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Mallorca Zeitung

Fragen über Krieg verboten: Medvedev im Interview bei den Mallorca Championships

Der Weltranglistenerste spricht über seine Saison und die Zukunft von Djokovic, Nadal und Federer

Daniil Medvedev beim Interview bei den Mallorca Championships. Mielniezuk

Daniil Medvedev hat sich am Montag (20.6.) in Einzelinterviews den Fragen der Presse bei den Mallorca Championships gestellt. Der amtierende Weltranglistenerste hatte jedoch vorab eine Bedingung: Sollte er zum Krieg in der Ukraine gefragt werden, steht er auf und geht. Die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" hat mit dem 26-jährigen Russen gesprochen.

Wie fühlen Sie sich in Rafael Nadals Heimat? 

Vergangenes Jahr war ich zum ersten Mal hier und war begeistert von der Insel und dem herrlichen Wetter. Es ist nicht einfach, für einen sportlichen Wettkampf herzukommen, weil man bei Mallorca immer Urlaub im Hinterkopf hat. Aber das Wichtigste ist das Turnier. Da ich danach Wimbledon nicht spielen darf, werde ich ein paar Tage auf der Insel bleiben, um sie mit meiner Frau zu genießen.

Es ist Ihr zweites Mal auf Mallorca. Hatten Sie schon Zeit, die Insel kennenzulernen?

Nein. Nicht einmal die Rafa Nadal Academy, die ziemlich weit weg ist. Auch nicht die schönsten Orte, weil ich mich auf das Turnier konzentriere. Ich war in Magaluf und Umgebung, wo ich untergebracht bin, und habe mir die wunderschönen Strände angesehen. 

Wie gehen Sie die Mallorca Championships an?

Ich werde versuchen, zu gewinnen. Bei meinen vorherigen beiden Turnieren (Stuttgart und Halle) habe ich das Finale erreicht, was nicht schlecht ist. Es bedeutet, dass ich besser war als viele meiner Gegner war. Aber ich habe nicht gut genug gespielt. Ich muss mich verbessern, um Turniere zu gewinnen.

In diesem Jahr haben Sie mit dem Finale am Sonntag in Halle drei Endspiele bei acht Turnierteilnahmen erreicht. Wie würden Sie Ihre Saison beschreiben? 

Es ist gar nicht so schlecht. Es hätte besser sein können, wenn ich das Finale der Australian Open gegen Nadal gewonnen hätte. Man hat immer das Gefühl, dass man es besser hätte machen können. Aber vor zwei Monaten musste ich mich einer Operation (wegen eines Leistenbruchs) unterziehen, und ich bin körperlich immer noch nicht bei 100 Prozent. Ich spiele gutes Tennis. Manchmal fehlt mir in den wichtigsten Momenten eines Turniers ein wenig das Selbstvertrauen. Ich freue mich auf den besten Teil des Jahres, nämlich auf die USA-Tour und die US Open.

Wer ist in Ihrer Abwesenheit der Favorit in Wimbledon?

Novak (Djokovic) ist immer der Favorit. Er hat die vergangenen drei Ausgaben von Wimbledon gewonnen, die gespielt wurden. Er spielt sehr gut auf Rasen. Wenn wir über die besten Rasenspieler der Geschichte sprechen, würde ich ihn in die Liste aufnehmen. Obwohl ich weder Borg noch Sampras habe spielen sehen. In meiner Generation sind Federer und Djokovic die Besten. Natürlich kann Nadal jedes Turnier gewinnen, das er spielt, und Berrettini spielt auf einem hohen Niveau. Zurück zu den Favoriten: Djokovic, Berrettini und Nadal.

Sie sind die Nummer eins und in der Poleposition, den Staffelstab von den "Großen Drei" - Nadal, Federer und Djokovic - zu übernehmen. Wann werden wir den Übergang im Tennis erleben?

Wenn sie in Rente gehen. Solange Nadal und Djokovic spielen, sind sie die Favoriten. Aber das ist nicht erst seit zwei Jahren der Fall, sondern seit fünfzehn Jahren. Es ist nichts Neues. Sie haben alle Rekorde gebrochen. Sie sind zweifellos zwei der drei größten Tennisspieler aller Zeiten. Der Übergang beginnt, wenn sie in den Ruhestand gehen. Das ist vielleicht erst im Alter von 40 oder 45 Jahren der Fall.

Sie haben gegen Djokovic die US Open gewonnen. Wie fühlt sich ein Grand Slam-Sieg an?

Es war unglaublich. Man weiß es mehr zu schätzen, wenn die Dinge nicht so gut laufen. Ich habe wirklich sehr gut gespielt. Ich muss versuchen, so weiterzumachen.

Welches Kriterium würden Sie zur Wahl des besten Spielers aller Zeiten nehmen: die Wochen an der Spitze der Weltrangliste oder die Grand Slam-Siege?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke, die Grand Slams sind wichtiger als alles andere. Wir werden sehen, wie viele die großen Drei am Ende haben werden, wenn sie in Rente gehen. Und dann werden wir versuchen zu entscheiden, wer der Beste in der Geschichte war. Aber ich denke, dass es sehr schwierig sein wird, sich für einen zu entscheiden.

Sie haben Nadal als Gegner erlebt. Wie würden Sie ihn definieren?

Sein Talent und seine Art zu kämpfen sind unglaublich. Er findet auch im kompliziertesten Moment des Spiels immer eine Lösung. Es ist sehr schwierig, gegen ihn zu spielen. Glücklicherweise oder unglücklicherweise habe ich nie gegen ihn auf Sand gespielt. Ich glaube nicht, dass ich eine Chance hätte. Aber die haben die wenigsten Spieler gegen ihn.

Das Finale der Australian Open zwischen Ihnen und Nadal war ein episches Match. Wie haben Sie es in Erinnerung?

Wir haben beide ein tolles Match gespielt. Er war stärker als ich. Ich hatte die einmalige Chance bei der Führung von 2:0-Sätzen. Aber er hat unglaublich gespielt. Solche Dinge passieren im Tennis. Es ist nicht das erste Mal, dass jemand ein Match verliert, der in Führung liegt, besonders gegen Nadal. Nach den Australian Open war ich sehr müde. Es war nicht einfach mit dem Publikum dort. Das lag auch an mir. Ich habe das Gefühl, dass ich wiederkommen werde. Ich habe zwei Finals erreicht, bin aber in den entscheidenden Momenten immer noch mental gescheitert. Das werde ich hier auf Mallorca versuchen zu ändern. /rp

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