Welche Mallorca-Sportler im Schlussspurt noch Olympiamedaillen sammeln könnten
Die Basketballerin Juana Camilión holt die erste Medaille für die Inselsportler bei Olympia. Für ihre Inselkollegen läuft es weiter dürftig bei den Spielen. Die Hoffnung liegt nun auf Cooper Walz

Saúl Craviotto, Marcus Cooper Walz, Carlos Arévalo und Rodrigo Germade. / EFE
Es laufen die letzten Sekunden im Olympia-Finale der Straßenbasketball-Variante 3x3 am Montagabend (5.8.). Deutschland gegen Spanien, es steht 15:15. Juana Camilión führt den Ball und zieht zum Korb. Es könnte die Sternstunde der Mallorquinerin werden. Gold ist zum Greifen nah. In Palmas Viertel Es Molinar schauen ihr Freunde und Familie beim Public Viewing zu. Als Camilión zum Sprung ansetzen will, merkt sie plötzlich, dass der Ball fehlt. Beim letzten Dribbling hat sie ihn sich selbst auf den Fuß geworfen. Statt der Führung wechselt der Ballbesitz zu Deutschland. Sonja Greinacher, die überragende Spielerin des Turniers, trifft den Korb von jenseits der Linie, die im 3x3 zwei statt wie im Hallenbasketball drei Punkte bringt. Spanien kommt zwar noch mal auf einen Zähler ran, muss dann aber doch dabei zusehen, wie die Deutschen gemeinsam mit NBA-Legende Dirk Nowitzki jubeln.
Allzu betrübt waren die Spanierinnen aber nicht. Für Mallorca bedeutet es in der letzten Woche der Olympischen Spiele endlich die erste Medaille. „Das ist etwas, was wir uns vorher nur schwer vorstellen und schon gar nicht glauben konnten“, sagte Camilión anschließend. Die Sportlerin kam in Mar de Plata in Argentinien zur Welt, schon als Kind zog sie mit ihren Eltern auf die Insel. Mit acht Jahren stach sie bereits in der Grundschule durch ihre Athletik hervor. Die Köchin und Trainerin des Basketballvereins Club Bàsquet Molinar, Pepita Picornell, entdeckte die kleine Juana beim Spiel in den Pausen. Obwohl sie stets mit älteren Basketballerinnen spielte, konnte sie sich immer durchsetzen. Vom Zweitligateam Instituto de Fertilidad Air Europa ging es aufs spanische Festland zu Picken Claret und später in die USA, wo sie sich vergeblich 2023 für den WNBA-Draft anmeldete. Keines der Profiteams wählte sie aus. Heute spielt die 25-Jährige bei Movistar Estudiantes in Madrid.

Ein Fuß zu viel für Gold
Trauer bei Cata Coll
Auch im Frauenfußball kommt es zum Duell Deutschland gegen Spanien, allerdings „nur“ im Spiel um Bronze. Wie bei den 3x3-Basketballerinnen ist eine Mallorquinerin die tragische Figur. Im Viertelfinale gegen Kolumbien war Cata Coll noch die Heldin, als sie Spanien ins Elfmeterschießen rettete und dort die Strafstöße der Kolumbianerinnen abwehrte. Gegen Brasilien erwischte die Torhüterin, die wegen eines Nasenbruchs mit einer Maske auflief, einen rabenschwarzen Tag. Schon nach wenigen Minuten schoss sie eine Teamkollegin ab. Der Ball trudelte ins Tor. Bei der 2:4-Niederlage stand sie unter Dauerbeschuss. Zwar gelangen ihr einige Paraden, aber beim vierten Gegentor machte die Barça-Spielerin erneut keine gute Figur.

Cata Coll spielte mit Maske. / Efe
„Ich will mich einfach nur entschuldigen“, sagte Coll unter Tränen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Ich hatte einen Blackout und war einfach nicht auf der Höhe. Mal erwischt man einen guten Tag, mal einen schlechten. Leider war Letzteres der Fall.“ Die Spanierinnen müssen sich nun aufrappeln, damit sie nicht mit leeren Händen die Heimreise antreten. Das Spiel um den dritten Platz wird am Freitag (9.8.) um 15 Uhr angepfiffen. Die Gemeinde Marratxí veranstaltet in Colls Heimatort Pòrtol ein Public Viewing. Die Leinwand wird in der Turnhalle Costa i Llobera aufgebaut. So entkommen die Zuschauer auf Mallorca immerhin der Hitze. Am Freitag sollen es 38 Grad werden.
Viele Pleiten, ein Erfolg
Ansonsten sind die Olympischen Spiele für die spanischen Sportler weiter eine Trauerveranstaltung. Tennisstar Carlos Alcaraz verlor etwas überraschend das Finale gegen Novak Djokovic. Der 21-Jährige wurde am Dienstagmorgen in Port d’Andratx gesehen. Vermutlich wird er sich auf der Insel auch mit seinem Doppelpartner Rafael Nadal treffen. Badminton-Spielerin Carolina Marín musste mit einer wohl schweren Knieverletzung im Halbfinale aufgeben. Die Olympionikin von Rio überstand bereits zwei Kreuzbandrisse. Erfreuliche Nachrichten gab es immerhin von den spanischen Gehern, die in der Mixed-Staffel am Mittwoch Gold holten.
Viele der mallorquinischen Medaillenhoffnungen zerschlugen sich frühzeitig. Seglerin Paula Barceló schaffte es in der 49er-Klasse mit der spanischen Fahnenträgerin Támara Echegoyen nicht mal in die Finalrunde. „Es ist bitter, aber wir haben viel gelernt“, sagte die Mallorquinerin knapp. Schwimmer Hugo González aus Palma, amtierender Weltmeister, beendete die 200 Meter Rücken nur auf dem sechsten Platz. Bereits in den Vorläufen schwächelte er und kam nur mit Ach und Krach ins Finale. Der 25-Jährige klagte über die geringe Wassertiefe des Beckens, mit der alle Schwimmer zu kämpfen hatten. Auf dem sechsten Platz landete auch Wasserspringer Adrián Abadía, der bei der WM Bronze holte. Die Karriere des Basketballers Rudy Fernández ist nach dem Vorrundenaus der Spanier beendet. Basketballerin Alba Torrens wird nach dem Viertelfinalaus am Mittwoch gegen Belgien wohl auch darüber nachdenken, sich aus der Nationalmannschaft zurückzuziehen.
Wer ist noch im Rennen?

Marcus Cooper Walz war der Fahnenträger. / Efe
Im Schlussspurt könnte Mallorca noch einige Medaillen sammeln. Neben den drei Mallorquinerinnen in der Fußballnationalmannschaft liegen die Hoffnungen der Insel auf den Kanu-Rennsportlern. Marcus Cooper Walz tritt am Donnerstag im Finale mit dem Vierer-Kajak über die 400 Meter an, am Tag darauf geht es im Zweier-Kajak über die gleiche Distanz. Ebenfalls am Donnerstag im Medaillenrennen im Einsatz ist Joan Antoni Moreno. Er fährt im Zweier-Canadier. Wenigstens eine Goldmedaille wäre schon wünschenswert.
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