13. Juni 2019
13.06.2019

Rafael Nadal im Interview:
"Ich bin die Schmerzen leid"

Für den zwölfmaligen Gewinner der French Open ist jedes Turnier Tortur – trotzdem denkt er nicht daran, seine Tenniskarriere zu beenden. Ein Gespräch nach dem jüngsten Sieg in Paris

13.06.2019 | 12:07
Schon Tradition: Rafael Nadal jubelt nach seinem Sieg bei den French Open.

Weltklasse, Mythos, Legende – Rafael Nadal wird derzeit wieder kräftig gefeiert. Der Mallorquiner hat am Sonntag (9.6.) zum zwölften Mal die French Open gewonnen. Nie zuvor schaffte eine ATP-Spieler so viele Siege bei ­einem Turnier – ganz zu schweigen bei einem Grand Slam. Mit einem 6:3, 5:7, 6:1 und 6:1 ­sicherte sich der 33-Jährige gegen den Österreicher Dominic Thiem seinen 18. Titel bei ­einem der vier wichtigsten Turniere der ­Tenniswelt. Zu Roger Federer, der mit 20 Grand-Slam-Trophäen den Rekord hält, ­fehlen nur noch zwei Titel. Die MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" traf Nadal zu­sammen mit weiteren spanischen Medien am Tag nach seinem Sieg zum Gespräch im Hotel.

Sie haben in Paris zum zwölften Mal die French Open gewonnen. Von 95 Spielen in Paris haben Sie 93 gewonnen. Wie bewerten Sie diese Statistiken?
Es ist eine ganz besondere Sache in der Sportgeschichte, und ich bin ein Teil davon. Ich bleibe aber mit beiden Beinen auf dem Boden.

Können Sie sich an alle Spiele erinnern?
Gerade nicht. Vor dem Finale grübelte ich fünf Minuten lang, bis mir wieder einfiel, gegen wen ich im Viertelfinale gespielt hatte (Kei Nishikori, Anm. d. Red.). An die wichtigen Duelle erinnere ich mich aber.

Die Sandplatztour lief für Sie zuvor weniger erfolgreich. Hatten Sie über eine Pause nachgedacht?
Ich bin die Schmerzen leid. Die habe ich nicht nur, wenn ich Tennis spiele. Es ist anstrengend, wenn einem immer etwas wehtut. Und so erging es mir die vergangenen 18 Monate. Einige Sachen sind an die Öffentlichkeit gedrungen, andere nicht. Fakt ist, dass ich kein Turnier gespielt habe, ohne dass es irgendwo gezwickt hat. Ich habe immer mit Notpflastern gespielt. Über einen längeren Zeitraum geht das nicht gut. In Barcelona war ich am Boden zerstört, als ich im Halbfinale gegen Thiem verloren hatte. Mit einer positiven Einstellung und ohne zu klagen, bin ich aus dem Loch wieder rausgekommen.

Haben Sie ans Aufhören gedacht?
An eine Pause, aber nicht ans Karriereende.

Mussten Sie in dieser Phase an Ihre erste ­große Verletzung 2005 denken?
Das war eine völlig andere Geschichte. 2005 hatte ich mir den Fuß gebrochen. Die Ärzte befürchteten damals, dass ich nicht weiter auf diesem Niveau Tennis spielen könnte. Ich war 19 Jahre alt, ich war zu dem Zeitpunkt Weltranglisten-Zweiter und stand am Anfang meiner Karriere. Das von den Ärzten zu hören, war hart. Jetzt kann ich hingegen auf eine Karriere zurückblicken, die ich mir damals nicht mal erträumt hatte. Ich bin dankbar für all das, was mir der Sport in meinem Leben gegeben hat. Das heißt aber nicht, dass ich schmerzfrei bin. Wenn du zu Hause bist und dir der ganze Tag ein Zahn schmerzt, nervt das. In meinem Fall taten mir die Hand, das Knie und der Fuß weh. Das schränkt dich nicht nur im Sport ein, sondern auch im Privatleben.

Würde es die Öffentlichkeit schockieren, wie oft Sie beim Arzt sitzen und ein MRT ­machen lassen?
Ja, es ist besser, wenn ich das nicht weiter ausführe. Ich mag meine Verletzungen auch nicht immer wieder aufzählen. Am Ende sehen die Leute mich noch als Märtyrer. Dabei schätze ich mich glücklich, wenn ich sehe, was mir im ­Leben alles passiert ist. Aber ja, in der MRT-Röhre lag ich oft. Das mag ich überhaupt nicht.

Wie schaffen Sie es, eine ganze Tennissaison durchzuhalten?
Ich habe schon vor langer Zeit damit angefangen, den Terminkalender auf meinen Körper abzustimmen. Das ist nicht neu. Im Vorjahr habe ich nur neun Turniere gespielt. Die Leute denken von mir, dass ich pausenlos spiele. Diese Zeiten sind aber lange vorbei. Jetzt liegt der Fokus voll auf dem Körper, damit ich noch so lange wie möglich spielen kann.

Wie viel Zeit brauchen Sie, um abzuschalten? Geht das überhaupt oder sind Sie vom Tennis abhängig?
Mein Leben geht weit über den Tennissport ­hinaus. Tennis ist gewiss ein Teil davon, aber nicht der einzige und auch nicht der wichtigste. Es gibt viele Sachen, die mich glücklich ­machen. Zum Beispiel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Zum Abschalten habe ich jetzt eine Pause zwischen den French Open und Wimbledon. Die Zeit muss ich aber auch zur Vorbereitung nutzen.

Sie sind derzeit auf fast allen Titelseiten. Die Medien loben Sie für Ihre Professionalität und Ihre Anpassungsfähigkeit. Erdrücken Sie die ganzen Lobeshymnen?
Nein, ich bin dankbar dafür. Ich halte meine Emotionen oft zurück. Sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten bleibe ich so emotional auf der Höhe. Das hilft mir, Kritiken und Lobeshymnen richtig einzuordnen.

Fühlen Sie sich derzeit unschlagbar auf dem Sandplatz?
Dieses Jahr wurde ich drei Mal besiegt. Ich habe mich in Paris sicher und vorbereitet gefühlt. Aber es gab Jahre, wo ich mich noch besser und stärker gefühlt habe.

Experten analysieren immer wieder den Wandel Ihres Spielstils. Sie stehen nun näher an der Grundlinie und haben Ihre Rückhand angepasst. Wie bewerten Sie ­diese Änderungen?
Dieser Wandel war nicht Sache von einem Tag oder einem Jahr. Es ist eine logische ­Weiterentwicklung. Meine Beine sind nicht mehr die von 2005. Einige Techniken musste ich aufgeben, andere neu dazulernen. Das Gleiche gilt für das Stellungsspiel. Es ist der einzige Weg, um weiter wettbewerbs­fähig zu sein. Federer, Djokovic und ich – wir alle ­hatten den Traum und den Willen, an der Weltspitze zu bleiben. Damit das so ist, ­müssen wir uns weiterentwickeln. Ich spiele zwar auf dem Sandplatz nun etwas anders, bin in der Essenz aber immer noch der Alte.

Als Nächstes stehen mit der Rasen- und Hartplatztour die größten Herausforderungen für Ihre Knie an. Angst davor?
Wenn ich Angst hätte, könnte ich nicht spielen. Ich kann nicht auf dem Platz stehen und die ganze Zeit daran denken, dass ich mich verletzen könnte. Ich muss mich auf meinen Gegner konzentrieren. Wenn dann etwas passiert, ist es halt so.

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