19. Oktober 2019
19.10.2019

Mallorca-Export Mateu Morey: "Ich will mit meinen Flankenläufen die Fans vom BVB begeistern"

Juventus Turin, Bayern München oder Spitzenclubs aus England – fast alle Vereine von Rang haben im Sommer am Mallorquiner gebaggert. Im Interview spricht er über sein Verletzungspech, kalte Tage in Deutschland und Mentalitätsprobleme

19.10.2019 | 01:00
Mateu Morey machte in den Testspielen eine gute Figur, verletzte sich jedoch vor dem Saisonstart.

Die Südtribüne des Signal Iduna Park, der Heimspielstätte von Borussia Dortmund, gehört zu den spektakulärsten Fanblocks der Welt. Die 35.000 Zuschauer dort werden als die schwarz-gelbe Wand bezeichnet. Unten auf dem Platz vor ihnen spielt künftig auch ein Mallorquiner. Der 19-jährige Mateu Morey aus Petra ist im Sommer von der Nachwuchsakademie des FC Barcelona zum BVB gewechselt. Nach Verletzungspause saß er in den zwei vergangenen Spielen schon auf der Bank. Gegen Tabellenführer Mönchengladbach könnte Morey am Samstag (19.10., 18.30 Uhr) sein Debüt feiern. Die MZ sprach mit ihm vorab per Telefon.

In Palma sind es gerade knapp 30 Grad Celsius, in Dortmund 14. Ist Ihnen das als Mallorquiner nicht zu kalt?
(lacht) Ja, es ist manchmal verdammt kalt hier. Es fiel mir an den ersten kalten Tagen schwer, mich an die Temperaturen anzupassen. Langsam wird es besser. Dennoch vermisse ich die Hitze auf der Insel.

Sie sind seit drei Monaten beim BVB. Wie haben Sie die Anfangszeit in Deutschland erlebt?
Ich hatte vorher mit Sergio Gómez gesprochen, der im Sommer von Dortmund an Huesca verliehen wurde. Wir hatten gemeinsam in der Jugendmannschaft des FC Barcelona gespielt. Er sagte mir, dass der BVB ein toller Club ist und ich herkommen soll. Der Verein hat mich super aufgenommen. Wir hatten mit dem Team eine gute Vorbereitung und ich hab mich unglücklicherweise kurz vor Saisonbeginn verletzt. Jetzt bin ich aber wieder gesund und bin voller Vorfreude, endlich mein Debüt mit der Mannschaft zu feiern.

Wie ist Ihr Alltag abseits des Platzes?
Ich habe schon eine Wohnung gefunden, wo ich allein wohne. Meine Eltern und Freunde kommen mich alle zwei, drei Wochen besuchen. Ich fühle mich hier wohl. Mit der deutschen Sprache hapert es noch etwas. Ich besuche aber Sprachkurse und lerne langsam hinzu. Mit Paco Alcácer, Achraf Hakimi und Leonardo Balerdi habe ich Mitspieler, die Spanisch sprechen und mir helfen können. Axel Witsel kann auch ein bisschen Spanisch. Mit den anderen versuche ich es mit Hand und Fuß auf Deutsch oder eben Englisch.

Haben Ihre neuen Mitspieler Ihnen schon eingetrichtert, dass Sie Schalke 04 nicht mögen dürfen?
(lacht) Ja, die haben mir schon ein paar Sachen erzählt. Die Spiele gegen Schalke sollen sehr hitzig sein und die Mannschaft hat immer viel Vorfreude auf die Derbys. In einer Woche ist es schon so weit.

Sie gehören zu den größten spanischen Nachwuchshoffnungen und haben bei einem der größten spanischen Clubs gespielt. Wie kam es zu der Entscheidung, Barça zu verlassen?
Ich war fast ein Jahr lang verletzt. Da schießen einem einige Dinge durch den Kopf. So habe ich mit meiner Familie und meinem Umfeld beschlossen, dass es besser ist, den Verein zu verlassen, um mehr Möglichkeiten im Profifußball zu haben.

