Auf Mallorca betreiben die Gitanos eine eigene "Baller League" – und die ist verdammt hochkarätig
Die Gipsy Kings League kopiert auf Mallorca das Fußballmodell von Gerard Piqué

Das Spiel wird live übertragen. Rechts liegt der Würfel. | FOTO: NELE BENDGENS
Es gibt Schlagzeilen, da schauen Journalisten zur Sicherheit auf den Kalender. Ist heute der 1. April oder der 28. Dezember, an dem sich Spanier gerne Streiche spielen? Folgende Meldung war so ein Fall: Die Gitanos, wie die Roma in Spanien genannt werden, gründen analog zur Kings League von Gerard Piqué eine eigene Fußballliga auf Mallorca. Die Spiele sollen live im Internet übertragen werden. Es gibt sogar einen Videoschiedsrichter. Die Teams tragen klangvolle Namen wie Son Banya City oder Titi Team.
Wer nun eines der Spiele besucht oder streamt, stellt schnell fest: Die spielen verdammt guten Fußball.
Die Kings League des ehemaligen Barça-Profis und Ex-Shakira-Gatten Piqué soll den Fußball wieder für ein jüngeres Publikum interessant machen. Angeblich seien die neuen Generationen nicht mehr in der Lage, 90 Minuten lang ein Spiel zu verfolgen. Piqué schloss sich mit dem beliebten Streamer Ibai Llanos zusammen und gründete die Kleinfeldliga. In Deutschland gibt es mit der Baller League von Lukas Podolski und Mats Hummels ein ähnliches Projekt.
Das ist der Macher der Gipsy Kings League
Hinter der Gipsy Kings League steht hingegen der Mallorquiner Antonio Amaya. „Die Idee habe ich in Barcelona abgekupfert. Dort gibt es mehrere Nachahmer der Kings League“, erzählt er. Auch auf Mallorca gab es kurzzeitig schon eine Kopie der Piqué-Liga. „Keine Ahnung, was daraus geworden ist“, sagt Amaya. Da elf der zwölf Teambesitzer, also die Präsidenten, Gitanos sind, lag der Name Gipsy Kings League nahe. „Von den 150 Spielern, die wir haben, sind aber nur etwa 20 Gitanos. So viele gibt es von uns auf der Insel nicht, die Fußball spielen. Der Rest kommt von überall her: Spanier, Latinos, ein Deutscher würde uns noch fehlen“, sagt Amaya, der davon träumt, eines Tages in Vollzeit als Leiter der Liga arbeiten zu können. „Derzeit stecke ich noch selbst Geld in das Projekt, damit es überhaupt funktioniert.“
Gespielt wird dienstags und mittwochs von 20 bis 23 Uhr auf dem Platz von Verge de Lluc in Palma. Beim MZ-Besuch am Mittwoch (14.8.) läuft das Spiel der Flamencuras gegen Gigis FC. Mitunter handelt es sich bei den Teambezeichnungen um die Namen von Komikern. Fragt man die Spieler, haben die keine Ahnung, wer das eigentlich ist. Während in der echten Kings League bekannte Streamer und Ex-Fußballprofis das Sagen haben, fehlen der Gipsy-Variante die Promis. Joaquín Fernández, unter den Namen „El prestamista“ (Der Geldverleiher) durch die Fernsehsendung „Gipsy Kings“ bekannt, schaute bei den Spielen schon mal vorbei. Sein Sohn „El Kiki“ leitet einen der Clubs.

