21. Januar 2020
21.01.2020
Mallorca Zeitung

Mallorcas Sportler wollen bei den Olympischen Spielen in Tokio Rekorde brechen

So stehen die Chancen der Mallorquiner, bei Olympia dabei zu sein

21.01.2020 | 01:00
Marcus Cooper Walz fährt in Tokio nicht mehr alleine.

Das Sportjahr 2020 steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele in Tokio. Die 32. Sommerspiele der Neuzeit werden am 24. Juli eröffnet. Die letzten Entscheidungen fallen am 9. August. Die Sportler messen sich in 339 Wettkämpfen in 33 verschiedenen Sportarten. Neu dabei sind Baseball (nur für Männer), Softball (nur für Frauen), Karate, Sportklettern, Skateboard und Surfen.

Bis in den Sommer kämpfen die Sportler weltweit noch um die letzten Tickets. Die Qualifikation haben aus spanischer Sicht bereits 167 Athleten geschafft. Das Olympische Komitee in Spanien rechnet mit circa 300 Sportlern, die nach Japan fliegen. Die Spanier hoffen auf mehr oder weniger 17 Medaillen. Diese Anzahl gab es bereits 2016 in Rio. Der Durchschnitt seit den Spielen in Barcelona 1992, wo Spanien mit 22 Medaillen den eigenen Rekord aufstellte, liegt bei 18 Medaillen. „Wir sind optimistisch", sagt Alejandro Blanco, Präsident des Olympischen Komitees, der Zeitung „As". „In jedem olympischen Zyklus führen wir eine Studie anhand der Ergebnisse der Welt- und Europameisterschaften durch. Das Resultat bei Olympia weicht dann meist nur eine Medaille von unseren Erwartungen ab."

Mit 16 qualifizierten Sportlern und sechs Medaillen hatten die Balearen in beider Hinsicht in Rio einen Rekord aufgestellt. Mallorca durfte fünfmal jubeln. Marcus Cooper Walz (Einerkajak) und Rafael Nadal (Tennis, Doppel) holten Gold. Silber gab es für die Basketballer Rudy Fernández, Álex Abrines und Alba Torrens. Die MZ erklärt, welche Mallorquiner in Tokio dabei sind, welche nicht und wer noch hoffen darf.

Ticket gebucht

Da vor den Spielen noch Verletzungen auftreten können, ist wohl kein Sportler sicher bei Olympia dabei. Fünf Inselathleten haben aber bereits die Qualifikation für Tokio geschafft. Kanute Marcus Cooper Walz will wieder ganz hoch auf das Treppchen. Der 25-Jährige ist Sohn einer Deutschen und eines Briten. Seit er drei Monate alt ist, lebt er auf Mallorca. In Rio überraschte der „Goldjunge aus Cala d'Or", wie ihn der Boulevard taufte, mit einem Sieg im Einerkajak. In Tokio geht er im Viererkajak gemeinsam mit Saúl Craviotto, Cristian Toro und Rodrigo Germade über 500 Meter an den Start. Das Team gehört zu den Favoriten.

In Spanien ist der balearische Turnclub Xelska das Maß aller Dinge. Aushängeschild Cintia Rodríguez aus Inca debütiert bei Olympia aber erst mit 25 Jahren, quasi dem Rentenalter bei Turnerinnen. Gegen die internationale Konkurrenz um Superstar Simone Biles dürfte die Mallorquinerin nur wenige Chancen haben. Mit Adrià Vera und Nicolau Mir, Sohn von Xelska-Chef Pedro Mir, sind auch bei den Männern zwei Mallorquiner vertreten.

Der Schwimmer Joan Lluís Pons aus Sóller hat im vergangenen Dezember die Qualifikation für Tokio geschafft. Bei seinen zweiten Spielen – in Rio wurde er Achter – geht er erneut über die 400 Meter Lagen an den Start.

Wahrscheinlich dabei

Spanien hat in verschiedenen Mannschaftssportarten die Qualifikation schon geschafft. Da die Nationaltrainer jedoch noch über die Kader bestimmen müssen, herrscht noch Unklarheit, wer letztlich mitfliegen darf. Bei einigen mallorquinischen Sportlern wäre eine Nicht-Nominierung eine große Überraschung. So dürfte Basketballer Rudy Fernández ziemlich sicher seine vierten Olympischen Spiele bestreiten. Bisher reichte es für eine Bronze- und zwei Silbermedaillen. Nach dem WM-Titel 2019 will Spanien auch in Tokio Gold holen. Der größte Konkurrent sind die USA. Gute Chancen hat auch Álex Abrines. Der Mallorquiner leidet bei großen Turnieren mit der Nationalmannschaft aber oft unter Verletzungspech. Joan Sastre aus Inca dürfte im Team von Sergio Scariolo keinen Platz finden.

Bei den Basketballerinnen dreht sich alles um Alba Torrens aus Binissalem. In Rio verloren die Spanierinnen im Finale gegen die USA. Eine Revanche ist gut möglich. Nogaye Lo schielt auf einen Kaderplatz.

