15. Dezember 2018
15.12.2018

Mallorcas bester Dartspieler zielt auf die Weltmeisterschaft

Antonio Alcinas aus Campos hat auf Mallorca längst keine Konkurrenz mehr. Das bewies er zuletzt bei einem Turnier in Palma

15.12.2018 | 01:00
Der Meister an der Scheibe: Antonio Alcinas aus Campos.

Was Antonio Alcinas macht, ist schon etwas unfair. Der Mallorquiner zieht in der Bar Es Talle in Palma einen Gegner nach dem anderen an der Dartscheibe ab. Er mogelt nicht, er kann es einfach. Alcinas ist Mallorcas einziger professioneller Dartspieler. Am Samstag (15.12., 20 Uhr) steigt der 39-Jährige gegen den Neuseeländer Craig Ross in die jährliche Dart-WM in London ein. Mit einem guten Turnier könnte Alcinas den nächsten Schritt Richtung Vollzeit-Profi machen. Ob er das aber wirklich will, weiß er selbst noch nicht. Denn dann müsste er seine geliebte Insel verlassen.

Dart hat sich in den vergangenen Jahren zur Trendsportart entwickelt. Besonders die Deutschen sind im Dartfieber. Zur WM im Alexandra Palace, von den Engländern kurz Ally Pally genannt, wird reichlich deutsches Publikum erwartet. Für die Begeisterung spricht, dass mit Sport1 und Dazn gleich zwei Sender live für den deutschen Markt übertragen. Der Fokus liegt dann auf Max Hopp, Martin Schindler und Gabriel Clemens. „Die Deutschen sind stark. Besonders Max Hopp darf man nicht aus dem Auge verlieren", sagt Alcinas. Im Gegensatz zum Mallorquiner steigt der 22-Jährige aus Wiesbaden erst in der zweiten Runde in das Turnier ein. Denn die ersten 32 Spieler der Weltrangliste sind gesetzt.

Somit kann es dieses Jahr nicht zum spanischen Duell in der ersten Runde kommen. Im Vorjahr hatten Alcinas und Cristo Reyes, der zweite Spanier im Teilnehmerfeld, das Pech, direkt zum Start aufeinanderzutreffen. Der Mallorquiner setzte sich durch und bezwang eine Runde später den Deutschen Kevin Münch. Der Einzug in die dritte Runde war für Alcinas ein großer Erfolg und der Startschuss eines guten Jahres. Er hat sich in der Weltrangliste von Platz 100 auf nun 55 vorgespielt.

Das war für den Automechaniker aus Campos auch finanziell lohnenswert. „Ich habe über 40.000 britische Pfund (etwa 44.300 Euro, Anm. d. Red.) an Preisgeldern eingespielt. Davon könnte ich leben", sagt Alcinas. Seine Werkstatt will er dennoch nicht aufgeben. „Mein Vater steht kurz vor dem Ruhestand. Ich versuche, den Laden halbtags allein zu schmeißen."

Mit einem guten Turnier, so schätzt Alcinas, könnte er in der Weltrangliste noch einmal zehn Plätze gutmachen. Der Erfolg hätte aber auch eine Schattenseite. „Als Top-Spieler wäre ich das ganze Jahr über unterwegs. Ich liebe aber Mallorca und will hier nicht weg. In Campos habe ich drei Hunde und ein Schwein. Wo sollen die hin?"

Daher kommt es dem Mallorquiner vielleicht entgegen, dass er nach dem vermeintlich leichten Los mit Craig Ross in der zweiten Runde auf die Nummer 3 der Welt treffen würde: Peter Wright, der sich nach seinem Lieblingsgetränk den Spitznamen Snakebite gegeben hat. Der Schotte ist ob seiner wechselnden Frisuren – zumeist ein bunter Irokesenschnitt – bei deutschen Fans sehr beliebt. „Bereits bei einem Turnier vergangenen September bin ich gegen ihn rausgeflogen, aber es war knapp", sagt Alcinas. „Um ihn zu schlagen, brauche ich einen guten Tag."

Um sich auf die WM vorzubereiten, spielt Alcinas bei einem Turnier in Palma seine Gegner an die Wand. Für unfair hält er das nicht. Schließlich wird der Wettkampf im Doppel ausgetragen, und die Teampartner werden ausgelost. Dennoch: Es wirkt, als ob Cristiano Ronaldo gegen den örtlichen Kreisklasseverein spielt. Während die Amateure sich über Treffer in hohe Punktefelder freuen, wirft Alcinas die Pfeile beliebig an den jeweils notwendigen Punkt. Immerhin gibt es nach der Pleite für die Verlierer noch Tipps vom Meister. Sie sollten entspannter spielen und nicht so verkrampfen, meint Alcinas.

Das Teilnehmerfeld beim Turnier in der Bar könnte auch dem der WM entsprechen. Denn wie bei dem Wettkampf in London sind in Palma unter einer Vielzahl an Männern nur zwei Frauen dabei. Dabei haben die Damen einen eigenen Verband und können sich über die Weltrangliste oder Qualifikationsturniere auch einen Platz bei den Männern erwerfen. „Im Gegensatz zu anderen Sportarten spielt die physische Komponente im Dart keine Rolle", sagt Alcinas.

Dieses Jahr haben es erstmals zwei Frauen geschafft: die Engländerin Lisa Ashton und die Russin Anastassija Dobromyslowa. Letztere war 2009 bereits dabei, schied aber in der Vorrunde aus. Unterschätzen dürfe man die Frauen nicht, so Alcinas. Dem Mallorquiner bleibt ein Aufeinandertreffen mit den Spielerinnen jedoch erspart. Lisa Ashton verlor ihr Auftaktmatch am Donnerstag (13.12.).

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