"Deutscher" Fußballclub auf Mallorca: Die Frauen spielen erfolgreicher als die Männer
Balears FC ist längst das beste Frauenfußball-Team der Insel – und wesentlich erfolgreicher als die männlichen Vereinskollegen von Atlético Baleares. Mittelfristig sollte auch der Aufstieg in die erste Liga möglich sein

Die Frauen spielen diese Saison in der zweiten Liga. / ATB
Aus sportlicher Sicht haben die Damen den Herren bei Atlético Baleares den Rang abgelaufen. Das Frauenteam spielt in dieser Saison in der zweiten Liga, die Männer kämpfen in der vierten Spielklasse um den Wiederaufstieg. „Wir wollen uns aber gar nicht so sehr vergleichen, sondern unseren eigenen Weg gehen. Der hat uns im Frauenfußball bislang weit geführt“, sagt Marina Tugores. Die 34-Jährige stand noch selbst auf dem Platz, als die Frauenmannschaft von Atlético Baleares 2018 gegründet wurde. Heute ist sie die sportliche Leiterin des Zweitligisten.
In den knapp sieben Jahren hat der Club des deutschen Präsidenten Ingo Volckmann aus dem Nichts ein neues Aushängeschild des Frauenfußballs auf Mallorca geschaffen. „Ingo unterstützt uns. Das äußert sich natürlich auch finanziell“, sagt Tugores über ihren Boss. „Er hat viel um die Ohren und muss den ganzen Verein leiten. Dennoch weiß er, dass die Frauen ein wichtiger Bestandteil seines Projekts sind.“ Doch weniger als das Geld sei die Hingabe der Spielerinnen seien für den Erfolg verantwortlich.
WM-Titel sorgte für Boom
Der Neuzugang in der spanischen Frauenfußballgeschichte ist längst die beste Inselmannschaft. Lief früher alles über den damaligen Erstligisten Collerense (spielt heute in der vierten Liga), ist Balears FC – wie die Truppe offiziell heißt – heute the place to be. Das liegt auch daran, dass Real Mallorca weiterhin den Frauenfußball komplett vernachlässigt. Und dies obwohl der spanische WM-Titel 2023 für einen Boom sorgte. „Das spüren wir bei den gestiegenen Zuschauerzahlen, dem Interesse der Medien und den Neuanmeldungen junger Mädchen“, sagt Tugores.
Drei Nachwuchsmannschaften sowie ein B-Team, das mit Collerense in der vierten Liga spielt, zählt der Arbeiterclub aus Son Malferit derzeit. „Wir müssen den Schwung weiter nutzen und die Bedingungen im Frauenfußball verbessern“, sagt die sportliche Leiterin. Fälle wie der Kuss-Skandal des Ex-Fußballpräsidenten Luis Rubiales gebe es auch auf Mallorca immer wieder. „Wir arbeiten daran, derartige Mauern einzureißen.“
Neben dem Training arbeiten
Die zweite Liga ist in Spanien semiprofessionell. „Die meisten Spielerinnen bei uns kombinieren den Fußball mit dem Studium oder einem Job. Das ist eine Hürde, aber leider die Realität“, sagt Tugores. Das erschwere es auch, Spielerinnen von außerhalb zu verpflichten. Derartige Neuzugänge sind meist anderen Umständen zu verdanken. Wie der Transfer der Deutschen Jana Rippberger, die 2022 auch wegen eines Jobs als Finanzdirektorin für eine Saison bei Balears FC gegen den Ball trat.
Offen ist derzeit auch noch die Stadionfrage. Die Damen spielen auf dem Kunstrasenplatz Son Malferit, der eigentlich dem balearischen Verband gehört. Die Federación würde das kleine Stadion gerne wieder selbst nutzen, Atlético Baleares klammert aber. „Son Malferit ist unser Zuhause. Hier haben wir unsere schönsten Momente erlebt, und wir identifizieren uns mit dem Platz“, sagt Tugores. Wobei bei einem etwaigen Aufstieg in die erste Liga auch ein Umzug ins Estadi Balear infrage kommen könnte.
Nach einer vielversprechenden Hinrunde verlor das Team um Trainer Txema Expósito die vergangenen vier Spiele. Als Zehnter ist Balears FC punktgleich mit den Abstiegsrängen. „Der Klassenerhalt ist klar das Ziel“, sagt Tugores. Sieben Spiele stehen in dieser Saison noch aus. Am Sonntag (9.3., 12 Uhr) geht es im Son Malferit gegen Osasuna. Mit einem Dreier könnten sich die Mallorquinerinnen aus dem Abstiegsstrudel befreien.
Abonnieren, um zu lesen
- Jan Ullrich nur einer von vielen: Das Radrennen Mallorca 312 rollt den roten Teppich für die Stars aus
- Unglück auf Mallorca: Deutscher Urlauber stürzt bei Valldemossa aus 30 Metern in den Tod
- 40-jährige Radurlauberin stürzt Abhang auf Mallorca hinab und verstirbt wenig später
- „Ist das wirklich noch mein Bierkönig?“: Was im Partytempel am Ballermann jetzt alles anders ist
- Die Ballermann-Saison ist gerettet: Die Playa de Palma bekommt ihr Mäuerchen zurück
- Kein König Pilsener mehr: Bierkönig an der Playa de Palma wechselt das Bier
- Nach Gerichtsbeschluss auf Mallorca: Warum der Fall Fernandes gegen Ulmen in einer Hinsicht auf jeden Fall nach Deutschland gehört
- Sommer-Flugplan, Iran-Krieg und Kundenzufriedenheit: Das sagt die Ryanair-Sprecherin in Spanien zum Mallorca-Urlaub 2026
