12. August 2019
12.08.2019

Mit dem eFoil über das Meer von Mallorca fliegen

Der Wassersport ist im Trend. Mit den Surfbrettern kann der Surfer über dem Wasser schweben. Wenn man es denn (bezahlen) kann. Die MZ hat es ausprobiert

12.08.2019 | 01:00
Der Test im Video.

Noch knie ich nur. Geräuschlos düst das eFoil über das Meer von Camp de Mar. Surflehrer Xavier Alemany fliegt neben mir mit seinem Brett bereits über das Wasser. Am Strand ­zücken die Leute ihre Handys. Die elektrischen Surfbretter sind der neue Hingucker auf Mallorca, Surfer können mit ihnen abheben und scheinbar über das Meer schweben. Wenn ich mich zurücklehne, schnellt das Brett wie ein startendes Flugzeug in die Höhe. Dann heißt es, das Gewicht wieder nach vorn zu verlagern und eine stabile Position zu finden. Einen halben Meter etwa schwebe ich über der Meeresoberfläche. Die Profis schaffen das auch im Stehen. Das ist auch mein Ziel.

Das sogenannte Hydrofoil unter dem Surfbrett stammt von Lift, einer US-amerikanischen Firma mit Sitz in Puerto Rico. Es handelt sich um eine Tragfläche mit Motor, die über einen Mast mit dem Brett verbunden ist. „Die Idee hat sich in der Surfergemeinschaft schnell herumgesprochen", sagt Xavier Alemany. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Sebastian Devonshire gründete der Katalane vor zwei Jahren auf Mallorcas Nachbar­insel ihre Firma Ibiza Foils. Über Dubai ist ­Alemany nun auch auf Mallorca angekommen, wo er seit einem Monat die eFoils zum Verleih anbietet (www.ibizafoils.com). Die MZ hat eine Proberunde bei ihm gewagt.

Am Strand baut Alemany die Gefährte auf. Er besitzt zwei eFoil-Bretter und ein „normales" elektrisches Surfbrett. „Das normale ist mit 18.000 Euro teuer als das eFoil, welches nur 12.500 Euro kostet", erzählt er. „Das liegt daran, dass einfach mehr eFoils produziert werden." Dafür haben die normalen Bretter mehr Kraft. Sie schaffen bis zu 60 Stunden­kilometer, die eFoils nur höchstens 40 km/h. Alemany setzt die Batterie in das Brett. Sie ­allein wiegt mehr als 30 Kilogramm. Dann schraubt der Spanier noch die Tragfläche an das 1,80 Meter lange Brett. „Es gibt unterschiedliche Flossen. Kleinere bieten zwar weniger Auftrieb, machen das Surfbrett aber wendiger. Ich fahre mit einer mittelgroßen Flosse."

Seine Arbeit bleibt nicht unbemerkt. Immer wieder bleiben Passanten stehen und bestaunen die Gefährte. „Das ist wie ein Raumschiff", sagt Alemany. „Warte ab, wie begeistert die Leute sind, wenn sie dich gleich im Meer fliegen sehen." Ganz neu ist die Idee mit den motorisierten Surfbrettern nicht. Bereits vor zwei Jahren habe ich in der Serie „MZ macht sich nass" das Jetsurf getestet. Es funktionierte aber mit einem Benzinmotor, der laut ist und ziemlich schnell absäuft. „Im Gegensatz dazu machen die eFoils weder Geräusche noch Wellen. Sie sind wesentlich besser für die Umwelt", sagt Alemany.

Das Foilear, wie es Alemany nennt – Spanischanfänger sollten es nicht mit einem anderen F-Wort verwechseln –, ist ein teures Vergnügen. 499 Euro kostet die Leihe für ein Brett mit einem Lehrer für eine Stunde, so lange hält mehr oder weniger die Batterie. „Wir haben es hauptsächlich auf Yachtbesitzer abgesehen", erklärt Alemany den stolzen Preis.

Helm auf, Schwimmweste an und los geht's. Die Einführung für das Sportgerät fällt kurz aus. Der Motor wird über eine Fernbedienung gesteuert. „Diese ist via Bluetooth mit dem Brett verbunden. Fällst du ins Wasser, bricht die Verbindung ab und der Motor stoppt." Drei Geschwindigkeitsstufen stehen zur Auswahl. „Bei der ersten läuft der Motor auf 20 Prozent, bei der zweiten 70 Prozent und bei der dritten Vollgas."

Die Startposition ähnelt dem klassischen Wellenreiten. Man legt sich bäuchlings auf das Brett. „Wichtig ist, mit den Ellenbogen Druck auf die Nase des Boards auszuüben. Denn die schwere Batterie und der Motor sind hinten und ziehen es dort runter", sagt Alemany. Wir gehen gemeinsam ins Wasser und legen uns auf die eFoils. Im ersten Gang kutschiert uns das Brett langsam an den Badegästen vorbei. „Wie alt muss man dafür sein", fragen zwei neugierige Kinder. „16", antwortet Xavier Alemany. Gas geben ist Pflicht, denn sonst sinkt das Brett. Der kleine Hebel dazu bedarf einer ruhigen Hand. Drückt man zu stark, rast das Brett los, zu schwach, sinkt man.

„Jetzt kannst du beschleunigen und auf die Knie gehen", sagt Alemany, als wir hinter der Abgrenzung für die Badegäste sind. Das klappt sogar problemfrei. Mit dem eigenen Gewicht lässt sich das Brett nach links und rechts steuern. Nur die Wellen stören. Das eFoil brettert durch sie hindurch und befördert jedes Mal eine ordentliche Ladung Salzwasser ins Gesicht. „Lehn dich zurück", befiehlt Alemany. Und siehe da, das Brett steigt auf einmal in die Luft und das Wellenproblem ist gelöst.

Der nächste Schritt wäre das Stehen. Doch das ist wie bei vielen Dingen leichter gesagt als getan. Ich fahre mittlerweile im zweiten Gang, und die Geschwindigkeit ist gefühlt höher als lediglich 25 Stundenkilometer. Es braucht einiges an Überwindung, dem drohenden Sturz ins Auge zu blicken und aufzustehen. Ich versuche es – und falle sogleich. Mit der Hüfte lande ich auf dem Brett, was einen nicht so hübschen blauen Fleck erzeugt.

Nach drei weiteren Stürzen hab ich langsam den Dreh raus. Verkrampft und etwas zittrig halte ich mich stehend auf dem Brett. An der Küste stehen einige Leute mit gezücktem Handy. Sie haben wohl keine Hand frei, denn meine Leistung hätte schon einen Applaus verdient gehabt.

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