12. März 2019
12.03.2019

Eine Mallorquinerin dominiert die Pádel-Szene

Die Kreuzung aus Tennis und Squash ist auf der Insel weitverbreitet. Mit der 16-jährigen Ariadna Cañellas hat Mallorca sogar eine Weltklasse-Spielerin

12.03.2019 | 01:00
Ariadna Cañellas ist im Pádel so gut, dass sie auf dem Platz ruhig mit dem Victory-Zeichen posieren kann.

Der Erfolg eines Profisportlers hängt meist von zwei Faktoren ab: harte Arbeit im Training und Talent. Pádel-Spielerin Ariadna Cañellas vereint beides. Zum einen opfert die 16-Jährige fast ihre komplette Freizeit für den Sport. Auf der anderen Seite scheint ihr das Talent angeboren zu sein. 2012 gewann die Mallorquinerin die spanischen Juniorenmeisterschaft – ohne jemals zuvor auf hohem Niveau Pádel gespielt oder trainiert zu haben.

Im Doppel und über Bande

In Deutschland gehört Pádel wohl nicht einmal zu den Randsportarten. Lediglich 30 Plätze gibt es im ganzen Land. Allein Palma dürfte mehr Felder haben. „Auf Mallorca wächst die Begeisterung an der Sportart von Jahr zu Jahr", sagt Tolo Cañellas. Der Vater und Trainer von Ariadna leitet eine Pádel-Akademie. „Die Anzahl der Pádelspieler im Jugendbereich übersteigt langsam die jungen Tennisspieler."

Pádel hat viel mit dem Tennis gemein. Das Feld gleicht dem vom Einzel, gespielt wird jedoch nur im Doppel. Die Zählweise ist die gleiche. Als Besonderheit kommen Elemente vom Squash hinzu. Nachdem der Ball einmal im Feld aufgesprungen ist, dürfen auch die Zäune und Wände, die das Feld wie einen Käfig begrenzen, mitbenutzt werden. „Daher gibt es beim Pádel im Gegensatz zum Tennis viel mehr Schlagtechniken", sagt Ariadna Cañellas. „Auch der Bewegungsablauf ist anders, da man viel mehr vor und zurück läuft."

Besseres Ambiente

Ariadna Cañellas kann die beiden Sportarten gut vergleichen. Mit sieben Jahren fing sie mit Tennis an. „Mich hat es aber gestört, dass ich beim Training immer nur mit meinem Trainer gespielt habe. Auch bei Turnieren bin ich stets allein gereist." Als sie zehn Jahre alt war, überredete sie ihr Vater, zur spanischen Meisterschaft mitzukommen. Tolo Cañellas, früher selbst ein Profispieler, war damals schon als Trainer aktiv. Ariadna Cañellas hatte aber nur in ihrer Freizeit mal hin und wieder Pádel gespielt. Von einem richtigen Training oder einem Spiel konnte keine Rede sein. Für die Meisterschaft suchte die Mallorquinerin Sofia Saiz noch eine Partnerin. „Im ersten Spiel mussten wir gleich gegen die Ranglistenersten ran", erinnert sich Ariadna Cañellas noch gut. „Das war dann schon ziemlich cool, direkt mal die Meisterschaft zu gewinnen." Zudem zeigte sich Cañellas von der Kameradschaft im Pádel beeindruckt. „Endlich konnte ich mal mit jemand anderem zu einem Turnier fahren. Das Ambiente war viel besser."

Schritt für Schritt zum Profi

Der große Erfolg war dabei noch nicht der Startschuss zur Karriere. Erst nach und nach schraubte die Mallorquinerin die Anzahl der Trainingszeiten hoch. Sie ging weiter auf die normale öffentliche Schule, nutzte die Ferien zum Training. 2016 holte Ariadna Cañellas bei der spanischen Meisterschaft erneut den Titel. Der große Durchbruch erfolgte ein Jahr später. Mit Cristina Carrascosa aus Madrid gewann sie die Junioren-WM.

Durch den Sieg bekam Cañellas ein Zertifikat ausgehändigt, das sie als Leistungssportlerin ausweist. Damit konnte sie sich am Leistungszentrum Príncipes de España anmelden, wo sie seit vergangenem September zur Schule geht. 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr Unterricht, dann Training, nochmal zweieinhalb Stunden Unterricht und abends Fitnessstudio oder erneut auf den Platz. Das ganze montags bis freitags. Und am Wochenende stehen Spiele an. „Das habe ich mir selbst ausgesucht", sagt sie zu ihrem harten Tagesprogramm. Anderthalb Jahre fehlen ihr noch zum Abschluss. Danach will sie Tourismusmanagement studieren. „Das öffnet mir auf Mallorca viele Wege für die Arbeitswelt. Und wenn es nicht klappt, werde ich wie mein Papa Pádeltrainerin", sagt Ariadna Cañellas und lacht.

Mehr Ausgaben als Einnahmen

Einen Plan B im Pádel zu haben, ist Pflicht. Denn das große Geld lässt sich selbst auf der World Pádel Tour, der höchsten Kategorie, nicht gewinnen. Im vergangenen Jahr startete Ariadna Cañellas erstmals bei den Profis und schaffte es mit 15 Jahren bei einem Turnier auch in die Endrunde. „150 Euro gab es dafür", so Vater Tolo Cañellas. „Auch für einen Sieg beim Tourfinale gibt es nur etwa 5.000 Euro." Allein im vergangenen Jahr hat die Familie aber 7.000 Euro für die Reisen ausgegeben. Dabei ist es von Vorteil, dass fast alle Wettkämpfe auf dem spanischen Festland ausgetragen werden. Spanien ist vor Argentinien die unangefochtene Weltmacht im Pádel.

Das halbe Jahr unterwegs

Auch in dieser Saison wird Ariadna Cañellas viel Zeit im Flieger verbringen. Jetzt im Frühjahr steht die Junior-Tour an. Im März startet dann die World Pádel Tour. 26 Turniere hat die 16-Jährige in ihrem Kalender stehen. Da diese meistens von montags bis sonntags gehen, ist die Mallorquinerin das halbe Jahr unterwegs. Mit welcher Partnerin sie an den Start geht, weiß sie noch nicht. „Beim Pádel wird zwar im Doppel gespielt, aber in der Rangliste gilt die individuelle Leistung", erklärt Tolo Cañellas. „Bei der Partnersuche fragen die rangniedrigeren Spieler bei den besseren an." Derzeit belegt Ariadna Cañellas Platz 76.

Ihr Ziel ist es, auf der Liste nach oben zu klettern. „Dann muss ich weniger Qualifikationsspiele austragen." Ganz oben auf der Liste steht auch die Junioren-WM im Oktober.

Bald dürfte die 16-Jährige familieninterne Konkurrenz bekommen. Ihre Schwester Alicia hat 2017 den zweiten Platz bei der spanischen Meisterschaft in der Klasse unter zehn Jahren geholt. „Und das auch nur, weil sich meine Partnerin vor dem Finale verletzt hatte. Sonst hätten wir gewonnen", sagt die Kleine.

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