26. Juni 2019
26.06.2019

Warum Ronaldo und Messi dem Frauenfußball auf Mallorca nicht guttun

María Jesús Tamurejo ist die Verantwortliche für den Sport auf den Balearen. Im Interview spricht sie über die laufende WM und den Stand der Dinge auf der Insel

26.06.2019 | 17:58
María Jesús Tamurejo sah den WM-Auftakt der Spanierinnen vor Ort in Le Havre.

Kaum jemand verkörpert den mallorquinischen Frauenfußball so wie María Jesús Tamurejo. Seit 23 Jahren ist sie für den Sport aktiv, seit 2004 als Verantwortliche beim balearischen Verband. Tamurejo kämpfte jahrelang gegen Vorurteile. „In meiner Jugend mussten wir noch versteckt in den Gassen spielen." Heute ist der Frauenfußball im Trend und Spanien spielt bei der WM in Frankreich.

Wie bewerten Sie das Abschneiden der Spanierinnen bei der WM?
Ich habe die Spielerinnen sehr motiviert gesehen. Im ersten Spiel gegen Südafrika haben wir etwas gelitten, dann aber doch mit 3:1 gewonnen. Bei der 0:1-Niederlage gegen die Deutschen hat man gesehen, dass Deutschland eine Weltmacht im Frauenfußball ist. Wir haben gut gespielt, aber das Tor hat gefehlt. Spanien hatte sich als Ziel gesetzt, die Gruppenphase zu überstehen. Das ist als Zweiter gelungen.

Welche Aufgabe haben Sie als Verantwort­liche des Frauenfußballs auf den Balearen?
Ich muss mit den Clubs in Kontakt stehen, um zu wissen, ob irgendwo etwas fehlt. Außerdem bin ich die Koordinatorin der balearischen Auswahlmannschaften. Im Prinzip bin ich dafür da, den Frauenfußball zu verbessern. Derzeit haben wir ein Projekt, mit dem wir die Anzahl an Spielerinnen erhöhen wollen. Es richtet sich vor allem an die Schulen und die Nachwuchsteams. Da wir drei Mallorquinerinnen in der Nationalmannschaft bei der WM haben, ist gerade ein günstiger Moment für Werbung.

Wie viele Spielerinnen sind beim Verband derzeit angemeldet?
Um die 1.300. Im Zeitraum zwischen 2010 und 2017 haben wir die Anzahl fast verdoppelt. Besonders die Zahlen bei den Bambinis steigen. Das ist wichtig, da das alle folgenden Altersklassen beeinflusst.

Vor wenigen Jahren noch war der Frauenfußball auf Mallorca quasi inexistent. Wie sieht es derzeit aus?
Wir haben große Fortschritte gemacht, dürfen uns aber jetzt nicht ausruhen. Ein Beispiel: Ich war letztens zu einem Futsal-Spiel eingeladen. Eine Frau fragte mich, wer ich sei. Ich sagte ihr, dass ich die Verantwortliche für den Frauenfußball sei. Die Frau fragte daraufhin ernsthaft: Es gibt Frauen, die Fußball spielen? So etwas passiert heutzutage glücklicherweise nur noch selten. Große Clubs auf der Insel investieren mittlerweile in den Frauenfußball. Das sind wichtige Vereine wie Atlético Baleares, C.E. Constància Inca oder Manacor.

Spanienweit hat der Frauenfußball Zuschauerrekorde gebrochen. Gibt es einen ähnlichen Boom auf Mallorca?
Ja. Wir haben vor ein paar Wochen das regionale Pokalfinale der Frauen ausgetragen. Normalerweise findet das immer in Palma statt, wir wollen aber den Frauenfußball in die Dörfer bringen und haben uns für Alcúdia entschieden. Die Leute haben mich angerufen und gesagt: María, da geht doch kein Mensch hin. Alcúdia ist weit weg, es ist Sonntag, Atlético Baleares spielt?€ Die Tribünen waren letztlich voll. Das war beeindruckend. Das nächste Pokalfinale spielen wir in Sant Llorenç. Die Leute halten mich für verrückt.

In den Nationalmannschaften spielen die Mallorquinerinnen oft eine große Rolle...
Der spanische Verband in Madrid hat mir gesagt, dass wir da mal eine Studie machen sollten. Denn das ist nicht normal, dass eine Region mit so wenigen angemeldeten Fußballerinnen so viele Spielerinnen in der Nationalmannschaft stellt. Ich glaube nicht, dass das mit der Genetik zu tun hat. Da steckt unsere Arbeit dahinter. Wir versuchen, dass diese Spielerinnen die Vorbilder der nächsten Generation sind. Die Mädchen sollen aufhören, Ronaldo oder Messi anzuhimmeln, und sich Guijarro, Torrecilla und Caldentey zum Vorbild nehmen.

Fehlt nur ein erstklassiges Team...
Collerense spielt künftig in der neuen Primera División B. Das ist ein erster Schritt. Denn die Liga ist im gleichen Verteilungssystem wie die Liga Iberdrola. Das heißt, dass der Verein die gleichen Einnahmen hat. Damit gehen aber auch einige Pflichten einher: Mindestens sechs Spielerinnen müssen aus dem eigenen Nachwuchs stammen, und mindestens drei Spielerinnen müssen mit einem Profivertrag ausgestattet werden. Damit soll verhindert werden, dass einige Clubs mit einem großen Geldgeber den Aufstieg schaffen und dann vor dem Aus stehen, wenn der Sponsor abspringt.

Dürfte Atlético Baleares, das erst seit vergangener Saison dabei ist, dann aufsteigen?
In der kommenden Saison spielen sie in der drittklassigen Segunda División. Es kann sein, dass dem Team ein möglicher Aufstieg ­verwehrt wird, wenn sie die Auflagen nicht ­erfüllen. Atlético Baleares hat keine Nachwuchs­arbeit im Frauenfußball und will auch keine.

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