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Türkischer Spitzenclub baggert an Real Mallorca-Star: Soll der Inselclub verkaufen?

Das Geld ist verlockend und ein Ersatz wäre schon im Kader

Vedat Muriqi (rechts) erzielte per Elfmeter den Siegtreffer gegen Atlético Madrid.  | FOTO: BOSCH

Vedat Muriqi (rechts) erzielte per Elfmeter den Siegtreffer gegen Atlético Madrid. | FOTO: BOSCH / Ralf Petzold

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Seit knapp drei Jahren gibt es ein neues Wort im mallorquinischen Sportjargon: muriqipendencia. Es ist die Zusammensetzung des Nachnamens des kosovarischen Angreifers und dependencia, also Abhängigkeit. In den vergangenen Saisons war der Stürmer zweifelsohne der wichtigste Spieler von Real Mallorca und meist auch die Lebensversicherung. Derzeit dreht sich beim Inselclub alles um eine Glaubensfrage. Angeblich liegt ein lukratives Angebot aus der Türkei für den 30-Jährigen vor. Soll der spanische Erstligist das Geld nehmen oder lieber Vedat Muriqi halten?

Der Marokkaner Youssef En-Nesyri, der erst im Sommer für knapp 20 Millionen Euro vom FC Sevilla zu Fenerbahçe nach Istanbul wechselte, wird Medienberichten zufolge bereits jetzt im Winter nach Saudi-Arabien weiterverkauft. Cristiano Ronaldos Club Al-Nassr zahlt zwischen 30 und 35 Millionen Euro für den Angreifer, der sechs Tore für die Türken in der Liga erzielte, aber nie unumstrittener Stammspieler war. Als Ersatz hat Fenerbahçe Vedat Muriqi im Blickfeld. Zehn Millionen Euro Ablöse stehen im Raum.

Supercup steht vor der Tür

Der Angreifer könnte mit den Türken sofort international spielen. Der Verein aus Istanbul kämpft in den verbleibenden zwei Gruppenspielen der Europa League noch um die Teilnahme an den Play-offs, die ein Weiterkommen ermöglichen. Wechselt Muriqi aber sofort, verpasst er den spanischen Supercup. Das Turnier wird in Saudi-Arabien ausgetragen und hat daher den Hauch eines internationalen Wettkampfs, wenngleich es am 9. Januar „nur“ gegen Ligakonkurrent Real Madrid geht.

Für Muriqi wäre es keine Reise ins Unbekannte. Sechs Jahre lang spielte der Hüne bereits in der Türkei. Die letzte Saison davon (2019/2020) bei Fenerbahçe. Der Kosovare traf 15 Mal und wurde im Anschluss für 21 Millionen Euro an Lazio Rom verkauft. In einem Interview auf der Insel nannte er den türkischen Club als seinen Lieblingsverein – abgesehen von Real Mallorca natürlich. Er verheimlichte nie, dass es für ihn Angebote gebe. „Ich will hier nicht weg, und ich will auch nicht, dass der Club mich verkauft“, sagte Muriqi in einem Interview mit der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“ im Sommer 2023. Er ließ sich aber ein Hintertürchen offen. „Anders sieht es aus, wenn ein Verein meine Ausstiegsklausel zieht. Dann müsste man darüber nachdenken, da es viel Geld ist.“

Ablöse wäre marktwertgerecht

Jene Klausel, die in Spanien in jedem Vertrag enthalten sein muss, liegt bei 30 Millionen Euro. Nun ist Muriqis Aussage anderthalb Jahre her, und es stellt sich die Frage, ob er bei seiner Meinung bleibt. Zehn Millionen Euro ist zwar nur ein Drittel der Ablöse, wohl aber marktwertgerecht für einen im April 31-Jährigen, der zuletzt immer mal wieder verletzt war und nicht mehr ganz an die Form seiner Anfangszeit auf Mallorca herankommt. Drei Tore und zwei Vorlagen steuerte der Angreifer in 14 Saisonspielen zuletzt bei.