Haben Sie bei Barça also keine Zukunft gesehen?
Genau, die habe ich nicht gesehen. Aber man darf halt auch nicht vergessen, dass ich lange verletzt war. Barça ist nun Geschichte, und ich möchte mich voll auf den BVB fokussieren.

Laut Medienberichten standen Sie vor einem Jahr schon kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern München. Warum hat das nicht geklappt?
Darüber bin ich sogar glücklich, denn sonst wäre ich nicht beim BVB. Hier will ich jetzt zeigen, was ich draufhabe.

Hatten die Bayern oder Sie abgesagt?
Das ist Vergangenheit. Darüber möchte ich nicht weiter sprechen.

Sie haben eine hervorragende Vorbereitung abgeliefert und galten schon als Trainerliebling. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie sich kurz vor Saisonstart verletzten?
Ich hatte mich auf eine schwierige Vorbereitung eingestellt, da ich wusste, dass ich mich als Neuling erst mal in die Mannschaft integrieren muss. Ich habe Vollgas gegeben und gute Leistungen in den Testspielen gezeigt. Die Verletzung kam zur Unzeit. Jetzt muss ich mich erneut beweisen und das Vertrauen des Trainers zurückgewinnen.

Sie hatten bereits die einjährige Pause beim FC Barcelona angesprochen. Sind Sie ein verletzungsanfälliger Spieler?
Der Meniskusriss bei Barça war meine erste schwere Verletzung. Ich hatte acht Monate pausiert und bin dann wieder ins Training eingestiegen. Kurze Zeit später gab es einen Rückschlag und das Knie schmerzte erneut. Glücklicherweise war ich dann nur einen Monat lang raus. Beim BVB bin ich hingegen im Spiel unglücklich gefallen und habe mir die Schulter ausgekugelt. Normalerweise bin ich kein anfälliger Spieler, zuletzt hatte ich aber ein bisschen Pech.

Für die deutschen Fans sind Sie noch ein recht unbekannter Spieler. Wie würden Sie Ihre Spielweise beschreiben?
Ich mag es, mich im Angriff einzuschalten. Ich will mit meinen Flankenläufen die Fans vom BVB begeistern. In der Jugend habe ich zwar auch als Innenverteidiger gespielt, aber da ich nicht so groß gewachsen bin (1,72 Meter, Anm. d. Red.), fühle ich mich als Rechtsverteidiger besser aufgehoben. Ich könnte mich jetzt nicht mit einem bekannten Spieler vergleichen. Ich versuche, die besten Attribute von allen in mir zu vereinen.

Auf Ihrer Position haben derzeit Achraf Hakimi und Lukas Piszczek die Nase vorn. Wie schätzen Sie Ihre Chancen in dieser Saison ein, auch eingesetzt zu werden?
Das sind zwei großartige Spieler. Mein Ziel kann es erst einmal nur sein, im Training alles zu geben und möglichst viel von ihnen zu lernen und mich dem Trainer aufzudrängen.

In den vergangenen drei Spielen hat Dortmund jeweils ein 2:2-Unentschieden geholt. In zwei Spielen gab es den Ausgleich kurz vor Schluss. Die deutsche Presse hat ein Mentalitätsproblem ausfindig gemacht. Wie sehen Sie das?
Ich glaube nicht, dass das etwas mit Mentalität zu tun hat. Es geht einfach darum, vor allem in den letzten Minuten der Partie besser zu spielen und auch mal einen Sieg nach Hause zu bringen. Wenn wir weiter an uns arbeiten, werden die Ergebnisse schon kommen. Das wird sich dann natürlich auch in der Tabelle bemerkbar machen.

Sie haben mit 15 Jahren Real Mallorca verlassen. Verfolgen Sie Ihren Heimatclub noch? Und wie schätzen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?
Ja, ich verfolge die Spiele noch, schließlich ist es meine Heimat und ich habe fast mein ganzes Leben dort gewohnt. Es ist etwas Besonderes, dass Real Mallorca wieder in der ersten Liga spielt. Der Club hat sich im Sommer gut aufgestellt und kann auf eine starke Mannschaft setzen. Die erste Saison nach einem Aufstieg ist immer kompliziert. Das Team wird es schwierig haben, aber der Kader müsste reichen, um den Klassenerhalt zu schaffen.

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