02. Oktober 2018
02.10.2018

Einsatz in den USA für die Primera División?

Zum ersten Mal soll ein Spiel im Ausland stattfinden. Vizepräsident Miguel Bestard, auch Präsident des balearischen Fußballverbandes, ist kein Freund des Vorhabens

02.10.2018 | 01:00
Miguel Bestard kickt nur noch selten.

Die Primera División steht vor einem Auslandseinsatz: Das Spiel FC Barcelona gegen FC Girona im Januar 2019 soll in Miami ausgetragen werden. Es wird das erste von später jährlichen Begegnungen in den USA sein – das hat der Ligaverband mit dem US-Marketingunternehmen „Relevant" vereinbart. Dabei geht es dem Ligaverband vorrangig darum, Geld in die Kasse zu spülen. Den spanischen Fußballverband hatte man erst nach Protesten ins Boot geholt. Vizepräsident Miguel Bestard, der auch Präsident des balearischen Fußballverbandes ist, erklärt der MZ, warum man sich noch ärgert.

Der Ligaverband hat gemeinsam mit dem FC Barcelona und dem FC Girona beim spanischen Fußballverband den Antrag für die Austragung des Spieles in den USA gestellt. Wie wird die Entscheidung lauten?
Der spanische Fußballverband gibt die Anfrage an die FIFA weiter. Der Weltverband trifft letztlich die Entscheidung. Solange die Vereine damit einverstanden sind, stellen wir uns als nationaler Verband nicht quer. Meine Meinung zum Thema ist aber eine andere...

...die da wäre?
Es gefällt mir nicht. Jedes Team hat das Recht, ein Spiel im eigenen Stadion auszutragen. Durch das Spiel auf neutralen Boden verliert der FC Girona den Heimvorteil. Das manipuliert den ganzen Wettbewerb.

Darüber müsste sich Girona beschweren. Der Club unterstützt hingegen den Antrag...
Das ist äußerst diskutabel. Aus sportlicher Sicht ist das Spiel in den USA unfair. Der Profi­fußball wird immer mehr vom Geld beeinflusst. Die Spiele kann man auf der ganzen Welt sehen. Deswegen sind die Anstoßzeiten auch so komisch. Irgendwann verkaufen wir die Übertragungsrechte an China oder Japan und die Partien sind um 8 Uhr morgens. Die Leidtragenden sind die Amateure. Früher sind die Fußballfans am Samstag um 16 Uhr ins ­Stadion gegangen und hatten das restliche Wochen­ende Zeit, um Spiele der regionalen Teams oder Jugendmannschaften zu sehen. Heute gibt es zu jeder Stunde ein Spiel, das man im Fernsehen gucken kann.

Der größte Protest gegen die Spiele in den USA kommt von den Profis. Die Spieler regen sich auf, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde...
Sie sind die Protagonisten. Auch wenn sie Millionen verdienen, kann ich verstehen, dass sie rebellieren. Die Spieler drohen sogar mit einem Streik.

Auch der spanische Fußballverband wurde am Anfang nicht in die Pläne eingeweiht. Wie ist die Beziehung zum Ligaverband?
Der frühere Präsident des spanischen Fußballverbandes, Ángel María Villar, hatte zum Chef des Ligaverbandes, Javier Tebas, stets ein ­feindseliges Verhältnis. Das ist an einem Punkt angelangt, an dem der Kontakt komplett abgebrochen wurde. Dabei müssen zum Wohl des Fußballs alle an einem Strang ziehen. Mit dem neuen Präsidenten Luis Rubiales verbessert sich das Verhältnis langsam. Man redet wieder miteinander. Wir sind aber noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Das hat man auch jetzt beim USA-Projekt gesehen. Der Fußballverband hat im Prinzip nichts dagegen, ist aber mit der Herangehensweise des Ligaverbandes nicht einverstanden.

Was sind die Konfliktpunkte?
Es geht immer ums Geld. Der Ligaverband hat wirtschaftliche Interessen. Der Fußballverband muss darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Der nationale Fußballverband ist die Mutter des Fußballs in dem jeweiligen Land. Ich habe mir letztens das Länderspiel zwischen Spanien und England angeschaut und war beeindruckt, wie viel Respekt die Engländer ihrem Fußballverband entgegenbringen. In Spanien versucht dir immer irgend­jemand, ein Bein zu stellen.

Umstritten war, als die spanische Liga vor der WM 2018 neun Spieler aus Saudi-Arabien aufgenommen hat. Die Fußballer hatten zwar nicht das sportliche Niveau, dafür kassierte die Liga Millionenbeträge. Prostituiert der Ligaverband den spanischen Fußball?
Die spanische Liga funktioniert wie eine Firma. In jedem Unternehmen werden von der Führung Ergebnisse erwartet und man setzt auf Profis, um etwas zu verbessern. Ich glaube nicht, dass der spanische Fußball prostituiert wird. In dem Fall kann ich die Liga verstehen, auch wenn es mir nicht gefällt. Mir wäre es lieber, wenn man mehr auf den Nachwuchs, die Amateure und den Frauenfußball setzen würde. Das sind auch meine Aufgabenbereiche als Vizepräsident.

Real Mallorca wird von einer amerikanischen Eigentümergemeinschaft geführt. Da scheint es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Mallorquiner in den USA spielen werden.
Ich bin kein Hellseher. Das sind punktuelle Entscheidungen. Warum wählt man jetzt FC Barcelona gegen FC Girona für das Spiel und nicht Real Madrid gegen FC Getafe?

Wahrscheinlich, weil der FC Barcelona als weltweit bekannter Club Interesse an einem Marketing in den USA hat und der FC Girona als vermeintlich kleiner Club sich über zusätzliche Einnahmen freut und nicht groß aufregt.
Das ist der Grund. Wenn die Clubs es wollen, dann sollen sie es wenigstens vor dem Saisonstart klären und nicht während eines laufenden Wettbewerbs. Sollte auch Real Mallorca eines Tages in den USA spielen, dann soll es halt so sein. Der Club wird aber für immer auf der Insel verankert bleiben. Ähnlich verhält es sich, wenn ein Deutscher auf Mallorca ein Haus kauft. Das Geschrei der Mallorquiner ist am Anfang groß. Dabei wird der Deutsche das Haus aber nicht nach Deutschland abtransportieren. In diesem Sinn muss man den amerikanischen Eigentümern von Real Mallorca dankbar sein, dass die den Club mit ihrem Geld vor dem Untergang bewahrt haben und gute Arbeit leisten.

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