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Padel-Boom auf Mallorca und Deutschland: Warum greifen plötzlich alle Promis zum Schläger?

Die einst etwas belächelte Tennis-Variante erobert die Welt. Der Sport gilt als einfach und lustig

Beim Padel spielen die Spieler normalerweise in Zweierteams. Hier ist die Anlage des Pins Padel Club in Palma zu sehen.  | FOTO: B. RAMON

Beim Padel spielen die Spieler normalerweise in Zweierteams. Hier ist die Anlage des Pins Padel Club in Palma zu sehen. | FOTO: B. RAMON

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Was haben Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Jürgen Klopp außer dem Fußball gemeinsam? Es sind allesamt begeisterte Padelspieler. „Padel, Basketball und Tennis“, antwortete der argentinische Weltmeister kürzlich auf die Frage, welche Ballsportarten er sonst noch so mag. „Padel aber ganz klar am liebsten.“ Der schwedische Superstar erkannte in dem Sport das Geschäftspotenzial und eröffnete eine Halle in Mailand.

Und Jürgen Klopp und Cristiano Ronaldo lassen kaum eine Gelegenheit aus, um auf Mallorca oder sonst wo zum Schläger zu greifen. Es sind nur die prominenten Beispiele eines weltweiten Booms, der die Insel nicht auslässt. Mittlerweile spielen bereits mehr Mallorquiner Padel als Tennis. Hinter dem Fußball ist es gemessen an der Mitgliederzahl im Verband die zweitbeliebteste Sportart Spaniens.

Padel ist ein Mix aus Tennis und Squash, der 1969 in Acapulco entstand. Die Geschichte geht so: Der Mexikaner Enrique Corcuera wollte sich einen Tennisplatz bauen, hatte aber auf seinem Grundstück nicht ausreichend Platz. Da der gute Mann zudem wenig Interesse hegte, weggeflogene Bälle einsammeln zu gehen, zäunte er sein 20 mal zehn Meter großes Feld ein. Eine neue Sportart war geboren. Spanier entdeckten sie auf Reisen, begeisterten sich dafür und brachten sie mit in die Heimat.

Das sagt Deutschlands beste Profispielerin

Alle Experten, die die MZ befragt, nennen zwei Gründe, die aus ihrer Sicht für den derzeitigen Boom sorgen. „Es ist einfach zu erlernen und macht daher schnell Spaß. Und dann ist da der soziale Faktor, da bis auf wenige Ausnahmen immer im Doppel gespielt wird“, sagt Iván Risueño, der für die vier Padelplätze im Mallorca Country Club verantwortlich ist.

Dort schlägt auch immer wieder Denise Höfer, Deutschlands beste Profispielerin, auf. „Nach einer halben Stunde Übung sind die meisten Anfänger so weit, dass sie ein Match spielen können. Im Tennis braucht man dafür locker zehn Trainingseinheiten“, sagt die Sportmanagerin aus Karlsruhe. Sie selbst ist zufällig zum Padel gekommen und hatte sich lange dagegen gewehrt. „Ich habe Tennis in der ersten Bundesliga gespielt und auch an WTA-Turnieren teilgenommen. Oft haben mich Freunde gefragt, ob ich nicht mal Padel ausprobieren möchte. Das war mir aber zu blöd, auf dem kleinen Platz zu viert zu spielen.“

Nach dem Karriereende reiste sie vor fünf Jahren für ein Wochenende zu Bekannten nach Nizza und ließ sich breitschlagen. „Im Endeffekt stand ich von Freitag bis Sonntag auf dem Padelplatz. Es gefiel mir so gut, dass ich das Wochenende darauf direkt wieder hingeflogen bin.“

Ex-Tennisprofi Carl-Uwe Steeb, Jürgen Klopp, Denise Höfer und Klopps Sohn Marc (von links).  | FOTO: COUNTRY CLUB

Ex-Tennisprofi Carl-Uwe Steeb, Jürgen Klopp, Denise Höfer und Klopps Sohn Marc (von links). | FOTO: COUNTRY CLUB

Auch die Ärztin Milanka Kraemer hat sich mit dem Padelvirus infiziert. „Ich machte meine Ausbildung im Krankenhaus Son Espases. Und dort gab es kaum einen Arzt, der nicht spielte“, sagt die Deutsche. „Für mich hat es etwas von Meditation. Ich fokussiere mich komplett auf eine Sache und kann dadurch absolut entspannen.“ Im Padelkäfig gehe es einfach gelassener zu, meint auch Höfer. „Beim Tennis habe ich so manche Schläger aus Frust zerdroschen. Das ist mir beim Padel nie passiert.“ Allgemein sei die Lebenserwartung von Menschen, die Schlagsportarten betreiben, sieben bis neun Jahre höher. Angeblich sollen beim Padel besonders viele Glückshormone ausgeschüttet werden.

Wie geht das eigentlich?

Der Schläger sieht ein wenig aus wie der dicke Cousin des Strandspielzeugs, mit dem Bälle am Meer hin- und hergeschlagen werden. Er besteht aus Carbon oder Glasfaser. Der Ball ähnelt einem Tennisball, springt aber wegen des geringeren Luftdrucks nicht so flummiartig. Die Regeln beider Sportarten ähneln sich. Der Aufschlag erfolgt von unten diagonal in ein markiertes Feld hinter dem Netz.

Danach geht der Ballwechsel solange, bis einer der Spieler einen Fehler begeht. Das kann ein Ball sein, der im Netz landet oder zwei Mal aufspringt. Zudem ist es verboten, den Ball direkt an die gegnerische Wand zu schlagen. Er muss zuerst im Feld aufspringen. Die eigene Wand darf hingegen als Bande benutzt werden. Die Punkte werden wie beim Tennis gezählt. Wer zwei Sätze gewonnen hat, entscheidet das Spiel für sich.

