03. Oktober 2019
03.10.2019

Djokovic-Trainer Goran Ivanisevic: "Ich habe es noch drauf!"

Der Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic spielt beim Legends Cup in Palma. Im Interview spricht er über seinen Schützling

03.10.2019 | 01:00
Der Aufschlag ist die Waffe von Ivaniševi?.

Die Tennis-Oldies spielen in Palma. Damit sind diesmal nicht Roger Federer und Rafael Nadal gemeint, sondern die Generation davor. Beim Legends Cup im Palma Sport & Tennis Club (Karten ab 40 Euro unter legendscuppalma.com) treten von Freitag (4.10.) bis Sonntag (6.10.) unter anderen die ehemaligen Weltranglistenersten Mats Wilander und Carlos Moyá an. Neu beim jährlichen Turnier dabei ist der Kroate Goran Ivanisevic?. Sein größter Erfolg war sein Wimbledon-Sieg 2001. Derzeit ist der 48-Jährige als Trainer von Novak Djokovic aktiv.

Mit welchen Zielen gehen Sie in das Turnier?
Ich habe ehrlich gesagt keine Erwartungen. Es ist mein erstes Turnier auf Mallorca. Ich will eine schöne Zeit auf der Insel verbringen. Mit David Ferrer ist ein Spieler dabei, der erst vor ein paar Monaten seine Karriere beendet hat. In der Senior-Tour machen elf Jahre Altersunterschied viel aus. Ich habe keine Chance gegen ihn. Er kann sich noch ganz gut bewegen. Ich bin in ein Alter gekommen, wo einem alles wehtut. Aber das soll jetzt nicht heißen, dass ich kampflos aufgebe. Ich werde alles geben. Ich habe es noch drauf! Ich kann einen guten Aufschlag hinlegen und habe eine starke Vorhand.

Sie halten den Rekord für die meisten Asse in einem Jahr (1.477). Ihr Landsmann Ivo Karlovi? hält den Rekord mit mehr als 13.000 Assen in der gesamten Karriere. Ist der Aufschlag eine kroatische Spezialität?
Ivan Ljubi?i?, Mario An?i? und Marin ?ili? darf man nicht vergessen. Ja, ich denke, dass man es als Spezialität bezeichnen kann. Woran das liegt – ich habe keine Ahnung. Vielleicht weil wir alle großgewachsen sind. Wir beschränken uns zudem beim Bewegungsablauf auf die einfachen Dinge.

Sie sind der einzige Spieler, der Wimbledon mit einer Wildcard gewonnen hat, also auf Einladung des Veranstalters, ohne sich vorher qualifiziert zu haben. Wie war das möglich?
Das ist eine gute Frage. Manchmal denke ich an die Zeit zurück und kann immer noch nicht glauben, dass ich gewonnen habe. Ich war auf Platz 128 der Weltrangliste und hatte länger nicht gespielt. Was in diesen 15 Tagen passierte, kann ich mir selbst nicht erklären. Es waren die besten Tage meiner Karriere. Ich denke nicht, dass es je wieder ein Spieler schaffen wird, mit einer Wildcard einen Grand Slam zu gewinnen.

Der heutige Weltranglisten-Erste, Novak Djokovic, soll Ihnen damals assistiert haben und Ihnen Snacks gereicht haben. Stimmt das?
Ich hatte ihn schon im Jahr davor kennengelernt. Er war in der Tennisakademie von Niki Pilic in München. Niki sagte mir, dass da ein 13-Jähriger ist, der eines Tages der Beste der Welt sein könnte und ob ich nicht mit ihm spielen könne. Ich habe eine halbe Stunde mit ihm trainiert, und er hat mir danach eine Schokolade geschenkt. Jahre später hat sich die Prognose von Niki bestätigt, und heute bin ich sein Trainer.

Sie sind vor dem diesjährigen Wimbledon-Turnier zu seinem Trainerstab gestoßen. Djokovic gewann. Wie groß ist Ihr Anteil am Sieg?
Ich hatte nur eine Woche zur Vorbereitung mit ihm. In der kurzen Zeit kann man niemandem helfen. Wir kannten uns gut und haben viel miteinander gesprochen. Es war das erste Mal, dass wir auf derselben Seite standen, und das war eine tolle Sache.

Bei den US Open musste Djokovic mit einer Schulterverletzung im Achtelfinale aufgeben. Er wird zum Jahresende wahrscheinlich den Platz an der Weltrangliste an Nadal verlieren. Wie steht es um den „Djoker"?
Er hat sich in den vergangenen Wochen gut erholt. Um die Nr. 1 zu halten, müsste Djokovic praktisch alles bis zum Saisonende gewinnen, da er die Punkte aus dem Vorjahr verteidigen muss. Nadal hingegen hat nichts zu verlieren. Für Djokovic wird es schwierig, aber nicht unmöglich. Sein anderer Trainer, Marián Vajda, ist mit ihm in Tokio und Shanghai. Da muss ich wegen des Legends Cups passen. Wenn seine Schulter hält, bin ich in Paris und beim ATP-Finale in London wieder bei ihm.

Sie haben in einem Interview vergangene Woche gesagt, dass Sie sowohl Nadal als auch Djokovic mehr als 20 Grand-Slam-Titel zutrauen. Gibt es keine neue Generation, die auch mal eine Trophäe holen könnte?
Im Moment sehe ich keinen jungen Kerl, der einen Grand Slam gewinnen kann. In Zukunft wird bestimmt einer kommen. Aber derzeit läuft es alles auf die drei hinaus. Da schließe ich Roger Federer mit ein. Denn er ist immer ein gefährlicher Gegner und Titelaspirant. Diese drei Spieler haben den Tennissport unbeschreiblich gemacht. Es gab noch nie eine Phase, wo nur drei Spieler das Geschehen so beherrscht haben.

Wer ist Ihrer Meinung nach der Beste der Welt?
Es läuft auf einen der drei hinaus. Das ist wie im Fußball ein bisschen Geschmackssache. Manche mögen Cristiano Ronaldo mehr, andere Messi. Wenn die drei in zehn Matches den besten Spieler ausspielen würden, würde wohl Djokovic gewinnen. Er ist der kompletteste Spieler.

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