22. September 2020
22.09.2020
Mallorca Zeitung

Die Fußball-Kreisklasse auf Mallorca ist eine elitäre Liga

Mit dem Vereinssport auf Mallorca ist das so eine Sache: Die Plätze sind rar gesät, der Andrang ist riesig. Doch es gibt Alternativen

22.09.2020 | 01:00
In der Liga de Empresas gibt es auch eine Futsal-Liga für Frauen.

Das Vereinsleben ist ein wichtiger Teil der deutschen Kultur. Fast jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied in einem Verein. Millionen Menschen amüsieren sich jedes Wochenende auf den Sportplätzen der Nation. Es ist verständlich, dass Mallorca-Auswanderer auf der Insel ein ähnliches Vergnügen suchen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn schon in der Tercera Regional, der letzten Fußballliga auf Mallorca und somit dem Pendant zur deutschen Kreisklasse, gibt es profiähnliche Strukturen. Wer zu schlecht ist, bekommt keinen Platz im Team. Einfacher ist es, sein eigenes Team zu gründen.

Jeder, der in Deutschland schon mal in der Kreisklasse gespielt hat, hat Anekdoten parat, in denen die feuchtfröhliche Partynacht vor dem wichtigen Spiel oder ein Platzwart, der aus Personalmangel das Trikot überstreifen musste, eine Rolle spielen. Auf Mallorca kommt das eher selten vor. Die Mannschaften bekommen vom Verband eine Obergrenze von 25 Spielern vorgeschrieben, die sie mit einem Spielerpass, der ficha, ausstatten können. Dieser kostet den Spieler je nach Verein pro Saison bis zu 500 Euro.

Trainiert wird in der Regel drei Mal die Woche. Da fast jedes Team in Jugendmannschaften seinen Nachwuchs ausbildet, sind die Seniorenteams voll von jungen Spielern, die technisch perfekt geschult sind. Der Trainer, der selbst in der letzten Liga über Assistenten verfügt, muss am Spieltag nicht bangen, dass er elf Spieler zusammenbekommt. Meistens muss er einigen Fußballern sogar für das Wochenende absagen.

Gerade ist die Sommerpause vorbei, in der die meisten Spielerwechsel über die Bühne gehen. Trotz des hohen Mitgliedsbeitrags und der Corona-Krise ist der Andrang auf die Teams enorm. „Unser Kader ist voll", heißt es bei San Roque. Der Club aus Palmas Stadtviertel Son Roca hat in der vergangenen Saison den letzten Platz in einer der beiden Staffeln der Tercera Regional belegt und ist somit Mallorcas schlechtestes Fußballteam. Auch bei Atlético Marratxí, so gesehen dem viertschlechtesten Team, gibt es kein Bedarf. Zu ­einem Probetraining hätten sich 50 Spieler angemeldet. Derzeit gebe es nur noch Plätze auf der Warteliste, so der Trainer.

„Das ist ein Problem der Clubs", sagt ein Sprecher des balearischen Fußballverbandes. Der Verband beschränkt sich darauf, die angemeldeten Clubs als Liga zu organisieren. Dass es nicht mehr Teams gibt, liege am ­Mangel von Fußballplätzen. „Unser Platz in Son Malferit etwa ist durch die Trainings der Profis, Junioren und Frauen völlig ausgebucht", sagt auch Atlético-Baleares-Boss Ingo ­Volckmann, der laut eigener Aussage selbst gern in einer Hobbyliga kicken würde.

Wenige Teams bedeuten auch weniger ­Ligen. Die Tercera Regional ist spanienweit ­gesehen die achte Ligastufe. In Deutschland gibt es je nach Bundesland meist mehr als zehn Ligastufen und somit eine geringere Qualität in der letzten Liga.

Basketball

Ähnlich sieht es im Basketball aus. Die Sportart kommt spanienweit nach dem Fußball an zweiter Stelle in puncto Mitgliederzahl. Wer nur hobbymäßig ein paar Körbe werfen will, kann auf den kostenlosen Plätzen spielen. ­Neben dem Stadion von Son Moix finden sich zudem oft Mitspieler für ein schnelles Spiel auf einen Korb. Der balearische Basketball­verband führt auf Mallorca nur eine Liga, die die sechste Spielklasse darstellt. Vereine und somit Plätze gibt es nur wenige. Die Kosten gleichen denen beim Fußball.

