Debakel bei der Tour de France: Mallorcas bekanntester Radsportler könnte bald als Movistar-Kapitän abgesägt werden
Enric Mas scheitert seit Jahren daran, den Ansprüchen gerecht zu werden

Am Plateau de Beille versuchte sich Enric Mas mal als Ausreißer. | FOTO: EFE
Es klingt absurd: Movistar-Kapitän Enric Mas hat bei der Tour de France eine Stunde Rückstand und trotzdem knallen beim spanischen Elite-Rennstall die Sektkorken. Bereits nach der ersten Rennwoche hatte das Radsportteam mehr UCI-Punkte gesammelt als bei der kompletten Ausgabe im Jahr zuvor. Beim Mallorquiner dürfte dennoch keine große Freude aufkommen. Sein Tourdebakel könnte für ihn das Aus als Kapitän bedeuten.
„Es wäre ein gutes Jahr, wenn ich eine große Rundfahrt gewinne“, sagte Mas zu Jahresbeginn über seine Saisonziele. Der 29-Jährige, der einst als Nachfolger des legendären Alberto Contador galt und sein Talent mit drei zweiten Plätzen (2018, 2021, 2022) bei der Vuelta a España aufblitzen ließ, leidet bei der Tour sichtlich. In den vergangenen beiden Jahren musste er mit Stürzen und einer Corona- Ansteckung aufgeben. Diesmal ist er schlicht nicht in der Lage, mit den Superstars Pogačar, Vingegaard und Evenepoel mitzuhalten.
Movistar hat ihn längst aufgegeben
„Ich werde weiter alles geben“, zeigt sich der Radfahrer aus Artà kämpferisch, sein Team aber hat ihn längst aufgegeben. Selbst Mannschaftskollege Javier Romo, ein ehemaliger Triathlet in seinem ersten Jahr bei Movistar, steht vor Mas in der Gesamtwertung. Das Ranking ist dem Rennstall wegen des hohen Rückstands dabei weitgehend gleichgültig. Mittlerweile geht es darum, UCI-Punkte zu sammeln und bei den Ausreißergruppen vorne dabei zu sein, um in der TV-Übertragung möglichst oft und lange gezeigt zu werden.
Attacken mag Mas so sehr wie ein vernünftiger Mallorquiner Adiletten und weiße Tennissocken. Der Mallorquiner war schon immer mehr ein Mitläufer statt ein Anführer. Auf den schwierigen Bergetappen kann er Schritt halten, aber nicht alleine vornweg sprinten. Bei der Etappe am Sonntag (14.7.) versuchte er es dennoch. „Ich habe mich wie ein kleines Kind gefühlt. Das ist eine völlig neue Welt für mich“, sagte Mas. Dass die Etappe am Plateau de Beille in der Nähe von Andorra, wo der Mallorquiner wohnt, vorbeiführte, sei wie ein Heimspiel gewesen. Der Vorteil war dann aber schnell aufgebraucht. Mit mehr als sieben Minuten Rückstand auf Pogačar, der auch die Gesamtwertung anführt, trudelte Mas ins Ziel. Wie bei den Etappen zuvor war einfach der Akku leer.
Enric Mas hat noch ein Jahr Vertrag
Mittlerweile fährt der Mallorquiner seit vier Jahren für das UCI-World Team. Schon in den vergangenen Saisons zeigte sich Teamchef Eusebio Unzué unzufrieden mit den Führungsqualitäten des Insulaners. Seit dem Karriereende von Alejandro Valverde fehlt Movistar ein Aushängeschild. Es wird immer deutlicher, dass Mas diese Rolle nicht übernehmen kann. Sein Vertrag läuft noch bis Ende 2025. Denkbar, dass sich die Spanier analog zum deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe einen neuen Superstar leisten. Dann wäre kein Platz mehr für den Mallorquiner.
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