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LaLiga-Boss Javier Tebas: Darum kann sich das hochverschuldete Barça einen 85-Millionen-Euro-Transfer von Nico Williams leisten

Der Präsident des Ligaverbandes spricht auch über die Auswirkungen des EM-Siegs auf die Liga und warum einzelne Spieler keinen großen Werbeeffekt haben

Nico Williams ist spätestens seit der EM ein Weltstar.

Nico Williams ist spätestens seit der EM ein Weltstar. / DM

Wie gut, dass Real Mallorca in der ersten Liga spielt. So können die Inselbewohner die spanischen EM-Helden live und in Farbe begutachten. Im Interview mit der MZ-Schwesterzeitung „Sport“ verrät LaLiga-Boss Javier Tebas, dass die großen Namen beim Streben nach Erfolg im Fußballgeschäft aber eher zweitrangig sind. Und warum sich das hochverschuldete FC Barcelona einen 85 Millionen Euro teuren Transfer von Nico Williams leisten könnte.

Spätestens seit dem EM-Sieg ist Lamine Yamal ein Superstar. Das dürften gute Nachrichten für LaLiga sein, oder?

Wer seine Entwicklung verfolgt hat, sah schnell, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist. Das zeigt er auch. Stars sind von Geburt an besonders.

Wie sehr hilft es der Liga, dass die EM-Stars in Spanien spielen?

Gute Spieler zu haben ist ein Plus, es ist aber nicht essenziell. Nehmen wir die englische Premier League als Beispiel: Die haben viele tolle Spieler, daran gibt es keinen Zweifel. Aber den bislang letzten Ballon d’Or als Auszeichnung für den Weltfußballer bekam ein Premier- League-Spieler 2009 mit Cristiano Ronaldo. Davor war es Michael Owen. Als Cristiano nach Italien wechselte, sind dort die Einnahmen durch TV-Rechte nicht gestiegen, sondern gesunken. Als PSG mit Messi, Neymar und Mbappé auflief, sind sie auch nicht in die Höhe gegangen. Ein Fußballer ist vergänglich, daher ist er für das Geschäft nicht unersetzlich. Am wichtigsten sind die Vereine und die Liga als Marke. Teams wie Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United oder FC Liverpool ziehen den Karren aus dem Dreck. Sie werden immer fantastische Spieler unter Vertrag haben.

Das Aufeinandertreffen von Mbappé und Yamal verspricht einen tollen Clásico …

Der Clásico ist einer unserer besten Produkte, wenngleich nicht das einzige. Wir nutzten jahrelang den Kampf der Fußballgiganten Cristiano Ronaldo gegen Lionel Messi, um als Liga zu wachsen. Mittlerweile ist es ein Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Strategien. Barça hat tolle Spieler, wie Pedri oder Gavi, die aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Real Madrid kauft sich hingegen die Stars ein.

Transfereinnahmen in neue Spieler investieren

Der hochverschuldete FC Barcelona hofft allerdings auch, Transfereinnahmen in neue Spieler investieren zu dürfen.

Als ich früher gesagt habe, der Club hat kein Geld, das er für Transfers ausgeben kann, schlug mir aus Barcelona heftige Kritik entgegen. Mittlerweile nähert sich der Verein dem Zustand an, dass er Einnahmen im Verhältnis 1:1 auch wieder ausgeben darf. Durch die Reduzierung des Gehaltsbudgets hat sich der Club das erarbeitet.

La-Liga-Chef Javier Tebas kämpft mit allen Mitteln gegen die Super League.  | FOTO: SPORT

La-Liga-Chef Javier Tebas. / Sport

Barça-Präsident Joan Laporte träumt schon von einer Verpflichtung von Nico Williams.

Wenn sie das 1:1-Verhältnis erreichen, ist das durchaus machbar. Nachdem Barça es geschafft hat, 200 Millionen Euro an Gehältern einzusparen, ist ein Nico-Williams-Wechsel perfekt möglich. Ich glaube, er hat eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 85 Millionen Euro. Das Geld wird in den Büchern auf die Jahre aufgeteilt, für die der Spieler unterschreibt. Sagen wir, Nico Williams unterzeichnet einen Fünf-Jahres-Vertrag. Dann wären das weniger als 20 Millionen Euro pro Jahr zuzüglich des Spielergehalts. Der Verein hat jährliche Einnahmen in Höhe von knapp 1 Milliarde Euro. Daher ist der Transfer mit dem 1:1-Verhältnis denkbar.

Wie wichtig ist es der Liga, dass der FC Barcelona auf Einkaufstour gehen darf?

Die Priorität liegt auf der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Vereine. Wir haben jahrelang erlebt, dass viele großartige Fußballer gekauft wurden und die Clubs damit in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Daher: Erst wirtschaftlich auf beiden Beinen stehen, danach auf Spielerkauf gehen. Oft musste ich lesen, dass das Financial Fair Play die spanischen Vereine im internationalen Wettbewerb schwächt. Und nun schauen Sie her: Wir haben die Champions League gewonnen, und die LaLiga-Spieler triumphierten bei der EM.

Spanische Clubs sind kerngesund

Würden Sie sagen, dass es den Vereinen finanziell besser geht als vor zehn Jahren?

Absolut. Und das trotz der Corona-Pandemie. Während andere Ligen die Schulden aufschieben, sind die spanischen Clubs kerngesund.

Sorgt es Sie nicht, dass immer mehr ausländische Unternehmen die Clubs aufkaufen?

Ich sorge mich mehr um die spanische Kaufkraft. Die ausländischen Investoren sind an sich nicht schlecht, wenn sie sich an die Regeln und Vorschriften halten. Dann spielt die Nationalität keine Rolle.

In Sachen Stadionauslastung ist noch Luft nach oben. Ist da die Bundesliga das Vorbild?

Vor ein paar Jahren waren die Stadien nur zu 65 Prozent gefüllt. Mit 85 Prozent haben wir in der abgelaufenen Saison einen Rekord gebrochen. Aber es stimmt, wir haben im Vergleich zu Bundesliga und Premier League in dem Aspekt noch Aufholbedarf. Besonders bei den Vereinen, die nicht Real Madrid oder FC Barcelona heißen. Die Bundesliga und die Premier League kassieren 600 Millionen Euro mehr an Zuschauereinnahmen. Hinzu kommt die gleiche Summe an Werbeeinnahmen. Das sind 1,2 Milliarden Euro. Wenn wir die Lücke schließen, würde sich die Qualität der Spieler in LaLiga automatisch erhöhen.

Geht es bei den Werbeeinnahmen schlicht darum, mehr Sponsoren zu finden?

Die Stadien müssen verbessert werden. Das macht sie für die Sponsoren attraktiver. Zudem geht es um ein Wachstum in den sozialen Medien. Die englischen Clubs aus dem Tabellenmittelfeld haben 500 Millionen Follower mehr als vergleichbare spanische Vereine. Da ist es logisch, dass die Premier League zahlungskräftigere Sponsoren und teurere Vermarktungsrechte hat. Aber auch da holen wir auf. In fünf oder sechs Jahren werden wir da wesentlich besser dastehen.

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