„Trotz des kleinen Feldes ist es ein sehr dynamischer Sport. Man macht viele kleine Schritte und geht ständig vor und zurück“, sagt Kraemer. Die Männer ließen die Tür des Käfigs meist offen. „Bei Schmetterbällen kann es vorkommen, dass der Ball über die vier Meter hohe Wand rausfliegt.“ Dann ist es erlaubt, die Filzkugel von draußen weiterzuspielen, wenn sie vorher nicht auf dem Boden aufgekommen ist. „Bei den Frauen ist das Spiel in der Regel etwas langsamer und weniger kraftvoll. Wir versuchen, den Ball mit so viel Schnitt zu spielen, dass die Gegner gar keine Chance mehr haben, ranzukommen“, sagt Kraemer.

Padel sei zudem ein Strategiespiel, bei dem ganze Spielzüge entwickelt werden. Zwischen jedem Ballwechsel gibt es eine kleine Lagebesprechung im Team. Meist wird schon beim Einspielen eine Taktik festgelegt. „Der Klassiker ist, den potenziell besseren Spieler aus dem Spiel zu nehmen. In den Kühlschrank stellen, nennen wir das“, sagt Kraemer. Dabei wird der Ball einfach immer nur zum schlechteren Spieler geschlagen.

Kaum Plätze in Deutschland

In Deutschland spielt die Ärztin, wie auch ihr Mann und ihr Sohn, in der ersten Bundesliga. Das klinge professioneller, als es im Endeffekt sei, sagt sie. „Im internationalen Vergleich steht der deutsche Padelsport eher in der Mitte oder am Ende der Tabelle. Auf Mallorca bin ich in der zweiten und dritten Liga unterwegs.“ Neben dem amtierenden Weltmeister Spanien sind die Lateinamerikaner gute Padelspieler.

Deutschland landete mit Denise Höfer bei der WM auf dem 16. Platz. „Das war kein gutes Ergebnis“, räumt die Nationalspielerin ein. Der Sport stecke bei den Deutschen eben noch in den Kinderschuhen. „Ich denke, mittlerweile hat jeder schon mal davon gehört. Es fehlen aber noch Plätze. Viele Firmen würden gerne eine Anlage bauen, an der Genehmigung scheitert es aber meistens“, so Höfer.

Spieler gibt es genug. Das liegt nicht zuletzt an den prominenten Werbegesichtern. „Jürgen Klopp spielt täglich und postet das ständig in den sozialen Netzwerken“, sagt Höfer, die nicht nur mit ihm Bälle übers Netz spielte. Auch die Fußball-Weltmeister von 2014, Sami Khedira und Christoph Kramer, standen ihr schon auf dem Feld gegenüber. „Die Genugtuung, gegen mich zu gewinnen, gebe ich aber niemanden.“

Trainer Iván Risueño zeigt Klopp, wie er mit dem Schläger umgehen muss. Wo die Stärken und Schwächen des Mallorca-Zweithausbesitzers liegen, möchte er aber nicht verraten. „Beim Padel hat Klopp das erste Mal wirklich Spaß am Sport, ohne dass es für ihn Arbeit ist“, sagt der Ex-Profi, der seine Schützlinge in Gruppen bis zu vier Personen trainiert und mal die Nummer 30 der Weltrangliste war. Damals gab es dafür einen feuchten Händedruck. „Heutzutage verdient ein Spieler auf dieser Position locker zwei Millionen Euro im Jahr.“ Zwischen 75 und 90 Euro kostet die Stunde bei ihm, je nach Spieleranzahl.

Viele Plätze auf Mallorca

Ratsam ist es, erst einmal den Padelclub an der Ecke auszuprobieren, den es praktisch in jedem Dorf gibt. Denn einen Platzmangel kann man Mallorca wahrlich nicht bescheinigen. „Immer mehr Tennisclubs satteln um. Das lohnt sich, da ein Tennisfeld zwei Padelplätze ergibt“, sagt Risueño. Tennis-Superstar Novak Djokovic warnte bereits im Sommer vor der Entwicklung. „Der Tennissport auf Club-Ebene ist in großer Gefahr“, sagte der Serbe.

Zumal die Padel-Welt immer exklusiver wird und um das elitäre Tennispublikum wirbt. In Bendinat eröffnete unlängst der Urban Country Club. Im gleichen Ort steht nun das bereits genehmigte Bauprojekt „The Club“ zum Verkauf. Dort sollen Padel und Wellness angeboten werden, knapp 19 Millionen Euro sind allein für den Neubau veranschlagt.

Auch an der Playa de Muro gibt es mit „Smash Padel“ eine neue klimatisierte Halle, die über zehn Plätze verfügt. Die größten Anbieter sind jedoch weiterhin die Rafa Nadal Academy sowie der Pins Padel Club in Palma, mit je 16 Plätzen. „Wir veranstalten Grillabende oder gehen zu Konzerten. Ich war schon in Deutschland in Vereinen, aber so einen Zusammenhalt habe ich vorher nie erlebt“, sagt die Allgemeinmedizinerin.

Wer keinen Spielpartner hat, kann sich in der App „Playtomic“ einschreiben. „Die nutzen an die 80 Prozent der Padelclubs auf der Welt“, sagt Iván Risueño. Jeder Spieler bewertet sein Leistungsniveau dort selbst. „1 sind blutige Anfänger, 7 Profis.“ Die Hobbyspieler nutzen die Zahlen für ein inoffizielles Ranking. „Nicht wenige nehmen Stunden, um im Ranking zu klettern“, sagt der Trainer. Sicher auch ein ehrgeiziger Typ wie Jürgen Klopp.

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