„Das Gleiche zu schaffen, halte ich für unmöglich“: Mallorcas Pionierin des Frauenfußballs hört auf

25 Jahre lang kickte Pili Espadas für den von ihr gegründeten Club Collerense

Der ganze Verein steht Spalier für Pili Espadas. Die 42-Jährige kann die Tränen kaum verbergen.  | FOTO: RUBERT

Der ganze Verein steht Spalier für Pili Espadas. Die 42-Jährige kann die Tränen kaum verbergen. | FOTO: RUBERT

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Ohne den jahrelangen Einsatz von Pili Espadas wären Spaniens Fußballerinnen möglicherweise nie Weltmeister geworden. Die 42-Jährige gehört hierzulande zu den Pionierinnen des Frauenfußballs. Sie gründete auf Mallorca den Club Collerense, der unter anderen die zwei Weltmeisterinnen Cata Coll und Mariona Caldentey hervorbrachte. Nach 25 Jahren auf dem Platz beendet die hauptberufliche OP-Schwester nun ihre Karriere. Ihrem Club bleibt sie als Trainerin erhalten. Das ist auch gut so, denn Aufbauarbeit ist nötig.

Was schoss Ihnen durch den Kopf, als der ganze Club bei Ihrem letzten Spiel Spalier stand?

Das war eine totale Gefühlsachterbahn. 25 Jahre habe ich für Collerense gespielt. Einerseits war ich todtraurig, dass es nun vorbei ist. Andererseits auch glücklich zu sehen, welchen Aufwand der Verein betrieb, um mich zu verabschieden. In der zehnten Minute wurde für mich sogar das Spiel unterbrochen und alle haben geklatscht. Ich musste wie ein Schlosshund heulen und war überwältigt.

Wären Sie jetzt gerne noch einmal jung, um die Vorteile zu genießen, die die Fußballerinnen heutzutage haben?

Ich will mich nicht beschweren. Meine Karriere war schön. Aber klar klingt es verlockend, in so eine Welt hineingeboren zu werden.

Sie haben damals vor 30 Jahren auf Ascheplätzen spielen müssen. Träumte die kleine Pili damals von so einer Karriere und so einer Entwicklung im Frauenfußball?

Das war natürlich unvorstellbar. Ich fühle mich als Privilegierte, dass ich das alles erleben durfte: mit meinem Club in der ersten Liga spielen, in die Balearenauswahl berufen zu werden, bis hin zu Spielen mit der Nationalmannschaft. Es war ein Genuss. Es gibt keine Träume, die ich mir nicht erfüllt habe.

Was werden Sie am meisten vom Fußballerinnenleben vermissen?

Einfach das Spiel an sich. Die Schuhe schnüren, den Platz betreten und jeden Sonntag alles geben. Diese Gefühle werden mir fehlen. Jetzt schaue ich halt von draußen zu und werde es anders genießen.

Die Profifußballer spielen in der Regel nach Karrierende Golf. Ist das auch etwas für Sie?

Tatsächlich spiele ich relativ oft Minigolf. Auf den großen Golfplatz habe ich mich aber noch nie gewagt, und es reizt mich auch nicht sonderlich.

Sie haben Ihren Verein in die erste Liga geführt, dafür ging es aber auch in den vergangenen acht Jahren bis in die vierte Liga wieder herab. Was sind die Gründe für den Abstieg?

Es ist der normale Lauf der Dinge im Fußball: Die Spielerinnen, die Talent haben, wandern ab und wechseln zu größeren Clubs. Die Qualität fehlt dann. Ich bin aber auch sehr zufrieden mit unserer Nachwuchsarbeit und den jungen Fußballerinnen, die bei uns den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.

Das Problem, dass die besten Spielerinnen abgeworben werden, gab es aber doch früher auch schon. Liegt es vielleicht eher an der neuen Konkurrenz durch die Frauenmannschaft von Atlético Baleares?

Natürlich. Die halbe Mannschaft dort spielte früher für Collerense. Ich will da aber jetzt keinen Groll hegen. Jeder geht seinen Weg. Wir haben 25 Jahre Frauenfußball in Collerense. Dafür war eine Menge Herzblut nötig, und das ist einzigartig auf der Insel.

Freuen Sie sich darüber, dass Balears FC, wie die Frauentruppe von Atlético Baleares heißt, in die zweite Liga aufgestiegen sind?

Alles, was dem Frauenfußball auf Mallorca nützt, ist herzlich willkommen. Ich hoffe, dass in der zweiten Liga auch ein paar Mallorquinerinnen auf dem Platz stehen. Denn ich kann mir vorstellen, dass sie viele Spielerinnen von außerhalb holen. Bei Collerense haben wir die sieben Jahre in der ersten Liga ausschließlich auf unsere Leute von hier gesetzt. Das wird es wohl nie wieder geben.

In all den Jahren werden Sie doch bestimmt auch einige Angebote bekommen haben. Hat Sie das nie gelockt?

Vor vielen Jahren wollten mich die Erstligisten Sabadell und Levante verpflichten. Damals spielten wir aber auch in der ersten Liga. Ich bin lieber bei meinem Club geblieben und habe gegen den Abstieg gekämpft. Das zu dem Zeitpunkt mit Erfolg.

Das heißt, Balears FC würde Sie nun nicht abwerben können?

Weder die noch ein anderer Verein. Was ich mit Collerense erreicht habe, kann mir keiner nehmen. Das Gleiche zu schaffen, halte ich für unmöglich.

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