Warum Real Mallorca plötzlich in Saudi-Arabien spielt: Fragen und Antworten rund um den Supercup
Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte ist der Erstligist beim Turnier dabei. Gegner im Halbfinale ist Real Madrid. Gespielt wird in Dschidda

Real Mallorca ist zum dritten Mal beim Supercup dabei. / Europa Press
Anfang Januar vom Spiel des Jahres zu sprechen, klingt vermessen. Real Mallorcas Auftritt im spanischen Supercup dürfte – vorbehaltlich Überraschungen in der Liga – aber das Highlight der laufenden Saison werden. Im Halbfinale am Donnerstag (9.1.) geht es in Saudi-Arabien gegen Real Madrid. Bereits am Mittwochabend stehen sich Athletic Bilbao und der FC Barcelona gegenüber. Die beiden Sieger treffen im Finale am Sonntag (12.1.) aufeinander.
Was ist der Supercup eigentlich?
Traditionell war es das Aufeinandertreffen des Meisters gegen den Pokalsieger, das es erstmals 1940 gab. In der Bundesliga wurde das Turnier 1987 eingeführt, zugunsten des Ligapokals 1996 unterbrochen und 2010 wieder ins Leben gerufen. Bei den Deutschen ist es ein besseres Vorbereitungsspiel kurz vor dem Saisonstart. Die Spanier setzen mittlerweile auf ein Miniturnier im Winter in Saudi-Arabien. Neben dem Meister sind der Tabellenzweite und die beiden Pokalfinalisten qualifiziert. Daher ist Real Mallorca als Vize-Pokalsieger des Vorjahres dabei.
Es ist die dritte Teilnahme des Inselclubs. 1998 holten die Mallorquiner (damals noch mit Hin- und Rückspiel) gegen den FC Barcelona die Trophäe. Da Barça das Double gewann, qualifizierte sich Real Mallorca als Verlierer im Pokalfinale (im Elfmeterschießen ebenfalls gegen die Katalanen). Héctor Cúper trainierte zu der Zeit das Team. Für Barça spielten unter anderem Rivaldo und Xavi, an der Seite stand Louis van Gaal.
2003 erreichten die Mallorquiner durch den Sieg der Copa del Rey ein zweites Mal die Supercopa. Im Finale ging es diesmal gegen Real Madrid. Im Heimspiel auf der Insel gelang durch Tore von Arnold Bruggink und Samuel Eto’o sogar ein sensationeller 2:1-Sieg. Im Bernabeu drehten die Galaktischen auf. Raúl, Ronaldo und David Beckham schossen Real Mallorca 3:0 ab.
Warum in Saudi-Arabien?
Diese Frage lässt sich am besten mit einem Cartoon beantworten, der den früheren spanischen Fußballverbandspräsidenten Luis Rubiales mit fetten Euro-Zeichen in den Augen zeigt. Wobei seine Verbandskollegen sicherlich ebenso befangen sind. Der 2023 geschasste Fußballboss (Stichwort Kussskandal, als er Weltmeisterin Jenni Hermoso gegen ihren Willen abknutschte) verkaufte kurz nach seinem Amtsantritt 2018 die Supercopa erstmals ins Ausland – nach Marokko. Der neue Kontostand gefiel ihm so gut, dass er einen Sechs-Jahres-Vertrag mit Saudi-Arabien abschloss und später bis 2029 verlängerte. Der spanische Fußballverband kassiert 40 Millionen Euro pro Supercup in der Wüste. Kosmos, eine Firma des Ex-Barça-Profis Gerard Piqué, bekam 24 Millionen Euro für Vermittlungsdienste. Im vergangenen März durchsuchte die Guardia Civil mehrere Büros des Fußballverbands und ermittelt nun wegen eines möglichen Korruptionsfalls. Eine Untersuchungsrichterin in Madrid verlängerte im Dezember den Ermittlungszeitraum um sechs Monate.
Wie scheinheilig der ganze Wettbewerb ist, zeigt eine Vertragsklausel. Sollten Real Madrid oder der FC Barcelona sich nicht für den Supercup qualifizieren, zahlt Saudi-Arabien je fünf Millionen Euro weniger pro Team. Um das Risiko zu minimieren und insgesamt mehr Spiele in Saudi-Arabien austragen zu können, wurde das Turnier auf vier Mannschaften aufgestockt. Da sich bei sommerlicher Hitze in der Wüste schlecht Sport treiben lässt, verlegte man den Supercup in die Mini-Winterpause im Januar.
Wann und wo gucken?
Das Spiel wird um 20 Uhr im King Abdullah Sports City Stadion in Dschidda angepfiffen. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist das Finale am Sonntag. In Spanien überträgt der Bezahlsender Movistar exklusiv. Wer kein Abo abschließen möchte, kann auch einfach eine Bar aufsuchen. Gute Stimmung dürfte in der neuen Sportbar von Real Mallorca am Stadion Son Moix garantiert sein. Es wird aber schwierig, einen Platz zu ergattern. Reservierungen waren vergangene Woche für das Halbfinale nicht mehr möglich, für das Finale aber schon. Es lohnt sich zu pokern und vor Abpfiff des Halbfinalspiels zu reservieren.
In Deutschland überträgt der Streaminganbieter Sportdigital (sportdigital.de). Den Tagespass gibt es für 3 Euro, das jederzeit kündbare Monatsabo für 5 Euro.
Wer läuft auf?
Real Mallorcas Trainer Jagoba Arrasate schickte am Freitagabend (3.1.) eine B-Elf in das Pokalspiel – und blamierte sich bis auf die Knochen. Gegen den Viertligisten Pontevedra gab es eine 0:3-Klatsche. Mit dem Ergebnis war der Favorit noch gut bedient, der Underdog vergab zahlreiche Chancen. Dabei hätten die Mallorquiner gewarnt sein müssen. Pontevedra ist der Pokalschreck in dieser Saison und schaltete zuvor schon Zweitligist Levante und Erstligist Villarreal aus. Als Supercup-Teilnehmer bekam Real Mallorca Freilose und stieg erst in der dritten Runde ein.
Trainer Arrasate wechselte in der zweiten Halbzeit seine Stars noch ein, es brachte aber wenig. Besser wäre es wohl gewesen, entweder direkt mit der A-Elf aufzulaufen oder den Stammspielern zumindest die Reise nach Galicien zu ersparen.
Theoretisch ist der Transfermarkt geöffnet, beide Teams könnten auf Neuzugänge zurückgreifen. Doch bislang bahnt sich weder in Madrid noch auf Mallorca etwas an. Auf der Insel bangt man eher um einige Säulen im Team. Neben Muriqi, der bei Fenerbahçe auf der Wunschliste steht (MZ berichtete), wird auch der portugiesische Nationalspieler Samu Costa von Atlético Madrid umworben. Den Vertrag mit Innenverteidiger Martin Valjent möchte der Inselclub verlängern, erfüllt aber die Gehaltsvorstellungen des Spielers nicht.
Die Spieler müssen sich auf Temperaturen von knapp 30 Grad vorbereiten. Ähnlich warm war es beim letzten Aufeinandertreffen im August im Son Moix. Beide Mannschaften waren in der zweiten Halbzeit ob der Hitze platt. Real Mallorca konnte beim La-Liga-Debüt von Kylian Mbappé ein 1:1 holen. Im Falle eines Unentschiedens geht es in der Supercopa direkt ins Elfmeterschießen.
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