Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Rote Karte für die illegalen Streamer: Millionen-Strafe für kostenlose Fußball-Plattform

Spaniens bekannteste illegale Streamingplattform für Fußballspiele muss eine Geldstrafe von 32 Millionen Euro zahlen. Und dieser Betrag könnte sich noch vervielfachen

Die Betreiber der Streamingplattform Rojadirecta wurden zu einer Millionenstrafe verurteilt.

Die Betreiber der Streamingplattform Rojadirecta wurden zu einer Millionenstrafe verurteilt. / Cabalar/Efe

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Knausrige Fußballfans in Spanien bangen derzeit um kostenlose Live-Übertragungen ihres Lieblingssports. Ein Gericht in La Coruña hat am Freitag (20.12.) die populäre illegale Streamingplattform Rojadirecta (glatte Rote Karte) zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 31,6 Millionen Euro verurteilt. Es ist der Ausgang eines mehr als zehnjährigen Rechtsstreit. Dass der Betreiber klein beigeben wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

„Rojadirecta stellt lediglich eine Liste von Links zur Verfügung, die zu Seiten Dritter führt. Niemand kann Rojadirecta wegen Verstößen gegen das Copyright belangen, da keine Inhalte direkt veröffentlicht werden“, heißt es in den rechtlichen Hinweisen, die sehr prominent auf der Website platziert sind. Eine ähnliche Argumentation benutzt beispielsweise die deutsche Kino- und Serien-Streamplattform kino.to. Wer bei Rojadirecta auf einen Link klickt, kommt direkt zum Stream auf einer anderen Seite. Nicht nur der spanische Fußball, auch die Bundesliga oder Basketball und American Football stehen zur Auswahl.

Dieser Mann steckt hinter der Seite

Hinter der Seite steckt der Computerfreak Igor Seoane. Dem Galicier war es zu blöd, Geld für die Spiele im TV zu zahlen oder sich in eine Bar zu setzen. So rief er kurzerhand seine Website ins Leben. Das war 2005. Laut „El País“ kommen wegen Rojadirecta und ähnlichen Seiten dem spanischen Fußballgeschäft jährlich zwischen 600 und 700 Millionen Euro Einnahmen abhanden. Für den Betreiber ist es eine wahre Goldgrube. Zwar zahlen die Zuschauer nichts, dafür kommen aber hohe Beträge durch Werbepartner in die Kassen. In erster Linie sind das Sportwettenanbieter. „El País“ bezieht sich auf Gerichtsunterlagen von 2022. So soll allein auf eines der Konten von Seoanes Firma „Puerto 80 Projects“ elf Millionen Euro eingegangen sein.

Dass die Seite nicht längst offline ist, liegt wohl in erster Linie daran, dass die großen Medienkonzerne den IT-Experten unterschätzt haben. Klagen als Drohungen prallten an ihm ab. Finanziell ging es dem Galicier schon vor seinem Online-Durchbruch nicht schlecht. Der Vater besitzt eine Matratzenfabrik. Bereits als Kind vermochte es Seoane, Wirtschaftsgiganten zu ärgern. So sicherte er sich – völlig legal – die Rechte an den Websites gogle.es, guugle.es und googil.es. Google war wenig erfreut und wollte die falsch geschriebenen Adressen einklagen. 2010 zog das Unternehmen den Kürzeren.

Immer wieder Schlupflöcher gefunden

Ähnlich erging es lange den Konzernen, die die Übertragungsrechte an den Fußballspielen halten. Seoane präsentierte sich stets kampfbereit vor Gericht und hatte die besten Anwälte des Landes auf seiner Seite. Selbst wenn es einen Rückschlag gab, fand der Galicier Schlupflöcher.

So gibt es nicht nur eine Version seiner Website. Rojadirecta.me wurde vom FBI einkassiert, die Seite mit dem spanischen Kürzel „es“ ist in Spanien nicht abrufbar. Das lässt sich jedoch leicht durch einen VPN umgehen, der vorgaukelt, woanders zu sein. Und wenn das nicht klappt, gibt es immer noch rojadirectaenvivo.pl. Die polnische Website ist ausschließlich auf Spanisch und ging erst 2024 online.

Es ist zu erwarten, dass Seoane Berufung gegen das Gerichtsurteil einlegen wird. Sein größtes Interesse dürfte sein, keinen Präzedenzfall zu schaffen. Denn die 31,6 Millionen Euro sind nur ein kleiner Teil der möglichen Strafe, die dem Galicier droht. Geklagt hatte die Gruppe Mediapro einzig mit Bezug auf die Spiele der Saison 2014/2015 in der Primera División. Die Summe entspricht dem Wert, den das Unternehmen für die Vergabe der Rechte aufgerufen hätte. Jetzt kann man sich selbst zusammenrechnen, wie eine mögliche Strafe für das Ausstrahlen der Live-Bilder in den vergangenen zehn Jahren aussehen würde.

Fußballfans können zur Kasse gebeten werden

Auch die Fußballfans könnten theoretisch zur Kasse gebeten werden. Der Europäische Gerichtshof entschied 2017, dass das Anschauen derartiger Streams, die offensichtlich urheberrechtlich geschützt sind, strafbar ist. Das größere Risiko in der Praxis ist aber, sich einen Virus einzufangen. Streaminganbieter wie Dazn versuchen derweil eher, die schwarzen Schafe rauszufiltern, die die Übertragungen online stellen. So wird ein personalisierter Code des Abonnenten in unregelmäßigen Zeitabständen und an unterschiedlichen Stellen eingeblendet. Der lässt sich nicht wirklich überdecken.

Fußballfans, die auf Nummer sicher gehen wollen, müssen ein Abo abschließen. Die Primera División übertragen in Spanien die Telefonkonzerne Movistar und Orange. Exklusivrechte wie in Deutschland gibt es nicht. Bei beiden laufen alle Spiele. Auf deutschen Bildschirmen werden die Real-Mallorca-Partien und die der anderen spanischen Clubs auf Dazn ausgestrahlt.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents