31. Januar 2019
31.01.2019

Radsporthoffnung aus dem Sauerland bei der Playa de Palma Challenge

Die Radprofis eröffnen die Saison auf Mallorca. Neben den Stars geht auch ein kleines deutsches Team an den Start

31.01.2019 | 01:00
Die jungen Radsportler vom Team Sauerland fahren gern vorneweg. Hier bei den Deutschen Meisterschaften 2018.

Nein, Wilfried Sauerland lässt hier keine Runden drehen. Das Team Sauerland hat mit dem bekannten Boxpromoter nichts am Hut. Seit 2016 fährt der Radrennstall als Continental Team der dritten und untersten Klasse des Weltverbands UCI und bezieht seine Sportler aus der deutschen Region im Sauerland. Der Club startet am Donnerstag (31.1.) zum zweiten Mal bei der Playa de Palma Challenge. „Das ist ein dickes Ding", sagt der sportliche Leiter Wolfgang Oschwald angesichts des prominent besetzten Teilnehmerfeldes.

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Namhafte Gegner

Sechs World Teams, die höchste Kategorie, haben sich für die 28. Ausgabe des Rennens eingetragen. Unter den Fahrern stechen der Spanier Alejandro Valverde, der Italiener Fabio Aru und die Deutschen Marcel Kittel und John Degenkolb hervor. „Wenn die Ernst machen, dann werden meine Jungs Lehrgeld bezahlen", sagt Oschwald. Insgeheim hofft der 50-Jährige dennoch auf einen kleinen Überraschungserfolg in Form einer Top-10-Platzierung. Der zehnte Platz ist dem Team in Person von Aaron Grosser im Vorjahr bei der ersten Etappe geglückt. Für den Rennstall bedeutet das wichtige Punkte im Kampf um die Qualifikation zur Deutschland Tour.

Zündende Idee auf Trinidad

Oschwald war früher selbst Profi, fuhr unter anderem für das Team Gerolsteiner. Seit 2010 ist er Trainer des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und seit zwei Jahren am Olympiastützpunkt in Köln. Kriegt er das alles unter einen Hut? „Ja, aber Problem war, dass wir trotz der guten Jugendarbeit den jungen Fahrern keine Perspektive im Profi-Radsport bieten konnten. Einen Proficlub in der Region gab es nicht. So sind die Talente alle in andere Bundesländer abgewandert."

So hat er sich 2015 beim Radrennen Tobago Cycling Classic in Trinidad mit dem Ex-Profi Jörg Scherf zusammen gesetzt. Die Idee eines neuen Profi-Rennstalls war geboren. Sponsoren aus dem Sauerland fanden sich, die das Team unterstützten. Den Kader stellte Oschwald aus talentierten Fahrern aus Nordrhein-Westfalen zusammen. Durch die hügeligen Strecken seien die Sauerländer prädestiniert für den Radsport. „Die Leute dort sind radsportverrückt", sagt Oschwald. Neben dem Team hat das Duo auch die Sauerland-Rundfahrt ins Leben gerufen, die zu den Rennen der deutschen Rad-Bundesliga gehört. „Die Leute vom Ort Hirschberg freuen sich jetzt schon auf das Rennen. Sie bitten uns, die Sportler möglichst oft den Berg hochzuschicken."

Der Chef der Rasselbande

Fast alle Fahrer des Teams Sauerlands sind Anfang 20. „Im Vorjahr war es schwierig, da viele von ihnen Abitur machten." Als Leiter des Rennstalls war Oschwald auf die sportliche Entwicklung bedacht. „Aber als Trainer der Landesauswahl muss ich die persönliche Entwicklung im Blick haben und es ist mir wichtig, dass die Sportler eine ordentliche Ausbildung abschließen." Derzeit fahren die jungen Profis zweigleisig. Für den Lebensunterhalt kommt der Club auf, neben dem Sport studieren die meisten. „In ein paar Jahren müssen sie dann schauen, ob es für den Profi-Sport reicht oder sich auf einen anderen Beruf konzentrieren."

