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Fit bleiben auf Mallorca: Palmas Calisthenics-Studio "Somos Raw" im MZ-Test

Der Begriff Eigenkörpergewichtsübungen klingt wenig sexy. Dabei bedeutet Calisthenics so etwas wie „schöne Kraft“ und ist eine immer populärere Art, den Körper zu stählen. Die MZ hat es ausprobiert

Erik Lemus bietet im Zentrum von Palma Calisthenics-Training für jedes Alter an (auf Spanisch und Englisch).

Erik Lemus bietet im Zentrum von Palma Calisthenics-Training für jedes Alter an (auf Spanisch und Englisch). / Nele Bendgens

Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Geht man tagsüber zwischen 10 und 17 Uhr am Studio von „Somos Raw“ im Carrer de Margalida Caimari vorbei, nur knapp hinter dem Corte de Inglés der Avenidas in Palma, ist meistens nur ein heruntergelassener Rollladen zu sehen. Aber dahinter verbirgt sich seit etwas mehr als einem Jahr „Somos Raw“, das Calisthenics-Studio von Erik Lemus (38). Der Name des Fitnessstudios ist Programm: „Wir sind naturbelassen“, lässt sich das spanisch-englische Wortspiel wohl am ehesten übersetzen.

Erik Lemus macht „Skin the Cat“ vor.  | FOTO: BENDGENS

Erik Lemus macht „Skin the Cat“ vor. / Nele Bendgens

Morgens um 9 Uhr und abends ab 17 Uhr wird hier mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. „Bei mir kann jeder auf seinem Niveau beginnen, egal wie fit er sich momentan fühlt. Calisthenics ist ein sehr niedrigschwelliger, aber auch sehr effektiver Weg, um kräftiger und beweglicher zu werden. Gleichzeitig verbessert man auch sein Gleichgewicht und seine Koordination. Mein ältester Schüler ist 75 Jahre alt“, erzählt der Gründer und Trainer Erik Lemus.

Auch der Eingangsbereich ist „naturbelassen“, also nicht umgebaut. Hier steht rechts noch immer die Bar des vorherigen Mieters, der ein Restaurant betrieb. Dahinter befindet sich eine große weiß getünchte Halle mit hoher Decke, die an eine Schulsport-Turnhalle erinnert. Der Boden ist mit schwarzen Schaumstoff-Matten ausgelegt, die Schuhe werden direkt am Eingang in einem weißen Ikea-Billy-Regal abgestellt. Nirgends sind Spiegel an den Wänden, wie in den Fitnessstudios sonst üblich.

Trainieren in entspannter Atmosphäre

Bei lauter Musik stehen die Kursteilnehmer zunächst entspannt herum und unterhalten sich, die Atmosphäre ist angenehm relaxt. „Die Leute kommen nicht nur zum Trainieren her, sondern auch, um nach ihrem Arbeitstag abzuschalten und sich zu unterhalten. Man scherzt, man lacht und man probiert dabei seinen Körper aus. Wir sind hier mehr wie eine Fitnessfamilie“, sagt Erik Lemus, während er seine gerade mal vier Monate alte Tochter im Arm hält. Auch seine Frau Eva trainiert heute Abend mit.

Als Erstes teilt Erik das knappe Dutzend Teilnehmer in zwei Gruppen auf: eine für das Oberkörpertraining und die andere für den Unterkörper, denn die Körperpartien werden immer abwechselnd an verschiedenen Tagen getrimmt. Für Anfänger empfiehlt Erik Lemus zwei Einheiten pro Woche. Warum, wird erst später deutlich: Noch drei Tage nach dem Probetraining plagen die Reporterin derartige Muskelkater, dass sie kaum noch ihre Arme heben kann.

Liegestütze in den Ringen bei "Somos Raw" - Trainer Erik Lemus gibt jedem individuell Anweisungen.

Liegestütze in den Ringen bei "Somos Raw" - Trainer Erik Lemus gibt jedem individuell Anweisungen. / Nele Bendgens

Wenig Übungen, die aber großen Effekt haben

Los geht es mit ein paar Aufwärmübungen für den ganzen Körper, wie Ausfallschritte, Kniebeugen und Armkreisen. Dann zieht die Oberkörpergruppe an die Wand mit den Stangen und Ringen. Die erste Übung sind Klimmzüge. Ungeübte, die vielleicht noch nie im Leben einen geschafft haben, bekommen zur Unterstützung ein grünes Widerstandsband. Wir klettern auf einen Kasten und von dort aus mit beiden Füßen in das Ende des Bandes. Dann sollen wir so viele Wiederholungen wie möglich machen und dabei das Kinn über die Stange bringen. Nach dem fünften Versuch geht zumindest im Fall der Autorin nichts mehr – keine Chance, noch einmal auf Augenhöhe mit der Stange zu kommen.

Danach gibt es drei Minuten Pause und somit wieder Zeit für ein Pläuschchen. Glòria kann mittlerweile einen Klimmzug ganz ohne Hilfe. Alejandra und Ander sind erst seit zwei Wochen dabei und benutzen ebenfalls das grüne Gummiband. Zwei Durchgänge noch, danach geht es an die Ringe.

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Bei den Klimmzügen hilft am Anfang ein Wiederstandsband, um es mit dem Kinn über die Stange zu schaffen. / Nele Bendgens

Hier geht es darum, eine Art Liegestützen in den Ringen zu absolvieren und danach gleich noch eine Vorform von „Skin the Cat“ – einer typischen Calisthenics-Übung, bei der man in den Ringen oder an der Stange eine 360-Grad-Rolle macht. Dazwischen immer wieder die Pausen, die Teil der Trainingsphilosophie sind. Die Muskeln und das Energiesystem bekämen so genügend Zeit, um sich wieder zu regenerieren, erklärt Erik Lemus.

Das einstündige Training vergeht denn auch wie im Flug – und doch kommt man dabei kaum ins Schwitzen. Die Muskelkater meldet sich dann am nächsten Tag. Eine Probe-Trainingseinheit bei „Somos Raw“ ist kostenlos, danach zahlen die Teilnehmer je nach Anzahl der Trainingstage pro Woche zwischen 50 und 99 Euro pro Monat – die Mitgliedschaft ist flexibel gehalten.

Für Sportler mit Wettkampf-Ambitionen empfiehlt Erik Lemus das Calisthenic-Studio JAP von seinem Kollegen Jonathan Aristizábal, dort trainiert auch die amtierende spanische Meisterin in Calisthenics, die Mallorquinerin Marina Canals.

Kontakt: über IG @somosraw

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