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Integration am Ball: Deutsche Mallorca-Auswanderer bieten Fußball-Training an

Trainingseinheiten für Kinder in Son Carrió und Cala Millor. Und samstags geht es an den Strand von Sa Coma

l Sina und Dennis Sudbrak. | FOTO: PERE JOAN OLIVER Ralf Petzold

„Spiel ab!“, „¡pasa la pelota!“, „here!“ tönt es von allen Seiten auf dem Sportplatz in Sant Llorenç. Der kleine Junge am Ball aber denkt nicht daran, sich vom Spielgerät zu trennen. Geschickt dribbelt er an den Verteidigern vorbei und trifft ins Tor. Der Ärger, den Ball nicht bekommen zu haben, hält sich bei seinen internationalen Mitspielern ob des Treffers in Grenzen. Es wird sich herzlich umarmt und gemeinsam gejubelt. Auf dem Platz im Nordosten der Insel werden nicht nur junge Talente gefördert, sondern es soll die Integration des Auswanderer-Nachwuchses gefördert werden. Die Deutschen Sina und Dennis Sudbrak sind für das „Soccer Training Mallorca“ verantwortlich.

Die Karriere war schnell vorbei

Dennis Sudbrak stand selbst mal an der Schwelle zum Profifußball. „Ich habe in den Jugendmannschaften des HSV gespielt“, sagt der 37-jährige Hamburger. Der VfL Wolfsburg wurde auf den Mittelfeldspieler aufmerksam und warb ihn für die Jugendakademie ab. „In meinem zweiten Jahr dort durfte ich sogar bei den Profis mittrainieren.“ Doch dann begann plötzlich, der Rücken zu schmerzen. Der Teamarzt vermochte die Ursache dafür nicht zu finden und schrieb den Fußballer gesund. Sudbrak konnte dennoch vor lauter Schmerzen weder trainieren noch spielen. „Der Verein hat mich daraufhin fallen lassen“, sagt er.

Mit dem damaligen Drittligisten VfB Lübeck fand Sudbrak ein neues Team, war eigentlich für die zweite Mannschaft eingeplant. Doch die Rückenschmerzen waren noch da. Der Hamburger klapperte verschiedene Ärzte ab, bis einer endlich das Problem erkannte: ein gebrochener Lendenwirbel. Sudbrak musste ein Jahr lang ein Korsett tragen und durfte nicht spielen.

Schreibtischjob statt Profifußballer

Im Anschluss stand er vor der Entscheidung, ob er versuchen sollte, die Profikarriere wieder aufzunehmen oder einen „normalen“ Job anfangen sollte. Er entschied sich für eine Lehre zum Versicherungskaufmann und kickte nur noch nebenbei. Wobei er es immerhin noch in die vierte Liga schaffte.

Dann kam Corona, und Sina und Dennis Sudbrak hinterfragten wie auch viele andere ihr Leben. „Wir hatten beide Bürojobs bei einer Versicherungsfirma und dachten: Ist das jetzt wirklich alles?“, erzählt Sina Sudbrak. Im Hinterkopf schwebte, einmal im Ausland zu leben. Mallorca war die erste Option. „Wir waren schon oft im Urlaub hier und auch schon beruflich. Da haben wir uns in die Insel verliebt“, sagt die zweifache Mutter.

Beim "Soccer Training Mallorca" in der Gemeinde Sant Llorenç. Pere Joan Oliver

Hürden beim Auswandern nach Mallorca

Bei der Suche nach einer Schule für die Kinder waren die Eltern auf den beschaulichen Ort Son Carrió aufmerksam geworden. Im Sommer 2021 wagten sie den Schritt und wanderten aus. „Freunde von uns, die bereits auf Mallorca lebten, hatten uns von den anfänglichen Hürden erzählt, Anschluss zu finden“, sagt Sina Sudbrak. Besonders um ihre Kinder war sie besorgt. Wie sollten sie ohne Sprachkenntnisse neue Freunde finden?

Da der Fußball verbindet und der Papa schon immer Trainer sein wollte, entstand die Idee, Trainingseinheiten anzubieten. „Wir haben mit dem Rathaus von Sant Llorenç gesprochen. Die waren sofort begeistert davon und unterstützen uns“, sagt Dennis Sudbrak. Das Angebot richtet sich an Jungs und Mädchen aller Nationalitäten. Vor allem für ausländische Kinder sei es ein gutes Sprungbrett. „Die Jugendmannschaften der mallorquinischen Vereine sind oft überfüllt. Zudem haben die Kinder Bammel davor, in einem neuen Team zu spielen, ohne die Sprache zu sprechen oder andere Kinder zu kennen“, sagt der Trainer.

Anwohner aus der Gegend bekommen Rabatt

Montags in Cala Millor und mittwochs in Son Carrió bieten die Sudbraks daher jeweils am späten Nachmittag Fußballtraining in Gruppen von bis zu zehn Kindern an. Residenten der Gemeinde zahlen im Monat 30 Euro, Kinder von außerhalb 40 Euro. Ein Schnuppertraining ist kostenlos. In den Einheiten geht es gezielt um die Motorik und Koordination. „Ich versuche, den Kindern zudem ein paar Tricks am Ball beizubringen“, sagt Dennis Sudbrak. Klassische Spielformen gibt es hingegen nur zu Sonderveranstaltungen, wie dem Programm „Gesund im Winter“, das die Deutschen in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem Rathaus organisiert haben.

Für das MZ-Drohnenbild bespielte "Soccer Training Mallorca" ausnahmsweise den gesamten Platz. Pere Joan Oliver

Wer einfach nur eine Runde kicken möchte, kann sich samstags am Strand von Sa Coma einfinden. Das Spiel im Sand ist für Residenten von Sant Llorenç kostenlos.

Anmeldung über Instagram unter „Soccer Training Mallorca“ oder unter der Telefonnummer 684-41 80 62.

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