Nachdem es bei Lazio Rom nie wirklich lief, kam Muriqi im Januar 2022 auf Leihbasis zu Real Mallorca. Der damalige Trainer Luis García Plaza, der bekanntermaßen kein Blatt vor den Mund nahm, suchte verzweifelt nach einem Torjäger. Auf den Flügeln wirbelten die Asiaten Take Kubo und Kang-in Lee. „Aber keiner unserer Stürmer schießt Tore. Keiner bringt die Leistung, die ich mir erhoffe“, sagte Plaza. Die Angreifer waren damals Fer Niño, Ángel Rodríguez, der Ex-Schalker Matthew Hoppe und die heutige Vereinsikone Abdón Prats.

Ab der ersten Minute war Muriqi auf der Insel unverzichtbar. Einen Spielertypen wie den 1,94 Meter großen Felsblock hatte die spanische Liga selten gesehen. Schon mit acht Jahren war der Kosovare groß genug, um im Restaurant zu kellnern. Auf dem Fußballplatz ist er der König der Lüfte. Es ist schon fast unmöglich, ein Kopfballduell gegen ihn zu gewinnen.

Unter Plazas Nachfolger Javier Aguirre spielte Real Mallorca den sogenannten Tequila-Fußball: hinten die Null halten und nach vorne „hoch und weit, bringt Sicherheit“. Muriqi war ein dankbarer Abnehmer der langen Bälle und Flanken. Nach der erfolgreichen Rückrunde verpflichtete der Inselclub Muriqi für acht Millionen Euro fest. Nicht mal für die Vereinslegende Samuel Eto'o zahlten die Mallorquiner einen so hohen Betrag.

Vedat Muriqi feiert sein Tor gegen Rayo Vallecano.

Vedat Muriqi feiert sein Tor gegen Rayo Vallecano. / Cati Cladera/Efe

Der Stürmer war sofort Publikumsliebling. Seine Tore feiert er, indem er sich ein Auge wie bei einer Augenklappe zuhält und den Zeigefinger gen Publikum streckt. „Pirat“ lautet sein Spitzname. Eigentlich habe man ihn in der Türkei den „Kannibalen“ genannt, verriet Muriqi. Das habe aber dem Lazio-Präsidenten in Italien nicht gefallen, der ihn eigenmächtig in „Pirat“ umtaufte. Der Spieler hatte kein Problem damit. Sein Heimatclub FC Liria schenkte ihm unlängst eine Sonderanfertigung eines Trikots in Piratenoptik.

Diese Faktoren spielen bei den Überlegungen eine Rolle

Bei einem möglichen Wechsel in die Türkei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Muriqi würde wohl seinen letzten längeren Vertrag unterschreiben und noch mal ordentlich Kasse machen. Zudem muss er nicht darauf hoffen, dass die Form von Real Mallorca anhält, um die Europa League zu erreichen. Andererseits betonte er immer wieder, wie wohl er sich auf der Insel fühlt. Spanien erkannte vor einem Jahr zudem den kosovarischen Pass an, sodass es keine Probleme mehr mit Familienbesuchen gibt.

Der Inselclub ist eigentlich nicht auf Transfereinnahmen angewiesen. Im Sommer kamen durch Verkäufe 14 Millionen Euro auf das Vereinskonto, lediglich 2,35 Millionen Euro wurden für Ablösesummen ausgegeben. Allerdings sehen die US-amerikanischen Eigentümer den Sport als Geschäft. Es dürfte die letzte Möglichkeit sein, so viel Geld für Muriqi zu kassieren. Die Teambosse müssen abwägen, ob sie im Winter einen halbwegs vernünftigen Ersatz holen können. Ein Transfer des Kosovaren könnte sonst auch schnell die Europapokalhoffnungen zunichtemachen. Schon jetzt hat das Team um Trainer Jagoba Arrasate mit 19 Treffern für eine Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte sehr wenig Tore auf dem Konto. Der Druck auf den Kanadier Cyle Larin, der in den vergangenen Wochen endlich aufblühte, wäre enorm.

Von Donnerstag (2.1.) bis zum 3. Februar ist das Wintertransferfenster in Spanien geöffnet. So lange wird es wohl weiter Gerüchte um Muriqi geben. Nach dem Auswärtsspiel gegen Pontevedra in der Copa del Rey am Freitag (3.1.) steht die Saudi-Arabien-Reise an. Das Spiel gegen Real Madrid am Donnerstag (9.1., 20 Uhr) ist das Halbfinale. Das Finale ist für den Sonntag angesetzt. Im zweiten Halbfinale spielen Barça und Athletic Bilbao.

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