07. November 2019
07.11.2019

Über den Golfplatz auf Mallorca zu Olympia

Sebastian Heisele ist Deutschlands zweitbester Golfer. Im Club Alcanada will er die Rückkehr in die erstklassige European Tour perfekt machen. Zudem kann er Punkte für Tokio holen

07.11.2019 | 11:23
Sebastian Heisele spielt zum ersten Mal auf Mallorca.

Die Golfwelt schaut von Donnerstag (7.11.) bis Sonntag (10.11.) nach Mallorca. Beim Finale der European Challenge Tour auf dem Golfplatz Alcanada spielen 45 Profis um 15 Startplätze für die erstklassige European Tour. Mit dabei ist Sebastian Heisele. Geht es nach der Weltrangliste, ist er Deutschlands zweitbester Golfer nach Martin Kaymer. Mit einem guten Resultat auf der Insel will er nicht nur ins große Golfgeschäft zurück, sondern sich auch Punkte in Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio holen.

Schon früh auf Tour

Heisele war schon als Kind ein Kosmopolit. Seine Mutter ist Holländerin, er ist in Heemstede geboren, aber in Dubai aufgewachsen. „Meine Eltern wollten in einem VW Käfer einmal um die Welt fahren. In Tibet hat das Auto den Geist aufgegeben und sie haben es nicht weiter geschafft. Da es ihnen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gefallen hatte, sind sie nach Dubai zurückgekehrt. Dort haben sie eine Lederwarenfirma eröffnet."

Seine Kindheit im Wüstenstaat sieht der heute 31-Jährige als wenig außergewöhnlich an. „Ich kannte es nicht anders. Unterschiede sind mir nur bei Gesprächen mit deutschen Freunden aufgefallen. Statt draußen in der Natur zu spielen trifft man sich in Dubai wegen der hohen Temperaturen lieber im Einkaufszentrum."

Den Golfsport entdeckte er mit acht Jahren bei einem Familienurlaub auf den Bahamas. „Irische Freunde hatten meine Eltern eingeladen. Für mich war damals das Highlight, das Golfcar zu fahren und die Bälle aus dem Teich zu fischen." Die Eltern spielten nach dem Urlaub weiter, und der Sohn probierte sich selbst bei Jugendturnieren aus. „Mit zwölf Jahren habe ich ein Turnier gewonnen und dafür einen Gutschein über 30 Euro bekommen. Das war für mich als Kind viel Geld, und ich habe geschnallt, dass ich mir mit den Preisgeldern vom Golf Spielzeuge kaufen kann."

Mit 17 Jahren zog es den Deutschen nach Florida. Er gab dem Golf als Profisport eine Chance und besuchte die IMG Academy in Florida. „Früher war das als Tennisschule bekannt, auf die Maria Sharapova, Angelique Kerber und Tommy Haas gegangen sind. Heute findet man dort die verschiedensten Sportarten." 2007 zog Heisele weiter nach Colorado, wo er an der Universität Architektur studierte. „Das bereitete mir viel Freude und ich hätte auch gerne als Architekt gearbeitet. Aber ich wollte mich eben auch als Golfprofi versuchen. Das hat dann zufällig geklappt."

Im Sommer 2011 schrieb sich Heisele bei Turnieren der EPD Tour ein – heute ist das die drittklassige Pro Golf Tour. „Mittlerweile muss man sich dafür qualifizieren. Damals konnte man einfach Startgeld zahlen und mitmachen." Im fünften Anlauf bei einem Turnier auf dem Platz des Schlosses Moyland in der Nähe von Kleve gewann Heisele. Damit war er nach Martin Kaymer der zweite Amateur überhaupt, der einen Sieg auf der Pro Golf Tour holte.


"Auf die Schnauze geflogen?..."

So gut es noch als Amateur lief, so holprig startete seine Profikarriere im Jahr 2012. „Ich bin immer auf die Schnauze geflogen und habe Spaß und Selbstvertrauen verloren. Es war schon so weit, dass ich zurück zur Architektur wollte." Der Golfer legte monatelang Pause ein und bat Psychologen um Hilfe. Anfang 2014 suchte er Bob Rotella auf, der sich in der Branche als Golfguru einen Namen gemacht hat. „Mit seinem Ansatz, alles locker zu nehmen, konnte ich nicht viel anfangen. Aber vielleicht hat es insgeheim doch etwas gebracht." Denn plötzlich lief es. Der 2,02 Meter große Hüne belegte den zweiten Platz auf der Pro Golf Tour und schaffte den Aufstieg zur Challenge Tour. Zwei Jahre später war er im großen Geschäft, der European Tour angekommen. „Mein Weg zum Profi hat sich nach und nach entwickelt", sagt Sebastian Heisele.

