27. November 2018
27.11.2018

Der Mallorquiner, der läuft und läuft und läuft

Tolo Fiol gewann im September eine 100-Kilometer-WM. Weil er einfach mal Weltmeister werden wollte

27.11.2018 | 01:00
Der Forrest Gump aus Sa Pobla: Tolo Fiol.

Es muss nicht immer alles einen Grund haben. „Ich hatte einfach Lust zu laufen", sagte Forrest Gump im gleichnamigen Spielfilm. Der von Tom Hanks verkörperte Charakter lief von Küste zu Küste der USA. Tolo Fiol könnte es ihm gewissermaßen gleichtun und zumindest Mallorca von einem Ende zum anderen ablaufen. Der 50-Jährige aus Sa Pobla hat im September in Kroatien mit einer Zeit von 7:21,32 Stunden die Ü-50-Weltmeisterschaft über 100 Kilometer gewonnen. Das sind zwei Kilometer mehr als die maximale Ausdehnung der Insel von Sant Elm nach Cala Ratjada.

Sehen Sie sich als mallorquinischen Forrest Gump?
Ein bisschen schon. Auch ich laufe, weil es mir Spaß macht. Zum Glück habe ich viele Freunde, die mich auf der Strecke begleiten. Somit laufen wir wie Forrest Gump in einer Gruppe. Das gibt mir Kraft, lange Strecken auszuhalten. Mein Maximum waren 185 Kilometer auf dem Camí de Cavalls rund um Menorca. Einmal bin ich auch 150 Kilometer auf einer 400-Meter-Bahn in einer Halle gelaufen. 15 Stunden lang Runden drehen war dann aber doch ziemlich langweilig.

Wie kamen Sie darauf, solche langen Strecken zu laufen?
In meinem Alter kann ich nicht mehr sonderlich schnell laufen, dafür aber lange. Zudem habe ich immer meinen Freunden gesagt, dass ich nicht aufhören will, ehe ich einmal Weltmeister geworden bin.

Was ist auf der Langdistanz wichtiger: das physische oder mentale Training?
Natürlich muss man durchtrainiert sein, aber der Wille ist wichtiger als der Körper. Während eines Rennens denkt man oft ans Aufgeben. Da kommt es mir entgegen, dass ich so ein Sturkopf bin. Sieben Stunden lang laufen ist viel Zeit. Dann denkt man an Freunde und Familie, die einen beim Training unterstützt haben. Für sie will man eine gute Zeit laufen und rennt einfach weiter.

Zählen die anderen Läufer bei einer WM dann als Gegner oder als Leidensgenossen?
Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine Freunde. Jeder hat sich gut vorbereitet und will gewinnen. Dann kommt es darauf an, wer einen guten Tag erwischt. In dem Punkt habe ich bei wichtigen Rennen immer Glück gehabt.

Beim Marathon heißt es, dass nach 30 Kilometern der Hammermann kommt und man das Gefühl hat, gegen eine Mauer zu laufen. Wie ist das bei der 100-Kilometer-Distanz?
Da wir auf der Langdistanz nicht so schnell wie die Marathonläufer laufen, haben wir nicht die 30-Kilometer-Hürde. Nach 70 Kilometern fängt das echte Rennen an. Dann ist der Körper ausgepumpt, und es ist ein Kampf auf mentaler Ebene.

Sie nehmen auch regelmäßig am Mallorca Marathon teil. Wie trainieren Sie diese unterschiedlichen Distanzen?
Ich laufe täglich vor der Arbeit 20 Kilometer und variiere das Tempo. Am Abend mache ich dann noch mal zehn Kilometer, einfach um auf eine gewisse Distanz zu kommen. In der Woche sind das dann an die 220 Kilometer. Die 100 Kilometer am Stück trainiere ich nicht. Da war das Maximum 50 Kilometer, und schon über diese Distanz ist es schwierig, eine Strecke auf Mallorca zu finden. Dafür läuft man schon die ganze Nordküste ab.

Nebenbei arbeiten Sie noch in Vollzeit.
Ich arbeite in einem Fahrradverleih in Alcúdia. Da meine Chefs auch Sportler sind, räumen sie mir Zeit zum Training ein. Zudem habe ich mit dem Club Can Calco Hotels einen Verein, der mir die Reisen zu den Wettkämpfen zahlt. Das gibt es selten, es ist sehr schwer, einen Sponsor zu finden.

Auf Mallorca gibt es immer mehr Trailläufer. Auch Sie sind bei diversen Rennen gestartet. Ist Berglaufen das neue Joggen?
Vielen Leuten gefallen die Berge. Das ist verständlich, denn auf Asphalt zu laufen ist ziemlich monoton. Beim Trail hat man mehr Abwechslung, und die Zeit vergeht schneller. Der Camí de Cavalls ist ein Traillauf. Für die 185 Kilometer habe ich zwar knapp 22 Stunden gebraucht, war aber am Ende nicht so erschöpft wie nach den sieben Stunden bei der WM über 100 Kilometer. Schließlich legt man beim Trail hin und wieder Pausen ein, steile Stücke geht man manchmal auch. Und danach führt die Strecke bergab.

Jetzt sind Sie Weltmeister. Was sind die nächsten Ziele?
Ich laufe, solange es mein Körper aushält. Nächstes Jahr will ich den Spartathlon laufen. Da müssen 246 Kilometer von Athen nach Sparta bewältigt werden.

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