Auch die Radfahrer haben ihre Startplätze schon sicher, unklar ist nur, wer sie einnimmt. Die Männer legen
ihre Hoffnungen auf Altstar Alejandro Valverde. Ihm könnte Enric Mas aus Artà zuarbeiten. Bei den Frauen könnte Mavi García ihren Traum weiterleben. Erst mit 28 Jahren begann die heute 36-Jährige mit dem Radsport. Jetzt könnte es sogar mit Olympia klappen. Spanien hat zwei Startplätze, die Mallorquinerin gute Chancen auf einen davon.

Gewiss wird Rafael Nadal noch einmal Olympia erleben wollen. Für den 33-Jährigen ist die Qualifikation wohl nur Formsache. Wichtiger ist, ob der Tennisstar aus Manacor bis dahin ohne Verletzung auskommt. Nadal hat 2008 im Einzel und 2016 im Doppel Gold bei den Spielen geholt.

Bereits 2016 gehörte Mario Mola zu den Favoriten, doch der Triathlet enttäuschte mit einem achten Platz. Dem ließ der 29-Jährige aber drei WM-Titel folgen. Die Qualifikation entscheidet sich im Mai über die Rangliste. Mola dürfte ziemlich sicher dabei und ein Anwärter auf eine Medaille sein.

Der Schwimmer Hugo González hat die Norm für Tokio über 200 Meter Lagen schon geschafft. Damit er auch wirklich antreten darf, muss er die spanische Konkurrenz bei der Meisterschaft im April hinter sich lassen. Der damals 17-Jährige debütierte in Rio.

Außenseiterchancen

Der erste Skateboard-Olympiasieger in der Disziplin Park wird wohl aus Brasilien oder den USA kommen. Beide Länder dominieren diese Sportart. Der Mallorquiner Jaime Mateu hofft darauf, bei den Spielen mitmachen zu dürfen. Dafür muss er bei der WM im Mai unter die besten drei Sportler kommen – bei der vorherigen WM wurde der 24-Jährige Vierter – oder im Ranking unter den besten 16 Athleten sein (derzeit Rang 26).

Vielleicht ist Nadal nicht der einzige mallorquinische Tennisspieler in Tokio. Dafür müsste Jaume Munar aber seine Leistung noch steigern. Die vier besten Spieler eines Landes dürfen antreten, wenn sie in der Weltrangliste auf Platz 56 oder besser stehen. Der 22-Jährige aus Santanyí ist derzeit 89. und hat sechs andere Spanier vor der Nase.

Ringen zählt nicht zu den Stärken der Spanier. Zum Glück gibt es da Osteuropäer, die nach Spanien ausgewandert sind und die Nationalität angenommen haben. Taimuraz Friev aus Ossetien und Levan Metreveli aus Georgien haben beide auf Mallorca ihre Heimat gefunden. Nach Tokio kommen sie über ein Qualifikationsturnier im März in Budapest. Dort will sich auch die 24-Jährige Graciela Sánchez ihren Startplatz sichern.

Die Schwimmerin Melanie Costa Schmid, Tochter eines Mallorquiners und einer Deutschen, war bereits bei drei Olympischen Spielen. Nach einem schwachen Jahr 2019 mit Krankheiten und Verletzungen hat die 30-Jährige noch nicht die Norm geschafft. Das Gleiche gilt für Marc Sánchez, der in Rio debütierte und dort im Vorlauf scheiterte.

Der Boxer Youba Sissokho bezeichnet die Spiele in Rio als schwierigste Etappe seines Lebens, da kurz zuvor eine Krebserkrankung bei ihm diagnostiziert wurde. Die Diagnose stellte sich später als falsch heraus. Im März kann er sich eine zweite Chance bei Olympia im Weltergewicht erkämpfen.

Noch nie hat Spanien eine Medaille im Wasserspringen bei Olympia gewonnen. Der 17-Jährige Adrían Abadía will das ändern. Dafür muss er sich aber erst einmal beim Weltcup in Tokio im April qualifizieren.

Nicht dabei

In Rio waren zwei mallorquinische Leichtathleten dabei. Mitteldistanzläufer David Bustos und Hürdenläuferin Caridad Jerez. Beide haben die Qualifikation für Tokio verpasst.

Kanute Alfonso Benavides hat nach einem Dopingbefund bei einem Konkurrenten nachträglich in London 2012 Bronze im Einer-Kanadier geholt. In Rio wurde er Vierter. Mittlerweile ist er auf den Zweierkajak auf der 500-Meter-Strecke umgestiegen, der (noch) nicht olympisch ist.

Aus mallorquinischer Sicht ist es mehr als schade, dass die spanischen Fußballerinnen die Qlympia-Qualifikation verpasst haben. Mit Mariona Caldentey, Patricia Guijarro, Virgina Torrecilla und vielleicht sogar Cata Coll wären vier Mallorquinerinnen dabei gewesen. Bei den Männern werden wohl keine Mallorquiner auflaufen. Bei den Spielen treten die U21-Nationalmannschaften an. Diese dürfen mit bis zu drei älteren Spielern verstärkt werden. Lediglich Marco Asensio hätte Potenzial dafür. Doch der 23-Jährige dürfte nach seinem Kreuzbandriss in dieser Saison nicht infrage kommen.

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