Christoph Schweizer ist der Anführer der jungen Truppe. Der 32-Jährige ist seit den Anfängen beim Team und gilt als Bindeglied zwischen Trainern und Fahrern. „Manchmal denke ich mir: Muss ich denen das ernsthaft schon wieder erklären", sagt er. „Aber auf der anderen Seite ist die Führungsrolle auch eine neue Erfahrung für mich."

Das Temperament im Wettkampf sei eine der größten Schwächen der jungen Fahrer. „In der Hitze des Gefechts werfen sie manchmal die Taktik über Bord", sagt Oschwald. Der sportliche Leiter gibt vor dem Rennen vor, wann die Fahrer den Schlussspurt einläuten. „Manchmal lassen sie sich anstecken, wenn andere Teams eher den Sprint anziehen, und düsen hinterher." Dann geht ihnen die Puste aus. Die Playa de Palma Challenge ist für die Sauerländer nicht die einzige Möglichkeit, sich mit den Spitzenfahrern zu messen. Bei etwa 15 Rennen trifft der Continental-Club auf die World Teams. Bei diesen Gelegenheiten muss der Rennstall über gute Platzierungen Punkte sammeln. Eines der Ziele ist die Teilnahme an der im Vorjahr wieder eingeführten Deutschland Tour. Die nach Punkten vier besten deutschen Continental Teams qualifizieren sich. „Dabei dürfen wir die Bundesliga nicht aus den Augen verlieren", sagt Oschwald. 2018 gelang zwar die Teilnahme an der Deutschland Tour, der sechste Platz in der Gesamtwertung der Bundesliga war jedoch enttäuschend. „Dafür haben wir in der Nachwuchswertung die ersten beiden Plätze geholt."

Große Zukunftspläne

Geht es nach Wolfgang Oschwald, soll sein Team nicht ewig ein Ausbildungsclub bleiben. „Um den Sprung zu den zweitklassigen Professional Continental Teams zu schaffen, müssen wir uns internationaler aufstellen." Dann reichen Fahrer aus dem Sauerland nicht mehr aus. Zudem müssen Sponsoren gefunden werden. „Als Continental Team verfügen wir über ein Budget von 1 Million Euro. Eine Stufe höher haben die Teams etwa 7 Millionen Euro zur Verfügung." Das Projekt soll zudem langfristig geplant werden, damit nicht nach kurzer Zeit das Geld ausgeht. „Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren den nächsten Schritt wagen können."

Hier geht es lang

Das Radrennen heißt Playa de Palma Challenge, doch am Strand in der deutschen Urlauberhochburg kommen die Profis in diesem Jahr höchstens privat einmal vorbei.

Wie in den Jahren zuvor wird auch die 28. Ausgabe in vier voneinander unabhängigen Rennen ausgetragen. Los geht es am Donnerstag (31.1.) in Ses Salines. Knapp 181 Kilometer stehen auf dem Programm. 1.287 Höhenmeter müssen die Radsportler bewältigen, die meisten davon beim Schlussspurt auf den Puig de Sant Salvador. Die Kletterer sind am zweiten Tag gefragt. Auf der 169 Kilometer langen Strecke von Andratx nach Lloseta geht es 3.448 Meter den Berg hinauf. 2.910 Höhenmeter sind es beim dritten Rennen von Sóller nach Deià. Dafür ist die Strecke mit 142 Kilometern die kürzeste.

Die letzte Trophäe kann am Sonntag (3.2.) in Palma gewonnen werden. Der Schlussspurt führt mehrfach am Paseo Marítimo entlang. Knapp 160 Kilometer und 1.508 Höhenmeter haben die Profis dann in den Beinen. Die Zieleinfahrt ist auf Höhe des Auditoriums. Gegen Mittag wird der Sieger erwartet. Wegen des Rennens kommt es zu Straßensperrungen.

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