Statt des traditionellen Anstoßes legen die Teams nach dem Pfiff einen Sprint zum Ball zurück, der im Mittelkreis liegt. | FOTO: NELE BENDGENS
Spieler zahlen für jedes Spiel
Die Spieler meldeten sich bei einer Ausschreibung in den sozialen Netzwerken. „Sie zahlen eine Einschreibegebühr von 15 Euro und für jedes Spiel 5 Euro“, so Amaya. Über einen Draft, also ein Auswahlverfahren, wurden sie einem Team zugeteilt. „Wir haben sie nur den verschiedenen Positionen zugeordnet. Das soll für etwa gleich starke Teams sorgen.“
Jeder kann sich anmelden, und die Spieler zahlen für den Kick – klingt erst einmal nicht nach einem hohen Niveau. Doch der Eindruck täuscht. Beim Spiel der Flamencuras gegen die Gigis ist kaum ein technischer Fehler zu sehen. Der Ball läuft flüssig. Die meisten Spieler kennt man aus den vierten und fünften Ligen Mallorcas. Zur Einordnung: Der Proficlub des deutschen Eigentümers Ingo Volckmann ist mittlerweile ein Viertligist.
Der Spieler aus der Copa Libertadores
Besonders auffällig ist die Nummer 3 der Gigis. „Das ist Franco. Der hat mal Copa Libertadores gespielt“, sagt Amaya. Der Wettbewerb ist das südamerikanische Pendant zur Champions League. Körperlich sieht der 28-Jährige eher aus, als hätte er vor dem Spiel mit seinem Trainer ein Wettessen veranstaltet. Doch am Ball ist er ein Phänomen, kaum vom Spielgerät zu trennen. Steht mal kein Gegenspieler vor ihm, zimmert er direkt aus allen Lagen aufs Tor. Egal, ob er dabei an der Mittellinie steht. Der Schuss fliegt mit Härte immer gen Winkel. Nach dem Spiel stellt sich „Franco“ als Gianfranco Larrosa vor. Bis 2017 spielte der Uruguayer in seiner Heimat beim Erstligisten Danubio FC. „Mein Knie ging kaputt, und die Karriere war vorbei“, erzählt der Linksverteidiger. Ein Freund habe ihn von der Gipsy Kings League erzählt, und er hatte Bock darauf.
Gespielt wird mit sieben Fußballern pro Team auf Kleinfeld, also auf kleinere Tore und der Hälfte eines großen Feldes. Die Spielzeit beträgt zwei Mal 20 Minuten ohne Nachspielzeit. Nach 18 Minuten pfeift der Schiedsrichter die Halbzeiten jeweils schon ab. In der ersten Hälfte wird ein Würfel geworfen. Je nach angezeigter Augenzahl wird mit der gleichen Anzahl an Spielern pro Team die Halbzeit zu Ende gespielt. Im zweiten Durchgang wird der Ball getauscht. In den letzten zwei Minuten zählt jedes Tor dann doppelt. Zudem dürfen die Präsidenten in der Halbzeit zum Elfmeter antreten. Vor dem Spiel ziehen sie eine Karte, die sie jederzeit einsetzen können. „Die bringt einen kleinen Vorteil. Das kann ein sofortiger Elfmeter oder eine Zeitstrafe für einen gegnerischen Spieler sein“, sagt Amaya. Zeigt der Schiedsrichter die Gelbe Karte, geht das automatisch mit einer zweiminütigen Zeitstrafe einher. Eine Rote Karte ist wie beim Großfeldfußball ein Platzverweis.
Live auf TikTok und Twitch
Ein zweiköpfiges Kamerateam filmt das Spiel und lädt den Stream live bei TikTok und Twitch hoch (zu finden jeweils unter dem Stichwort „Gipsy Kings League“). „200 Leute schauen meist zu“, sagt Amaya. „Und die Tribüne ist oft voll.“ Bis Oktober soll die Liga noch laufen. Ein Preisgeld gibt es für den Sieger nicht, dafür aber eine Reise nach Barcelona, wo es gegen den Sieger eines anderen Kings-League-Klons geht. Als Highlight soll in den vergangenen Wochen auch Eric Jiménez bei der Inselliga mitspielen. „Er ist aus der originalen Kings League bekannt.“
Amaya hat schon Pläne, wie es ab dem Herbst weitergehen soll. „Im Anschluss schwebt mir eine Liga für Kinder vor. Und dann geht es von vorne mit den Erwachsenen los. Ein paar Sponsoren mehr wären schön, damit die Sache sich zumindest selbst finanziert. In Barcelona können die Organisatoren davon sogar schon leben.“
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