uefa Cup. 321 Mal spielte er für den Club und schoss 82 Tore. Für einen Mittelfeldspieler ein herausragender Wert. Die Schalker Fans wählten ihn dafür in die sogenannte Jahrhundertelf. 2001 beendete der heute 54-Jährige aus Datteln seine Karriere. Heute leitet er ein Franchiseunternehmen für Fußballcamps mit Sitz in Recklinghausen. Die MZ traf Anderbrügge im Urlaub in Peguera und sprach mit ihm über die am Freitag (24.8.) startende Bundesligasaison.

Wird es wieder einen Durchmarsch vom FC Bayern geben?
Die Bayern werden es wieder machen. Sie haben mit Nico Kova? einen jungen Trainer geholt, der nach Titeln lechzt. Es soll eine harte Vorbereitung mit vielen Laufeinheiten gegeben haben. Die Bayern sind fitter als in den vergangenen Jahren.

Wer sind die Verfolger?
Schalke, Dortmund, Hoffenheim und Leipzig haben starke Mannschaften, nehmen sich aber gegenseitig die Punkte weg. Die Konkurrenten halten den Ball sehr flach. Die Dortmunder haben gesagt, dass in den nächsten Jahren Titel nicht möglich sind. Als Spieler würde ich mich fragen, was mich dann motivieren soll.

Viele Fans kritisieren, dass die englische Premier League die Stars der Bundesliga wegkauft und im Gegenzug kein namhafter Ersatz verpflichtet wird.
Ich habe ein Interview von Leipzigs Trainer und Manager Ralf Rangnick gelesen. Er befürchtet, dass es damit weitergeht, solange die 50+1-Regelung nicht gekippt wird.

Die Regelung besagt, dass der Stammverein eines in eine Kapitalgesellschaft ausgegliederten Proficlubs stets die Mehrheit der Stimmen halten muss. Das verhindert die komplette Übernahme von zahlungskräftigen Sponsoren (Anm. d. Red.)

Ich kann mich nicht auf der einen Seite beschweren, dass die Liga schwächer wird und die Stars ins Ausland gehen, und auf der anderen Seite nichts dagegen tun. Ich glaube wie Rangnick, dass man nicht nur auf 18-jährige Talente setzen kann. Es wurde auch kritisiert, dass die deutschen Vereine die Europa League nicht ernst genommen haben. Köln, die im Vorjahr daran teilgenommen haben, hat nicht ausreichend in den Kader investiert. Als Fußballverein ist man Deutschland etwas schuldig.

Durch das frühe Ausscheiden der Kölner hat Deutschland Punkte in der UEFA-Fünfjahreswertung verloren. Diese entscheidet über die Anzahl an internationalen Startplätzen (Anm. d. Red.).

Bleibt den deutschen Clubs also keine Wahl, als bei dem Wettbieten mitzumachen?
Das glaube ich. Schalkes Manager Christian Heidel hat gesagt, er weiß nicht, ob er die 37 Millionen Euro, die der Club durch den Verkauf von Thilo Kehrer nach Paris eingenommen hat, direkt wieder investiert. Aber reicht es dann, um international mitzureden? Je nach Auslosung ist für Schalke die Gruppenphase in der Champions League machbar. Danach wird es aber eng. Dann sind es wieder nur die Bayern, die mithalten können.

Wer muss in der kommenden Saison in der Bundesliga um den Klassenerhalt zittern?
Die Aufsteiger Düsseldorf und Nürnberg werden es schwer haben. Mainz und Freiburg werden auch wieder kämpfen müssen. Bei Pokalsieger Frankfurt hat es nach der 0:5-Pleite im Supercup gegen die Bayern gewaltig gekracht. Da kann es auch sein, dass es intern größere Probleme gibt.

Sie haben es nach Ihrer Profikarriere als Trainer im Herrenbereich versucht. Warum hat das nicht geklappt?
Ich hatte mir schon während meiner Karriere die Firma Fußballfabrik mit einem Netzwerk zu Amateurvereinen aufgebaut. Während ich meine Ausbildung zum Fußballlehrer gemacht habe, habe ich zwei Amateurclubs übernommen. Dann kam im Sommer 2007 das Angebot vom Regionalligisten, damals noch dritte Liga, Wacker Burghausen. Das hat mich gereizt und ich habe angenommen. Im Verein war nach dem Abstieg im Jahr zuvor jedoch noch einiges im Argen. Mein Weggang im März 2008 hatte keine sportlichen Gründe. Danach hatte ich Angebote von anderen Clubs. Da musste ich überlegen: Willst du dir das Karussell mit den ständigen Vereinswechseln antun? Zudem bist du 24 Stunden lang Trainer und musst dich pausenlos vor den Medien und dem Clubvorstand rechtfertigen. Als diese Person habe ich mich nicht gesehen.

Jetzt leiten Sie mit der Fußballfabrik ein Franchiseunternehmen für Fußballcamps. Wie kam es dazu?
Das hat 1997 klein mit Tageskursen angefangen. Dann kamen Übernachtungen hinzu und die Firma hat sich stets weiterentwickelt. Wenn ich allerdings außerhalb meiner Heimat in Recklinghausen ein Camp veranstalten wollte, konnte höchstens mein Name für Interesse sorgen. Ich wollte aber nicht, dass die Kinder am Ende ihre Eltern fragen: Wer war denn der alte Mann da? Mein Name ist nicht wichtig, das Produkt ist wichtig. Es gibt viele talentierte junge Trainer, die in ihrer Region die Vereine und Jugendlichen kennen. Die können genauso gut wie ich die Kinder trainieren. Als Partner der Fußballfabrik können sie unsere Trainingsinhalte, Zertifikate und Marketing nutzen. Für mich war immer wichtig: Wir machen aus den Kindern keine Profis. Sprüche wie „Trainieren wie die Profis" gibt es bei uns nicht. Die Kinder müssen altersgerecht trainieren und an den Grundlagen arbeiten. Zudem möchte ich die Werte aus dem Mannschaftssport kommunizieren. Unser Slogan ist „Training, Lernen, Leben". In der heutigen Gesellschaft ist es wichtiger, den Kindern Disziplin, Pünktlichkeit und Integrationsbereitschaft beizubringen.

Wie machen Sie das?
Mit kurzen Vorträgen in der Mittagspause. Ein weiteres Thema ist die Ernährung. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat uns ausgezeichnet und wir dürfen das Logo „Gut drauf" führen. Von zehn Kindern bringen heutzutage acht kein Wasser sondern Softdrinks zum Training mit. Wenn man die Eltern darauf anspricht, schauen die einen manchmal verdutzt an und sagen: Aber auf der Fanta ist doch eine Orange drauf. Die ist gesund.

Was muss man mitbringen, um Partner von Ihnen zu werden?
Wir brauchen Leute, die Begeisterung an der Arbeit mit Kindern haben. Je nach Region und notwendiger Schulung kostet die Partnerschaft zwischen 20.000 und 25.000 Euro. Wir haben Deutschland in 35 Regionen unterteilt und bereits sechs vergeben. Im Prinzip ist auch eine Außenstelle der Fußballfabrik auf Mallorca denkbar, wenn sich ein Interessent findet.

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