21. November 2019
21.11.2019

Was Johan Cruyff mit dem Gegner von Real Mallorca zu tun hat

Das Inselteam tritt am Freitagabend (22.11.) bei Levante UD in Valencia an

21.11.2019 | 01:00
Johan Cruyff wurde bei Levante nicht glücklich - und der Club nicht mit ihm.

Zwar steht der Fußballclub Levante UD seit Jahr und Tag im Schatten des großen Lokalrivalen FC Valencia, doch auch beim zweiten Erstligisten der drittgrößten spanischen Stadt weiß man, wie man erfolgreich das Runde ins Eckige befördert. Das bekommt in schöner Regelmäßigkeit vor allem der FC Barcelona zu spüren. Levante ist so etwas wie das personifizierte Schreckgespenst für das Team von Lionel Messi. Drei der vergangenen sechs Spiele gegen Barça gewann Levante, das letzte erst am 2. November, als die Valencianer aus einem 0:1 innerhalb von acht Minuten ein 3:1 machten. Real Mallorca muss sich also vorsehen, wenn das Team von Trainer Vicente Moreno nach der Länderspielpause am Freitag (22.11.) um 21 Uhr im Stadion Ciutat de València antritt und im sechsten Anlauf versucht, die ersten Auswärtspunkte der Saison zu ergattern.

Obwohl: Der größte Spieler, den Levante je in seinen Reihen hatte, ist schon lange nicht mehr dabei. Johan Cruyff, der holländische Ballkünstler, der 2016 im Alter von 68 Jahren an einem Herzinfarkt starb, absolvierte in der Saison 1980/81 zehn Partien für Levante, in jenen Tagen Zweitligist. Cruyff, der damals 33 Jahre alt war, spielte zu dieser Zeit bei den Washington Diplomats in den USA. Zugleich verkündete er immer wieder, dass er gern nach Europa zurückkehren würde. Es wurde viel geredet, Gerüchte kamen auf. Geht Cruyff zu Chelsea, zu Arsenal London, zum FC Sevilla, zu Espanyol Barcelona - oder vielleicht zum Zweitligisten Levante? Die meisten Experten lachten über letztere Mutmaßung.

Doch der Zweitligist, der im Rennen um den Aufstieg gut dabei war, hatte einen umtriebigen und zum Größenwahn neigenden Präsidenten. Francisco Aznar reiste nach Amsterdam, um sich mit Cruyff zu treffen - und der dreifache Weltfußballer des Jahres sagte zu. Levante versprach sich durch die Verpflichtung den sicheren Aufstieg sowie eine Vervierfachung der Mitglieder von 5.000 auf über 20.000. Kurz gesagt: Cruyff sollte eine neue Fußballeuphorie in Valencia auslösen. Wie Aznar Cruyff letztlich von seinem Club überzeugen konnte, ist nicht abschließend geklärt. Sicher war das Gehalt ein Aspekt - Cruyff sollte für die vier Monate zwischen Februar und Mai 1981 rund 10 Millionen Peseten (240.000 Euro) bekommen, was für damalige Verhältnisse nicht gerade bescheiden war. In anderen Quellen ist sogar von 16 Millionen Peseten die Rede. Zusätzlich soll abgesprochen gewesen sein, dass Cruyff die Hälfte der Tageseinnahmen bei Heimspielen einbehalten durfte.

Selbst der damalige Trainer, Enrique Pérez Díaz, Pachín genannt, und die künftigen Mitspieler hielten die Verpflichtung von Cruyff für einen Scherz, bis er dann doch leibhaftig vor ihnen stand. Im ersten Training füllte sich das Stadion, doch kurz vor dem eigentlichen Debüt am 1. Februar gegen Sabadell wurde Levante vom Verband wegen ausstehender Gehaltszahlungen mit einem Transfer-Stopp bestraft. Cruyff ging in Wartestellung und debütierte erst am 28. Februar gegen Palencia. Levante gewann mit 1:0, das Stadion war nicht ganz voll - wohl auch, weil viele Fans es nicht für möglich hielten, dass der Niederländer auflaufen würde. Cruyff trug wenig zum Sieg bei, Levante blieb Zweiter.

Cruyff zeigte schnell Star-Allüren: Zum ersten Auswärtsspiel in Granada eine Woche später reiste er nicht mit der Mannschaft, sondern im Auto des Club-Präsidenten an. Levante verlor 0:1, das Stadion war bis auf den letzten Platz besetzt. Alle wollten Cruyff sehen, die ausgelassene Stimmung auf den Rängen half am Ende den Hausherren.

Von Spieltag zu Spieltag wurde der Niederländer mehr zur Diva, ohne aber auf dem Platz zu glänzen. Beim nächsten Auswärtsspiel in Vitoria kam es zum Eklat: Cruyff reiste erneut mit dem Präsidenten an, verpasste im Baskenland das Abschlusstraining und wollte die Hälfte der Tageseinnahmen behalten – wohlgemerkt auswärts. Viele seien ja nur wegen ihm ins Stadion gekommen, rechtfertigte er sich. Der Geschäftsführer von Vitoria weigerte sich - und Cruyff weigerte sich zu spielen. Er trat mit einem französischen Journalistenteam, das ihn begleitet hatte, den Heimweg an. Levante verlor 0:1, der Trainer wurde geschasst. Mit dem neuen Übungsleiter Joaquim Rifé ging es endgültig bergab, Levante beendete als Neunter die Saison und verpasste den Aufstieg meilenweit. Cruyff schoss zwar gegen Oviedo beim 2:2 beide Tore, mehr trug er allerdings nicht bei.

Dennoch: Auch heute noch ist man bei Levante stolz, dass Cruyff zehn Mal für den kleinen Club auf dem Feld stand, auch wenn er eher selten Lust auf Training hatte. Ehemalige Teamkameraden erinnern sich gern daran, wie Cruyff sich während des Trainings auf die Bank setzte, seine Füße in warmes Wasser hielt und behauptete, er müsse seinen Knöchel kurieren. Letztendlich war die Verpflichtung wohl ein großes Missverständnis - für alle Beteiligten. Der niederländische Star soll im Endeffekt auch nur einen Bruchteil von dem Gehalt bekommen haben, was eigentlich abgesprochen war. Levante UD ist und bleibt eben doch ein bescheidener Arbeiterclub - der ab und an mal Barça ärgert.

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