Mallorcas MotoGP-Star Joan Mir im Interview: „Ich mag noch nicht jubeln“
Zwei Jahre lang schimpfte der Mallorquiner über seinen Rennstall Honda. Zur neuen Saison ist ein wenig Besserung in Sicht

Joan Mir stürzte erneut.
Emilio Pérez de Rozas
Wenn Joan Mir heute lächelt, dann scheint er tatsächlich gut drauf. In den vergangenen beiden Jahren musste er sich oft genug dazu zwingen. „Das Motorrad ist Mist. Damit kann niemand ein Rennen gewinnen“, schimpfte der Mallorquiner aus Palma über seine Honda. Mit der japanischen Maschine stürzte der MotoGP-Weltmeister von 2020 wiederholt. Es waren zwei Saisons zum Vergessen. Sein Teamkamerad, der einstige Superstar Marc Márquez, war derart verärgert über den Rennstall, dass er zu Ducati wechselte. Der 27-Jährige Mallorquiner blieb und nimmt nun einen neuen Anlauf. Beim Auftaktrennen in Thailand am Sonntag (2.3.) stürzte er jedoch erneut. Die MZ-Schwesterzeitung „El Periódico“ sprach vorab mit ihm.

Joan Mir fühlt sich nach zwei Jahren endlich wohl im Sattel der Honda. | FOTO: EUROPA PRESS
Sie wirken glücklicher als zuletzt. Wie steht es um Ihre Vorfreude auf die Saison?
Natürlich bin ich glücklich! Seitdem ich bei Honda bin, habe ich mich noch nie so gut gefühlt. Und das will was heißen. Das Training lief gut. Wir reden hier nicht von einer schnellen Runde, sondern von konstant hohem Tempo, mit dem ich meinen Stil ausfahren kann. Ich bin wieder bereit, um einen Platz in den Top-10 zu kämpfen. Dafür muss ich noch ein paar rote Ducatis überholen, die fast immer vor mir sind, aber letztlich hat Honda endlich etwas verändert und gibt mir die Chance, vielleicht sogar aufs Podium zu klettern.
Top-10 klingt nun nicht gerade nach einem ehrgeizigen Ziel.
Das ist aber die Idee und auch das Beste, was wir machen können. Anders geht es momentan nicht. Es ist einfach ein riesiger Unterschied, ob ich im Training oder bei einem Großen Preis fahre. Nach zwei fürchterlichen Jahren muss ich auch vorsichtig mit ambitionierten Zielen sein. Wobei ich mich nicht mit dem 15. Platz zufrieden geben will oder kann. Das wäre auch verkehrt.
Wollen Sie damit sagen, dass die Honda-Krise noch nicht vorbei ist?
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das nun der Anfang einer neuen Epoche ist. Ob wir es nun endlich begriffen haben, dass etwas verändert werden muss. Wo ich mir sicher bin und was ich auch spüre, ist, dass die Teamleitung nun an den richtigen Schrauben dreht. Die Bosse machen ihre Arbeit. Das erlaubt uns, in Zukunft irgendwann den nächsten Schritt zu gehen. Je eher der kommt, umso besser. Das ist doch alles keine Zauberei. Die Ergebnisse zeigen uns letztlich, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Und in der Vorbereitung der Saison waren die Resultate sehr vielversprechend. Gleichzeitig mag ich nach den vergangenen beiden Jahren noch nicht jubeln und mich zu sehr mitreißen lassen. Sonst warten wieder böse Überraschungen auf mich.
Sie sind also endlich zufrieden mit Ihrem Motorrad?
Auf jeden Fall. Es ist eine gute Maschine, wobei wir noch ein paar Fehler ausmerzen müssen. Das wird nicht einfach, aber ich bin optimistisch. Das Motorrad hat eine gute Balance, was mir erlaubt, stark zu bremsen und dadurch mehr anzugreifen. Ich sitze derzeit gerne im Sattel und bin zufrieden. Das war vorher nicht der Fall.
Was genau müssen Sie beim Motorrad denn noch verbessern?
Es sind nur drei Schwachstellen, aber die sind dicke Brocken. Der Motor erlaubt mir derzeit nicht die Spitzengeschwindigkeit, die ich mir wünsche. Die Reifen bringen nicht den Grip auf den Asphalt, den es braucht. Und dann hat das Motorrad noch ein paar Macken, mit denen ich schon im Vorjahr zu kämpfen hatte. Die Maschine vibriert zu stark. Wir wissen nicht, wie wir das abstellen können. Diese drei Probleme sind unsere Achillesferse. In den Rennen können sie uns viel Zeit kosten.
Ist denn keine Lösung in Sicht?
Es ist schwierig, in allen drei Punkten etwas zu verbessern. Aber wenn wir schon nicht alle drei Probleme beheben können, hoffe ich zumindest, dass wir ein oder zwei lösen. Gelingt uns das, wird das zum Erfolg führen. Nur so haben wir gegen die Ducatis eine Chance. Da sind wir uns einig: Alle Hondafahrer sind der gleichen Meinung, was die Schwachstellen angeht.
Abonnieren, um zu lesen
- Wegen des Iran-Kriegs: Plötzlich sind Immobilien auf Mallorca für Investoren aus Dubai interessant
- Rekord gebrochen: Nie hat es so viel am Flughafen Mallorca geregnet wie diesen Winter
- Wetter auf Mallorca: Sturmtief sorgt für Schnee, Hagel und Kälteeinbruch am Wochenende
- Langzeitprognose: So soll das Wetter im Frühling 2026 auf Mallorca werden
- Wie viel es kostet, auf Mallorca eine Bar oder ein Restaurant zu eröffnen - und welche Fallen lauern
- Vergabe-Krimi auf Mallorca beendet: Die Playa de Palma hat einen neuen Betreiber
- Mallorcas MotoGP-Held Jorge Lorenzo über seinen neuen Job: 'Lange Zeit hatte ich selbst Zweifel
- Im Ernstfall kommt es zu einer Versteigerung der Maschine': Neue Einzelheiten im Fall des gepfändeten Ryanair-Mallorca-Fliegers bekannt