Und ging auch weiter mit Rückschlägen einher. „Bekannte hatten mir gesagt, wenn man einmal in der European Tour angekommen ist, dass es relativ einfach ist, sich dort zu halten. Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht." 2017 legte er sein bestes Jahr hin. „Ich habe wie aus einem Guss gespielt. Es war ein Selbstläufer." Der dritte Platz bei den KLM Open in den Niederlande war sein bestes Resultat. In der Weltrangliste schaffte Heisele es auf Platz 144 – eine Position, die er bis heute nicht noch einmal erreicht hat.

Denn 2018 ging es wieder bergab. „Keine Ahnung warum. Der Ehrgeiz war da." Doch die Ergebnisse blieben aus. Heisele wechselte den Trainer. Es wurde nicht besser und er schaffte die erneute Qualifikation für die European Tour nicht und musste wieder auf der Challenge Tour ran.

...?und wieder berappelt

Sein jetziger Trainer Philippe de Busschere betreut auch den Österreicher Bernd Wiesberger, der auf Platz 24 der Weltrangliste steht. „Auf dieses Niveau will ich auch einmal kommen", sagt Heisele über seinen Kollegen und Freund. „Er hat mir ganz andere Abläufe gezeigt und mir auch durch die Sponsorensuche ganz andere finanzielle Möglichkeiten gebracht." Das Jahr ging für den Deutschen gut los, doch im Juli knickte der 31-Jährige um. Die Diagnose vom bekannten Münchner Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: Innen- und Außenbandanriss – acht Wochen Pause.

In Irland stand Heisele Ende August wieder auf dem Platz, konnte aber mit der Konkurrenz nicht mithalten und wurde schon vor dem Turnierende disqualifiziert. „Dann wurde es von einem Tag auf den anderen Tag besser", sagt er. „Golfer versuchen bei einem 18-Loch-Parcours immer auf die magische Schlagzahl von 59 zu kommen. Ich habe Ende August in Belgien eine 61 hingelegt." Und es kam noch besser. Im September gewann er in der Bretagne sein erstes Challenge-Turnier überhaupt.

Nun waren seine Saisonziele wieder in Reichweite. Zum Formhoch passte auch, dass er in China sein erstes Hole-in-one als Profi hinlegte. „Bei vielen Turnieren bietet der Organisator dafür einen teuren Sportwagen als Preis an. Ich habe leider nichts bekommen", sagt er dennoch schmunzelnd. Dafür hat er sich in der Rangliste der Challenge Tour auf den elften Platz vorgekämpft. Die 15 besten Spieler im Ranking nach dem Finale auf Mallorca bekommen die Karte für die European Tour. Somit ist Heisele schon so gut wie qualifiziert. „Rein rechnerisch ist ein Abrutschen zwar noch möglich, aber äußerst unwahrscheinlich."

Erstmals auf Mallorca

Insofern macht es auch nichts aus, dass er zum ersten Mal auf Mallorca golft und den Platz erst am Dienstag kennengelernt hat. „Es fühlt sich wie Urlaub an. Der Ausblick ist eine tolle Sache. Aus sportlicher Sicht sind die ersten neun Löcher komplett anders als die letzten neun. In der zweiten Hälfte haben wir bessere Möglichkeiten, mit weniger Schlägen einzulochen."

Ein Anreiz für die Golfer ist das Preisgeld von insgesamt 420.000 Euro. Nach den Turnieren wird es in Punkte für die Weltrangliste konvertiert. So könnte Heisele mit einem Sieg auf Mallorca einen Schritt Richtung Tokio machen. Derzeit ist Martin Kaymer (Platz 118) als bester Deutscher für die Olympischen Spiele qualifiziert. Heisele steht auf Platz 264. „Wenn Kaymer in Form kommt und sich unter die ersten 50 spielt, darf ein zweiter Deutscher mit." Alternativ könnte Heisele vielleicht sogar noch Kaymer überholen oder hoffen, dass die Deutschen in der Landeswertung ein anderes Land überholen und so einen zweiten Startplatz bekommen.

Der Eintritt zum Turnier ist kostenlos. Ab 9 Uhr starten 15 Flights mit je drei Spielern von Tee 1. Ab Alcúdia steht ein Shuttlebus nach Alcanada zur Verfügung, der von 9 bis 17 Uhr fährt. Abfahrt ist ab der Ecke Carrer de Pollentia/Carrer del Vidriell circa alle 20 Minuten.

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