Handball

Einfacher sieht es da beim Handball aus. Spanienweit steht diese Sportart zwar gemessen an der Mitgliederzahl an siebter Stelle, auf Mallorca hinkt der Hallensport aber noch hinterher. Projekte, um ein Profiteam auf der Insel zu erschaffen, gab es schon einige. Zuletzt ­sollte das durch den Einstieg von Weltmeister ­Rolando Uríos beim derzeitigen Drittligisten Marratxí geschehen. Doch der Kubaner mit spanischen Pass verschwand so schnell, wie er gekommen war. In manchen Jahren spielen bei den Mallorquiner auch gealterte Stars mit, die auf Mallorca wohnen, wie etwa der ehemalige Bundesligaprofi Robert Arrhenius.

Dennoch stehen die Türen des Clubs auch Hobbyhandballern offen. Die zweite Mannschaft des Vereins spielt in der balearischen Liga, die spanienweit die vierte und letzte ist. „Spieler können gern zu einem Training vorbeikommen", so Samuel Salvador, Spieler und Club-Verantwortlicher. „Wenn es bei Marratxí nicht passt, vermitteln wir den Kontakt zu anderen Teams." Da das auf der Insel nur sieben sind, kennt man sich untereinander recht gut. Eine Frauenabteilung hat nur Palmas Team Secar de la Real. Der Mitgliedsbeitrag beim Handball kostet zwischen 200 und 250 Euro.

Liga de empresas

Ein Mittelding zwischen Verbandssport und einem Freizeittreff ist die Liga de Empresas, die Betriebsliga. Früher sei sie ihrem Namen gerecht geworden, erklärt Jaime Illana, Präsident der Asociación Independiente Deporte Empresas Baleares (AIDEB). „Große Firmen wie Gesa haben eine ganze Mannschaft gestellt. 1979 wurde diese Liga aber abgeschafft, da man sie mit der Franco-Diktatur verband."

Heute tragen viele Teams zwar immer noch die Namen von Firmen, die Spieler sind aber nicht ausschließlich Mitarbeiter. Neben dem Großfeldfußball bietet der Verband Kleinfeldfußball, Basketball und Futsal an, Letzteren auch in einer Frauenliga. Über die Website aidebcompeticiones.com können Spieler ­Anzeigen aufgeben, wenn sie noch ein Team suchen. Wer in seinem Freundeskreis selbst genug Spieler für eine Mannschaft zusammenbekommt, kann diese bei der Asociación anmelden. „175 Euro kostet die Einschreibung pro Team, 50 Euro der Beitrag inklusive Ver­sicherung pro Spieler", sagt Illana.

Das Platzproblem im Fußball bleibt aber auch hier erst einmal bestehen. Die Teams müssen sich selbst darum kümmern, wo sie die Spiele austragen. Ob und wie oft sie trainieren, ist ihnen selbst überlassen. Präsident Illana sieht es aber gelassen. „Ich habe viele Kontakte. Wir finden immer eine Lösung, wenn ein Team keinen Platz hat."

In der vergangenen Saison waren elf Teams beim Großfeldfußball eingeschrieben. „Früher waren es mal an die 40. Damals hatte der Fußballverband seine Spiele noch morgens ausgetragen. Viele Fußballer konnten oder wollten nicht und haben bei der Unternehmensliga mitgespielt", sagt Illana. Als der ­Verband die Spiele ebenfalls auf den Abend ­ansetzte, ließ das Interesse nach. „Man darf die Qualität unserer Liga aber nicht unterschätzen. In der Vorbereitung haben Unternehmensteams auch schon mal Fünftligisten ­besiegt." Die kommende Saison soll im Oktober beginnen. Wahrscheinlich müssen die Spieler zuvor einen PCR-Test machen.

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